Papadopulus-Nachfolger

"Papa" Papademos könnte neuer Premier werden

Der ehemalige Vizepräsident der EZB, Lucas Papademos, wird Gerüchten zufolge neuer griechischer Premier. Seine Wahl wäre ein Signal für den Euro.

In Griechenland verdichten sich die Anzeichen, dass der frühere Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Lucas Papademos, neuer Ministerpräsident werden könnte. Der Chef der ultrakonservativen Partei LAOS, Giorgos Karatzaferis, sagte nach einem Treffen mit dem griechischen Staatspräsidenten Karolos Papoulias: „Ich habe gehofft heute sagen zu können 'habemus Papademos' (wir haben Papademos als Regierungschef).“ Papoulias wollte den Namen nicht bestätigen und sagte lediglich: „Es wird „ausgebrütet"“.

In Griechenland soll bis Montagabend eine neue Übergangsregierung mit Beteiligung der beiden großen sozialistischen und konservativen Parteien gebildet werden. Sie soll das Land vom Bankrott retten.

Der Name des 64-jährigen Papademos ist mit dem Euro fest verbunden. Bis Mitte vergangenen Jahres war er EZB-Vizepräsident. Seine Wahl zum Premierminister einer Athener Übergangsregierung wäre ein Ausdruck des Willens der Griechen, den Euro zu behalten.

Auch wenn Papademos nur selten Schlagzeilen machte, tat er hinter den Kulissen sein Möglichstes, um ein Auseinanderbrechen der 17 Euro-Länder zu verhindern. Unter anderem verantwortete er die Ankäufe von Staatsanleihen der Euro-Länder in Schwierigkeiten. Außerdem half er den 6000 bei der EZB registrierten Banken, auch für faule Kredite fast unbegrenzt günstige Kredite zu bekommen.

„Wir sind Lucas sehr dankbar“, sagte der ehemalige EZB-Chef Jean-Claude Trichet zu Papademos' Abschied 2010. „Als die Banken ins Rutschen kamen, war Lucas einer der wichtigsten Gestalter ihrer Stabilisierungshilfen.“ Der renommierte Experte Papademos hat in seiner Frankfurter Zeit international viele Freunde gewonnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und alle anderen, die Griechenland mit Milliarden unterstützen wollen, können auf ihn zählen.

Papademos könnte das von Premier Giorgos Papandreou verspielte Vertrauen wiederherstellen. Sein größter Vorteil: Er tritt einen Job an, den er nie wollte. Damit braucht er bei den politischen Mätzchen nicht mitzumachen, die die Griechen fast aus dem Euro katapultiert hätten.

Kein Politiker zu sein ist jedoch auch ein Nachteil, denn der introvertierte Denker hat eine Schwäche: Er ist keiner, der die Öffentlichkeit liebt. Er doziert lieber vor einem kleinen Kreis von Zuhörern und verliert sich in Wirtschaftstheorien. Das würde es ihm erschweren, das Volk mitzunehmen.

Als EZB-Vize saß Papademos bei den monatlichen Pressekonferenzen regelmäßig an der Seite Jean-Claude Trichets, der seinerseits am vergangenen Dienstag die Präsidentschaft an den Italiener Mario Draghi übergeben hatte. Vor der in Frankfurt versammelten Presse kam Papademos kaum mal ein Wort über die Lippen. Er nahm lieber Journalisten, die ihm bekannt waren, bei anderen Gelegenheiten zu einem Wort im Stillen zur Seite. Auch dann achtete auf jedes Wort.

Papademos müsste den Griechen nur mehr von seiner gutmütigen und freundlichen Art zeigen, die ihm in EZB-Kreisen den Spitznamen „Papa“ eingebracht hatte. Soviel Offenheit ist er aber nicht gewohnt. Das griechische Volk wird bei der Wahl im kommenden Jahr mitreden dürfen.