Karikaturen

Warum Deutsche den Spott der Griechen erleiden

Griechische Karikaturisten haben derzeit Hochsaison – doch viele haben durch scharfe Kritik ihren Job verloren. Auch Deutsche stehen im Visier der Zeichner.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Die griechische Wirtschaft als „Titanic“, die Regierungsspitze als Clowns, die von Roboterpolizisten vor dem Mob geschützt werden, oder arme Griechen, die von fetten Katzen in Zylindern Geld erbetteln. Die griechische Schuldenkrise und der stetige Fluss von Hiobsbotschaften aus Athen haben zumindest einer Berufsgruppe des Landes ein goldenes Zeitalter beschert: den Karikaturisten.

„Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für Karikaturisten“, sagt Maria Tzaboura, die für die griechische Zeitung „Proto Thema“ zeichnet.

Sie kanalisieren gemeinsam mit politischen Kommentarschreibern die Verwirrung und die Wut der griechischen Bevölkerung über gekürzte Löhne und Zuschüsse, höhere Steuern und das Spardiktat der internationalen Geldgeber.

Arbeitslos nach zu scharfer Feder

Einige der griechischen Karikaturisten haben durch ihre scharfe Feder allerdings auch ihre Jobs verloren. So wie Tasos Anastasiou, der kürzlich von seiner Zeitung „Ta Nea“ entlassen wurde. Die Zeitung nannte wirtschaftliche Gründe, er selbst sieht sich als Opfer seiner harten Kritik an der Regierung.

Auch Spiros Derveniotis, der im Sommer seine Arbeit bei der „City Press“ verlor, weist auf die wichtige Funktion der Karikaturisten in der derzeitigen Krise hin. „Es (die Krise) ist etwas, was die Menschen dazu gezwungen hat, Partei für die eine oder andere Seite zu ergreifen. Wir beobachten im Moment nicht nur. Wir werden aktiver“, sagt Derveniotos.

Ausstellung zu Krisen-Karikaturen

Doch dass die Karikaturisten in diesen Zeiten besonders viel zu tun haben, zeigte eine kürzlich zu Ende gegangene Ausstellung mit Krisen-Karikaturen im Athener Benaki-Museum. Während griechische Zeichner etwa während der Militärdiktatur von 1967 bis 1974 heikle Themen nur auf subtile Weise aufgriffen, um nicht festgenommen oder zensiert zu werden, kommt in der Krise immer mehr der verärgerte Ton durch.

Eines der Bilder, die zuletzt die Runde machten, ist ein bearbeitetes Foto von Ministerpräsident Giorgios Papandreou in einem schwarzen Rollkragenpullover und in einer Pose, die an den verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs erinnert. Darunter ist zu lesen: No Jobs (keine Jobs), 2009-2011.

Und auch die Deutschen bekommen ihr Fett ab. Griechische Schüler stellten einen Kalender zusammen, in dem der Spardruck Deutschlands auf Athen zum Thema gemacht wird und dafür auch die NS-Besetzung Griechenlands als Vergleich herangezogen wird.

"Dieser Humor ist Teil unseres täglichen Lebens“

In einem Bild ist statt des Hakenkreuzes ein Euro auf der Nazi-Flagge zu sehen, ein anderes zeigt einen deutschen Offizier, der einem Verurteilten wegen der hohen Tabaksteuer die letzte Zigarette verweigert.

„Es mag übertrieben sein oder den Deutschen beleidigend erscheinen, aber diese Art von Humor ist Teil unseres täglichen Lebens“, sagt die Online-Kommentatorin Elina Makri.

„Das könnte auch erklären, warum einer meiner Jura-Professoren aus Frankreich einmal gesagt hat: Immer wenn ich nach Griechenland komme und die Nachrichten im Fernsehen ansehe, wundere ich mich nicht, warum das Drama und die Komödie in Griechenland geboren wurden.“

dapd

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