Gang-Kriminalität

Amerikas Super-Cop soll jetzt in London aufräumen

William Bratton machte Los Angeles und New York sicher. Jetzt erklärt er im von Unruhen erschütterten England, was gegen Gang-Kriminalität hilft.

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Er hatte 38.000 Polizisten unter sich – und fühlte sich dennoch nie sicher genug, das Haus ohne Pistole zu verlassen. Trotzdem schaffte es William Bratton, die Zahl der Morde und der schweren Körperverletzungen in Los Angeles und New York innerhalb weniger Jahre zu halbieren.

Der berühmteste Officer der amerikanischen Polizei hilft nun der britischen Innenministerin Theresa May bei der Bekämpfung der wachsenden Gang-Kriminalität in Großbritannien – nicht als „Super Sheriff“, wie englische Boulevard-Medien berichtet hatten, sondern als einfacher Berater. „Ich bin nicht der Crime-Zar, der für alle Probleme eine Lösung hat“, sagt Bratton.

Noch bis Donnerstag ist er in London, Manchester und Birmingham unterwegs, um der britischen Regierung und dem Parlament sein Konzept einer Viertel-Polizei vorzustellen. „Festnehmen und einbuchten reicht nicht. Die Gang-Problematik lösen wir nicht mit Handschellen“, sagt der 64-Jährige.

Der britischen Polizei stellt der Amerikaner knapp vier Monate nach den tagelangen Unruhen in der Hauptstadt ein gutes Zeugnis aus: Er habe viel „Kreativität“ bei der Metropolitan Police erlebt, sagt William Bratton.

London habe es gut, die Gang-Kriminalität sei erst seit knapp 15 Jahren auf dem Vormarsch – kein Vergleich zu Los Angeles, wo die Gangs über 100 Jahre lang ihre beherrschende Rolle hatten, bis sich ihnen ein Polizeioffizier aus Boston in den Weg stellte: William Bratton setzte auf „cops on the dots“, schickte gezielt Polizisten und Streifenwagen in die Krisenviertel und setzte auf eine enge Verbindung mit den Bürgern.

„Die Hauptsorge der New Yorker waren nicht die Morde, nicht die Vergewaltigungen, sondern die vielen kaputten Fensterscheiben und die vielen Graffiti“, sagt Bratton.

Mehr Sauberkeit, mehr Licht, mehr Polizeipräsenz: einfache Methoden, die aber im Falle von New York bis heute wirken: Von 700.000 schweren Verbrechen im Jahr 1990, darunter 7000 Toten durch Schussverletzungen, ist die Zahl auf 140.000 in diesem Jahr zurückgegangen.

Polizei unter verschärfter Beobachtung

Der Besuch des Beraters in London kommt zu einer Zeit, in der die Polizei unter verschärfter Beobachtung steht: Die Krawalle im Sommer, der Murdoch-Skandal und zuletzt die Diskussion um die Wiedereinsetzung des umstrittenen Met-Chefs Ali Dizaei werfen ein schlechtes Licht auf den Zustand der Polizei.

Seit Monaten arbeitet das Innenministerium an einer Reform, im kommenden Jahr sollen erstmals aus den Reihen der Polizei Kommissionen gewählt werden, die fortan die Arbeit überwachen.

„Das ist eine Revolution, die hier geschieht“, sagt Bratton. Großbritannien folgt damit dem amerikanischen Vorbild, auch dort gibt es in vielen Städten gewählte Aufseher für die Exekutive.

"Ich wusste: Ich hatte eine Lösung für die Probleme.“

Bratton dient mehrere Jahre in Vietnam, bevor er 1970 zur Bostoner Polizei geht. Doch seine kindlichen Idealvorstellungen werden von der Realität in der Stadt schnell enttäuscht. „Die Bostoner Polizei war brutal, korrupt und ineffizient“, sagt Bratton. „Doch ich wusste: Ich hatte eine Lösung für die Probleme.“

Noch heute verschaffen ihm der Erfolg und sein selbstbewusstes Auftreten viele Zuhörer: Neben dem britischen Parlament und dem Premier berät William Bratton noch das amerikanische Heimatschutzministerium und ist Chef von Kroll, einer weltweit tätigen Sicherheitsberatung.

Allein mit mehr Polizisten lässt sich das Gang-Problem in London nicht lösen, glaubt Bratton. „Es kommt nicht auf die Zahl der Polizisten an, sondern darauf, wie sie eingesetzt werden.“

Dass das stimmt, zeigt das Beispiel Boston: In seiner Zeit als Polizeichef muss Bratton 25 Prozent der Officers entlassen, dennoch geht die Kriminalitätsrate zurück. Auch in Los Angeles führte das Konzept der Viertel-Polizei zum Erfolg, wenn auch erst nach sieben Jahren. „Wir hatten nur 9000 Polizisten“, sagt Bratton, „in einer Stadt, die 18.000 gebraucht hätte.“

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