Atomprogramm

Iran testet bei Manöver die Verteidigungsfähigkeit

Während die Debatte um einen Atomschlag gegen Iran weitergeht, startet Teheran Übungen. Ein General soll beim Test einer Interkontinentalrakete getötet worden sein.

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Vor dem Hintergrund der israelischen Diskussionen über einen Angriff auf iranische Atomanlagen hat die iranische Armee ein viertägiges Manöver begonnen. Der staatliche Sender Press TV berichtete am Samstag, die Übungen hätten am Vortag im Osten des Landes begonnen. Sie sollten dazu dienen, die Verteidigungsfähigkeit des Landes zu überprüfen. Zunächst werde die Einrichtung von Kommandostäben und die Stationierung verschiedener Einheiten geübt, meldete der Fernsehsender.

In Israel wird derzeit die Möglichkeit eines Militärangriffs auf iranische Atomanlagen debattiert. Anlass dafür ist ein Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, nachdem es ernstzunehmende Hinweise auf ein Atomwaffen-Programm im Iran gibt. Die Führung in Teheran bestreitet diese Vorwürfe, gibt aber nicht alle Elemente ihres Atomprogramm preis.

Raketenexperte starb bei Raketentest

Für Irritation sorgt in diesem Zusammenhang ein Bericht der staatlichen Tageszeitung "Iran". Danach sei der am 12. November bei einer Explosion getötete General der Revolutionären Garde, Hassan Mokaddam, beim Test einer Interkontinentalrakete ums Leben gekommen. Das Blatt zitiert den Bruder des Generals, der mit rund 20 Gardisten auf dem Militärstützpunkt Bidganeh südwestlich von Teheran starb. Bislang war stets von einer Munitionsexplosion die Rede gewesen. Hassan Mokaddam war Leiter einer logistischen Forschungseinheit, der die Entwicklung iranischen Raketensysteme „Schihab“ und „Silsal“ zugeschrieben wird.

Führende Politiker in den USA und Westeuropa haben unterdessen vor einem Militärschlag gegen den Iran gewarnt. Dort wird eine Verschärfung der Sanktionen favorisiert – ein Schritt, der aber von Russland und China abgelehnt wird.

"Der Angriff ist weniger gefährlich"

Der israelische Sicherheitsexperte Dan Schueftan sieht zu einem Militärschlag keine Alternative, wenn es keine weiteren Sanktionen gibt. Dann bleibe eigentlich nur noch ein Angriff, sagte der Wissenschaftler vom National Security Center der Universität Haifa. Wenn man den Iran jetzt ungehindert Kernwaffen bauen lasse, würden in Kürze auch Ägypten, die Türkei, Saudi-Arabien und andere arabische Staaten zu Atommächten werden. Auch Argentinien, Brasilien und Venezuela könnten als Atommächte hinzukommen. „Dann ändert sich die ganze Welt“, warnte Schueftan. Wenn es keine scharfen Sanktionen gegen den Iran gebe, dann müsse man „etwas Militärisches machen, am liebsten etwas Amerikanisches“, forderte er.

„Wenn die Amerikaner gar nichts machen, wenn es keine Sanktionen gibt und es nur die Wahl gibt zwischen einem Angriff und einer globalen Katastrophe, dann ist der Angriff weniger gefährlich“, sagte der Sicherheitsexperte. Israel fürchte nicht, bei einem eventuellen Angriff auf den Iran die Unterstützung der Welt zu verlieren – nur die der Amerikaner. Die Europäer – und auch Deutschland – täten ohnehin „sehr wenig“ für Israel. Andere Teile der Welt seien schon jetzt feindlich eingestellt. „Die einzige Sache, die sich negativ ändern kann, ist die amerikanische Einstellung.“ Das sei allerdings sehr gefährlich und sehr negativ, gab Schueftan zu bedenken.