Selbstmord vermutet

Polens umstrittener Bauernführer Lepper ist tot

Mitarbeiter haben die Leiche des 57-jährigen Andrzej Lepper in der Zentrale seiner Partei gefunden. Der Rechtspopulist wurde 2010 wegen sexueller Nötigung verurteilt.

Foto: REUTERS

Der polnische Bauernführer Andrzej Lepper, einer der umstrittensten Politiker Polens, ist tot. Nach Angaben eines Polizeisprechers deutet alles auf einen Selbstmord hin. Mitarbeiter fanden die Leiche des 57-jährigen Politikers in der Zentrale seiner Partei Samoobrona (Selbstverteidigung) in der Warschauer Innenstadt.

Leppers langjährige Mitarbeiterin und zeitweise Stellvertreterin Renata Beger zweifelte in einer ersten Stellungnahme aber an einem Selbstmord Leppers. „Er war ein sehr gläubiger Mensch“, sagte sie.

Selbst politische Gegner Leppers zeigten sich bestürzt über den Tod des Politikers ausgerechnet am ersten Tag des Wahlkampfs vor den Parlamentswahlen am 9. Oktober.

Wegen sexueller Nötigung verurteilt

Lepper war als Chef der rechtspopulistischen Bauernpartei 2006 bis 2007 stellvertretender Chef der konservativen Regierung von Jaroslaw Kaczynski. Im Februar 2010 wurde er wegen sexueller Nötigung von Mitarbeiterinnen seiner Partei zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Da er Berufung einlegte und das Verfahren noch lief, entging er der Haft.

Die Affäre war im Dezember 2006 aufgeflogen, als eine 33-jährige Frau Lepper und seinen Stellvertreter Stanislaw Lyzwinski beschuldigte, sie hätten von ihr sexuelle Dienste im Gegenzug für eine Stelle im Parteiapparat erpresst. Der Skandal hatte zu einem Absturz der Umfragewerte der konservativen Regierung von Kaczynski geführt.

Bei den vorgezogenen Neuwahlen im Oktober 2007 trug die liberale Opposition dann einen klaren Sieg davon. Leppers Partei verfehlte mit 1,53 Prozent der Stimmen den Einzug ins Parlament.

Ängste der Landbevölkerung geschürt

Mit Straßen- und Grenzblockaden erlangte Lepper auch über die Grenzen Polens hinaus Bekanntheit, wenn er auch mit der Mistgabel in der gereckten Faust seinen Forderungen Nachdruck verlieh. Wiederholt geriet er mit der Justiz in Konflikt. Wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Beleidigung und nicht genehmigter Blockaden liefen zeitweise mehr als ein Dutzend Ermittlungsverfahren gleichzeitig gegen ihn.

Lepper war ein entschiedener Gegner des EU-Beitritts im Jahr 2004 und schürte bei der Landbevölkerung Ängste vor einem Niedergang der polnischen Landwirtschaft. Seit der Zahlung von Agrarsubventionen an polnische Bauern ging die Unterstützung der Landwirte für die populistische Partei jedoch deutlich zurück.