Nach Grenzstreit

Serbien sagt Verhandlungen mit dem Kosovo ab

Nachdem es an der Grenze zwischen Serbien und dem Kosovo erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen ist, hat Serbien neue Verhandlungen mit dem Nachbarland abgesagt. Bei den Zusammenstößen am Vortag waren vier Nato-Soldaten verletzt worden.

Foto: REUTERS

Nach den jüngsten Zusammenstößen an einem gemeinsamen Grenzübergang sind die von der Europäischen Union unterstützten Verhandlungen zwischen dem Kosovo und Serbien bis auf Weiteres abgesagt worden. Nach Angaben von EU-Unterhändler Robert Cooper war die serbische Seite am Mittwoch nicht zu neuen Gesprächen bereit. Während Frankreich die Gewalt gegen Kfor-Soldaten verurteilte, zeigte sich Russland besorgt über deren Vorgehen.

Die Gespräche zwischen den Vertretern Serbiens und dem Kosovo in Brüssel seien auf unbestimmte Zeit verschoben worden, teilte Cooper mit. Sie sollten wieder aufgenommen werden, „wenn die serbische Seite dazu bereit ist“. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen sagte Serbien die Verhandlungen aus Protest gegen die gewaltsamen Auseinandersetzungen im Norden des Kosovos vom Vortag ab.

Schon ein für Dienstag geplantes Treffen mit der kosovarischen Seite war wegen der Ausschreitungen verschoben worden. Nach Angaben Coopers, der die Gespräche im Auftrag der EU-Außenministerin Catherine Ashton führt, soll es bei der geplanten Verhandlungsrunde um energie- und telekommunikationspolitische Fragen sowie um eine Beteiligung des Kosovos an regionalen Gremien gehen. Zudem sollten bereits erzielte Vereinbarungen in Kraft gesetzt werden.

Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit serbischen Demonstranten im Norden des Kosovo waren am Dienstag vier Nato-Soldaten verletzt worden. Wie die Nato-Truppe Kfor mitteilte, wurden die Soldaten durch einen selbst gebauten Sprengsatz verletzt, einer von ihnen schwer, die anderen leicht. Der Direktor eines Krankenhauses der nahegelegenen Stadt Kosovska Mitrovica sagte örtlichen Medien, am Grenzübergang Jarinje seien auch sechs serbische Demonstranten bei Auseinandersetzungen mit der Kfor durch Schüsse ernsthaft verletzt worden.

Ein Kfor-Soldat habe schwere Verletzungen erlitten, sagte der stellvertretende Kfor-Sprecher Kai Gudenoge. Er sei mit einem Rettungshubschrauber weggebracht worden. Zur Nationalität der Verletzten machte die Kfor keine Angaben. Auch das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam konnte auf Anfrage zu möglicherweise betroffenen deutschen Soldaten zunächst nichts sagen, laut Kfor wurden aber deutsche Soldaten von serbischen Demonstranten mit Steinen beworfen.

Grund für die Auseinandersetzungen war eine serbische Straßenblockade, die Demonstranten errichtet hatten. Die Kfor-Soldaten nahmen daraufhin mindestens vier Männer fest. Drei von ihnen seien jedoch nach Angaben der Demonstranten bereits wieder freigelassen worden. Die Barrikade befand sich in der Nähe des zwischen Serbien und dem Kosovo umstrittenen Grenzpostens Jarinje. Als Reaktion auf den Einsatz der Kfor-Soldaten errichteten Serben in der Nähe der aufgelösten Straßenblockade eine neue Sperre.

Wenige Tage zuvor übernahmen kosovarische Polizisten und Mitglieder der EU-Polizei- und Justizmission im Kosovo (Eulex) den Grenzposten in Jarinje sowie einen weiteren in Brnjak. Aus Protest gegen die Polizeiaktion hatten die im Nordkosovo lebenden Serben die Zugänge zu den Grenzposten mit Lastwagen verbarrikadiert.

Wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr mitteilte, wurde in der Nähe des Übergangs Jarinje am Dienstag auch ein Bundeswehrsoldat durch einen Schuss in den Oberschenkel verletzt. Es habe sich jedoch um einen Unfall gehandelt, der nicht mit den Ausschreitungen zusammenhänge, sagte ein Sprecher. Laut einer Mitteilung löste sich ein Schuss, nachdem der Soldat „befehlsgemäß seine Waffe fertig geladen“ hatte.

Ein Sprecher des französischen Außenministeriums verurteilte die Gewalt gegen Kfor-Soldaten und rief die Bevölkerung in der Region zur Ruhe sowie zur Zusammenarbeit mit den Nato-Truppen auf. Das russische Außenamt äußerte indes Besorgnis über „Gewalt der Kfor gegen die serbische Bevölkerung“. Russland ist traditionell ein enger Verbündeter Serbiens.

Hintergrund der Vorfälle ist ein Handelsstreit zwischen Serbien und der einstigen südserbischen Provinz Kosovo, die sich im Februar 2008 für unabhängig erklärt hatte. Im Juli hatte das Kosovo als Reaktion auf ein Einfuhrverbot von serbischer Seite ein Importverbot gegen serbische Waren verhängt. Daraufhin entbrannte ein Streit mit der serbischen Minderheit im Nordkosovo über die Kontrolle der Grenze. Erst Anfang September einigten sich beide Länder auf einen Freihandel.

Die Bevölkerung im Kosovo ist zu mehr als 90 Prozent albanischstämmig. Die mehrheitlich serbische Bevölkerung im Norden des Kosovos erkennt die Regierung in Pristina aber nicht an. Seit der Unabhängigkeitserklärung des Landes im Februar 2008 sind die Beziehungen zwischen Pristina und Belgrad gespannt. Serbien betrachtet das Kosovo als abtrünnige Provinz.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen