Kim Han-Sol

Nordkoreas Diktator-Enkel in den Straßen von Mostar

Kim Han-Sol ist 16 Jahre alt und ein selbstbewusster Teenager. Doch er wird von den Medien verfolgt – wegen seines Großvaters.

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Der selbstbewusste Teenager mit der schwarzen Hornbrille scheint den Medienwirbel eher gelassen zu nehmen. Ja, ihm gefalle Mostar, die Leute seien freundlich – und er liebe das bosnische Essen, pflegt der 16-jährige Novize am internationalen UWC-College den Journalisten zu versichern, die überall auf ihn warten.

Seine neue Schule ist weniger gelassen. "Lasst Kim Han-Sol in Ruhe!" sagt eine Sprecherin. Eine ziemlich naive Forderung, denn der junge Mann ist der Enkel des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-il.

Schon die Nachricht Ende September, dass Kim Han-Sol in der bosnischen Botschaft in Peking ein Visum zum zweijährigen Studium am UWC-College in Mostar beantragt habe, sorgte für Schlagzeilen - nicht nur in Bosnien-Herzegowina, sondern in ganz Asien. Seit sich der 16-Jährige Mitte Oktober in Mostar einquartiert hat, wird Kim Han-Sol auf Schritt und Tritt von bosnischen und asiatischen Journalisten verfolgt.

Sein Vater verscherzte es sich mit dem Diktator

Allerdings: Viel ist nicht in Erfahrung zu bringen: Die letzten Jahre hat der Schüler mit seiner Familie im zwölften Stockwerk eines Wohnblocks im mittlerweile chinesischen Macau gelebt. Nur die Sommerferien soll er überhaupt noch in Nordkorea verbringen. Sein Vater Kim Jong-Nam galt als ältester Sohn von Kim Jong-Il zwar lange als Thronfolger. Doch mit seinen heimlichen Reisen nach Japan verscherzte er es sich mit seinem Vater.

Aber wie kommt ein Nordkoreaner überhaupt nach Bosnien? Durch Zufall. Eigentlich hatte sich Kim Han-Sol um einen Platz im UWC-College in Hongkong bemüht – doch war ihm das nötige Studienvisum von den chinesischen Behörden verweigert worden.

Doch auch in dem vor allem von Schülern aus früheren Konfliktregionen wie Afghanistan, und Irak besuchten UWC-College in Bosnien scheint er sich recht gut eingelebt zu haben. In Begleitung von Mitschülern zieht er nach Schulschluss durch die Straßen von Mostar – wie viele 16-Jährige auf der Welt auch.