Minutenprotokoll

Journalisten befreit – "Es war ein Alptraum"

Über Tage hatten Gaddafi-Anhänger Journalisten in einem Hotel festgehalten. Einige wurden bedroht. Sie sind jetzt frei. Lesen Sie alle Infos im Minutenprotokoll nach.

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Zahlreiche internationale Journalisten in Tripolis hängen in einem Luxus-Hotel fest.

Video: Reuters
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19.18 Uhr: Sarkozy kündigt Libyen-Konferenz für 1. September an

Eine große Libyen-Aufbaukonferenz ist von Nicolas Sarkozy für den 1. September in Paris angekündigt worden. „In voller Übereinstimmung mit (dem britischen Regierungschef) David Cameron haben wir beschlossen, eine große internationale Konferenz zugunsten des freien Libyens von morgen einzuberufen – um zu zeigen, dass wir uns nun mit der Zukunft befassen“, sagte Sarkozy nach einer Unterredung mit Rebellenchef Mahmud Dschibril im Élyseepalast.

18.58 Uhr: Pentagon sorgt sich um Raketenwerfer

Die US-Regierung versichert erneut, dass alle derzeit in dem Land vorhandenen Massenvernichtungswaffen „gesichert“ seien. Dies betrifft nach Angaben eines Pentagon-Sprechers insbesondere auch Senfgasvorräte der Regierung von Gaddafi in einer Größenordnung von mehr als zehn Tonnen. Sorgen bereite dem US-Verteidigungsministerium allerdings ein Standort mit Hunderten Raketenwerfern, sagte der Sprecher. Die USA würden alle Waffen auch weiter überwachen, könnten aber keine Bodentruppen zu ihrer Sicherung einsetzen.

18.28 Uhr: Gaddafis Sohn will über Waffenruhe in Tripolis verhandeln

Gaddafis Sohn Al Saadi versucht laut dem US-Sender CNN, einen Waffenstillstand in Tripolis auszuhandeln. Wie der Sender auf seiner Website berichtet, sei Al Saadi um Kontaktaufnahme mit den amerikanischen Behörden und den Aufständischen bemüht. CNN-Reporter Nic Robertson steht nach eigenen Angaben im E-Mail-Kontakt mit dem Geschäftsmann und ehemaligen Profi-Fußballspieler.

„Ich habe Autorität“, um zu verhandeln, schrieb Al Saadi laut Robertson. Al Saadi würde gerne eine Waffenruhe aushandeln, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, erklärte Robertson. Al Saadis E-Mails schienen authentisch zu sein, da sie früherer Korrespondenz mit ihm ähnelten, fuhr er fort.

17.43 Uhr: Gaddafis Botschafter quittieren Dienst

Gaddafis Botschafter in Argentinien, Bosnien, Mexiko, den Philippinen und Simbabwe quittieren ihren Dienst für den libyschen Machthaber und versichern, den Nationalen Übergangsrat der Rebellen anzuerkennen.

17.17 Uhr: CNN-Reporter – "Es war ein Alptraum"

Die Reporter hätten das Hotel Rixos in einem Fahrzeugkonvoi verlassen, berichtet CNN-Reporter Matthew Chance. Zuvor „Es war ein Alptraum“, sagt Chance. Alle seien „restlos erleichtert“. „Fünf-Sterne-Geiselhaft“ beschreibt CNN die Lage.

Auf den Gängen patrouillierten Bewaffnete, berichtet BBC-Reporter Matthew Price. Einen Kameramann des britischen Fernsehsenders ITN hätten die Bewaffneten mit einem Schnellfeuergewehr des Typs AK 47 bedroht, um ihn am Verlassen des Hotels zu hindern. Zudem gingen die Festgehaltenen davon aus, dass Gaddafi-treue Scharfschützen auf dem Dach postiert waren.

17.03 Uhr: Journalisten in Tripolis wieder frei

Die in einem Hotel in Tripolis festgehaltenen Journalisten sind nach einem Bericht des US-Senders CNN befreit worden. Zuvor war es den Reportern von bewaffneten Anhängern von Gaddafi untersagt worden, das Rixos-Hotel zu verlassen.

16.30 Uhr: Deutschland will Libyen helfen

Deutschland will Libyen beim Wiederaufbau rechtsstaatlicher und demokratischer Strukturen helfen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes betont, für die Nach-Gaddafi-Ära würden dem Nationalen Übergangsrat kurzfristig Kredite in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro gewährt. Das Geld solle für zivile, humanitäre Projekte verwendet werden.

Der Übergangsrat werde den Einsatz der Gelder kontrollieren. Auch das derzeit in Deutschland eingefrorene Staatsvermögen Libyens in Höhe von rund 7 Milliarden Euro soll so schnell wie möglich freigegeben werden.

16.16 Uhr: Libyscher Außenminister meldet sich zu Wort

Nach Angaben des libyschen Außenministers verfügt Muammar al-Gaddafi über keinen Einfluss im Land mehr.

Abdul Ati al-Obeidi sagt dem britischen Rundfunksender Channel 4, er stehe nicht mehr mit anderen Regierungsvertretern in Kontakt. Alles deute daraufhin, dass Gaddafi alle seine Optionen ausgeschöpft habe.

16.06 Uhr: Nutzen Gaddafi-Anhänger Ausländer als Druckmittel?

Ein libyscher Rebellenführer warnt Journalisten und Diplomaten in Tripolis vor Entführern aus den Reihen des Gaddafi-Regimes. Die Aufständischen hätten erfahren, dass verbliebene Einheiten des Regimes angewiesen seien, Ausländer als Druckmittel zu verschleppen, sagt der Anführer einer Rebellenmiliz im Westen von Tripolis.

15.40 Uhr: Neue Strategie bei Suche nach Gaddafi

Rebellen bieten denjenigen aus dem Umfeld Gaddafis, die den langjährigen Machthaber gefangen nehmen oder töten, Amnestie an. Außerdem habe ein Geschäftsmann aus Benghasi eine Belohung von umgerechnet etwas mehr als einer Million Euro für die Ergreifung Gaddafis ausgesetzt, sagt der Chef des Übergangsrats der Rebellen, Mustafa Abdel Dschalil, vor Journalisten.

15.10 Uhr: Journalisten im Hotel ohne fließendes Wasser gefangen

Die Organisation Reporter ohne Grenzen gibt die Zahl der im Hotel Rixos festsitzenden Journalisten mit 37 an. Sie ruft beide Seiten auf, den Schutz der Medienvertreter zu gewährleisten. Unter den Eingeschlossenen, die im ersten Stock des Hotels ohne fließendes Wasser und mit unbeständiger Stromversorgung ausharrten, befinden sich auch ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP.

Aus Furcht vor Kämpfen während eines Angriffes der Rebellen auf das Hotel haben einige Medienvertreter Banner mit den Worten „TV“ oder „Presse, nicht schießen“ beschrieben.

14.15 Uhr: Zentralkrankenhaus beziffert Zahl der Toten

Beim Kampf in Tripolis sind bisher nach offiziellen Angaben 435 Menschen getötet worden. Mehr als 2000 Menschen seien zudem verletzt, sagt ein Mitarbeiter des Zentralkrankenhauses.

Nach seinen Informationen sind in den Krankenhäusern der Stadt alle Ärzte und Pfleger im Einsatz, nachdem die Rebellen die Menschen aufgerufen hätten, an ihre Arbeitsplätze zu gehen. Wichtige Einrichtung in der Stadt würden von Bewaffneten geschützt.

14.10 Uhr: Strategisch wichtige Küstenstraße besetzt

Die Aufständischen in Libyen kontrollieren die strategisch wichtige Küstenstraße von Al-Sawija in die Hauptstadt Tripolis. Auf der Strecke, entlang der vor kurzem noch gekämpft wurde, hätten Rebellen zahlreiche Straßensperren errichtet, berichtet eine Korrespondentin der Nachrichtenagentur dpa aus dem Gebiet.

Einige geflüchtete Zivilisten seien bereits zurückgekehrt. Auf den Straßen seien aber nur Männer zu sehen, keine Frauen und Kinder. Auch die Rebellen und ihre Unterstützer bewegten sich noch vorsichtig.

13.55 Uhr: Gaddafi-Anhänger nach Angriff verschanzt

Rebellenkommandeur Mohammed Amin erkärt, dass sich die letzten Kämpfer des Gaddafi-Regimes in der Nähe von Bab al-Asisija verschanzt haben. Zuvor waren Rebellen in Gaddafis eroberten Militär- und Wohnkomplex beschossen worden. Einige suchten Deckung, andere rannten zu den Toren des Anwesens, kehrten später jedoch zurück. Zunächst war unklar, von wo die Schüsse abgefeuert worden waren.

13.35 Uhr: Kampf um Tripolis löst erste Mangelerscheinungen aus

In Tripolis werden nach Angaben des vatikanischen Pressedienstes „Fides“ Lebensmittel und Treibstoff knapp. Die Menschen gingen nach der Erstürmung von Gaddafis Hauptquartier Bab al-Asisija nur zurückhaltend auf die Straßen, auf denen die Rebellen patrouillierten, meldet Fides unter Berufung auf lokale Quellen.

13.29 Uhr: Rebellen und Gaddafi sollen an den Verhandlungstisch

Russland fordert die libyschen Rebellen zu Gesprächen mit Muammar al-Gaddafi auf, wenn sie nicht bald die vollständige Kontrolle über das Land erhalten. Gaddafi und seine Unterstützer hätten noch immer „einen gewissen Einfluss und ein Militärpotenzial“, sagt der russische Präsident Dmitri Medwedew in Ulan Ude.

Daher gebe es noch immer „zwei Mächte“ in dem Land. „Wir wollen, dass sie sich an den Verhandlungstisch setzen und zu einem Friedensabkommen kommen.“

13.00 Uhr: Ausländische Journalisten in Hotel festgehalten

Anhänger des libyschen Diktators halten 35 ausländische Journalisten in einem Hotel in Tripolis fest. Reporter der Sender BBC und CNN berichten, die Journalisten würden daran gehindert, das Nobelhotel Rixos zu verlassen.

Einen Kameramann des britischen Fernsehsenders ITN hätten die Bewaffneten mit einem Schnellfeuergewehr vom Typ AK 47 bedroht, berichtet BBC-Reporter Matthew Price. Es herrsche große Nervosität unter den Journalisten. Sie gingen davon aus, dass weiter Gaddafi-treue Scharfschützen auf dem Dach postiert seien. Die Situation habe sich in der Nacht „massiv verschärft“, berichtet Price. Wächter würden durch die Flure patrouillieren. „Es ist klar, dass wir das Hotel nicht freiwillig verlassen dürfen.“

12.30 Uhr: Thronfolger ist "bereit zu dienen"

Der libysche Thronfolger Mohammed al-Senussi kann sich nach über zwei Jahrzehnten im Exil eine Rückkehr in sein Heimatland vorstellen. „Zu sehen, wie die Freiheitsflagge über Tripolis weht, macht mich unglaublich glücklich und stolz auf mein Volk“, sagt er dem Magazin „Die Zeit“. Wenn die Menschen es wollten, sei er „bereit zu dienen“. Darüber müsse aber das Volk entscheiden. Der Prinz fordert den Aufbau eines demokratischen Staatswesens.

11.14 Uhr: Rebellen kündigen Wahlen an

Der Chef des Nationalen Übergangsrats der libyschen Rebellen, Mustafa Abdel Dschalil, kündigt Wahlen in acht Monaten an. Das berichtet die italienische Zeitung „La Repubblica“ Gewünscht sei eine „demokratische Regierung“ und eine „gerechte Verfassung“.

10.56 Uhr: Wieder Kämpfe in Tripolis

Rebellen und Anhänger Gaddafis liefern sich den Aufständischen zufolge Kämpfe nahe des internationalen Flughafens sowie im südwestlichen Vorort Al-Hadaba al-Chadra.

06.50 Uhr: Gaddafi sieht sich angeblich in Tripolis um

Gaddafi ruft in einer vom Fernsehsender al-Rai veröffentlichten Audio-Aufzeichnung die Einwohner von Tripolis dazu auf, die Hauptstadt von den Rebellen „zu säubern“. Er habe sich in Tripolis umgesehen und nicht dass Gefühl, dass die Stadt in Gefahr sei, sagt Gaddafi weiter.

04.55 Uhr: China will UN-Koordination des Wiederaufbaus

Libyens Wiederaufbau soll nach den Vorstellungen Chinas von den Vereinten Nationen angeführt und koordiniert werden, so Außenminister Yang Jiechi. Damit solle vermieden werden, dass allein westliche Staaten vom Wiederaufbau profitierten.

03.28 Uhr: Gaddafi soll in Libyen der Prozess gemacht werden

Gaddafi soll im Falle seiner Festnahme zunächst in Libyen der Prozess gemacht werden, bevor er an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ausgeliefert wird. Dies erklärt ein Sprecher des Nationalen Übergangsrats der Rebellen. Man gehe davon aus, dass Gaddafi noch im Land sei.

02.12 Uhr: Gaddafi-Regime droht mit langen Kämpfen

Die libysche Regierung droht den Rebellen mit einem noch langen Kampf. Der Bürgerkrieg werde noch Monate, wenn nicht sogar Jahre andauern, sagt ein Gaddafi-Sprecher dem Sender al-Oruba. Die Rebellen-Anführer würden keinen Frieden finden, wenn sie nach Tripolis kämen. Die Truppen der Regierung würden Libyen notfalls in einen Vulkan verwandeln.

01.47 Uhr: Mehr als 400 Tote in Tripolis

Die Rebellen geben die Zahl der Toten bei der Eroberung von Tripolis mit mehr als 400 an. Mindestens 2000 Menschen seien zudem verletzt worden.

01.25 Uhr: Gaddafi will bis zum Tod weiterkämpfen

Gaddafi meldet sich in einer Radioansprache zu Wort und bezeichnet den Rückzug aus dem umkämpften Regierungskomplex Bab al-Asisija als ein taktisches Manöver. Das Anwesen sei nach mehr als 60 Nato-Luftangriffen vollständig zerstört. Gaddafi erklärt, er werde weiterkämpfen bis zum Sieg oder bis zu seinem Tod.

Lesen Sie hier die Minutenprotokolle von Montag und Dienstag .