Vierte Gewaltnacht

Drei Männer sterben bei Krawallen in Birmingham

Großbritannien hat die vierte Krawallnacht in Folge mit Straßenschlachten und brennenden Häusern erlebt. In Birmingham wurden drei Männer totgefahren, als sie versuchten ihren Wohnblock vor Randalierer zu schützen.

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Während der Krawalle sind in Birmingham drei Menschen von einem Auto überfahren worden. Die Polizei ermittelt wegen Mordes.

Video: Reuters
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Am Rande der schweren Ausschreitungen im britischen Birmingham sind drei Männer mit einem Auto totgefahren worden. Der Vorfall habe sich in der Nacht zum Mittwoch an einer Tankstelle in der Innenstadt ereignet, teilte die Polizei am Morgen mit. Alle drei Männer seien noch in der Nacht im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen gestorben. Wenig später seien in der Nähe ein Auto sichergestellt und ein Mann festgenommen worden. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen Mordes ein.

Weitere Details wurden zunächst nicht veröffentlicht. Bisher ist nicht klar, ob der Vorfall direkt mit den Krawallen in der Stadt zu tun hat. Die BBC berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, die Männer hätten ihren Wohnblock vor den Randalierern schützen wollen. Sanitäter erzählten, es seien rund 80 Personen an der Tankstelle gewesen, als sie ankamen.

Birmingham war einer der Schwerpunkte der Krawalle der vergangenen Nacht. In der vierten Nacht mit Straßenschlachten und brennenden Häusern in Großbritannien verlagerten sich die Ausschreitungen in Städte wie Manchester, Liverpool und Birmingham, während es in der Hauptstadt London weitgehend ruhig blieb. Erneut wurden Hunderte Jugendliche in Gewahrsam genommen.

Seit dem Beginn der Ausschreitungen am Wochenende wurden landesweit mehr als 1.100 Personen festgenommen. Allein 768 Menschen kamen in London in Gewahrsam. Gegen mehr als 160 mutmaßliche Randalierer wurde Anklage erhoben.

Während die Nacht auf Mittwoch in London aufgrund massiver Polizeipräsenz offenbar weitgehend ruhig verlief, kam es in der im Nordwesten gelegenen Stadt Manchester zu Ausschreitungen. Dabei zogen hunderte Jugendliche durch die Innenstadt, warfen Steine und Flaschen auf Polizisten und zerstörten Geschäfte. Es sei auch zu Plünderungen gekommen, teilte die Polizei mit. Unruhen gab es auch in Birmingham, Nottingham, Liverpool, Leicester, Wolverhampton, West Bromwich, Bristol und Gloucester.

Unterdessen verschärfte der Englische Badmintonverband die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Austragungsstätte der Weltmeisterschaften. „Zusätzliche Sicherheitskräfte werden rund um die Wembley Arena eingesetzt“, heißt es in einem Schreiben an die Nationalmannschaften, die zum größten Teil im Stadtteil Wembley untergebracht sind.

Außerdem werden ab sofort Transporte für Spieler und Offizielle eingesetzt, obwohl die Teamhotels nur wenige Hundert Meter von der Halle entfernt sind. Der Badminton-Weltverband (BWF) versichert, dass er alle an der WM beteiligten Personen jederzeit über die Situation auf dem Laufenden hält.

„Trotzdem ist absolut zu erwarten, dass die Weltmeisterschaften wie geplant weitergehen werden“, lassen Veranstalter BWF und Ausrichter Badminton England verlauten: „Der Weltverband wird unterstützt von der Wembley Arena und dem Organisationskomitee der Olympischen Spiele (LOCOG) und hat Zugang zu neuesten Informationen der Polizei. Momentan gibt es in Wembley kein besonderes Risiko.“

Die Krawalle in London hatten am Samstagabend im Stadtteil Tottenham begonnen. Dort hatten Angehörige und Freunde eines 29-Jährigen demonstriert, der vergangene Woche unter bislang noch ungeklärten Umständen erschossen worden war. Die Ausschreitungen haben sich mittlerweile auf mehrere Bezirke ausgeweitet und ein Todesopfer gefordert. Die Polizei warnt auch in Wembley davor, im Dunkeln auf die Straßen zu gehen. Das für Mittwoch angesetzte Fußball-Länderspiel zwischen England und den Niederlanden ist bereits abgesagt.

Für Deutschland besteht nach Meinung von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) jedoch keine Gefahr für soziale Unruhen wie in England. Die soziale Integration in Deutschland sei in den vergangenen Jahren sehr gut vorangekommen, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Solche gesellschaftlichen Spannungen wie aktuell in England oder in anderen europäischen Ländern haben wir glücklicherweise derzeit nicht“, sagte der Minister.

Deutschland habe den Konsens erreicht, dass Gewalt gegen unbeteiligte Personen kein Mittel sei, mit dem man seine politischen oder sonstigen Ansichten durchsetze. „Diesen Konsens aufrechtzuerhalten und auf die Jugendlichen zu übertragen, bleibt die Erziehungsaufgabe unserer Gesellschaft, von allen Lehrern, Eltern und Vereinen“, unterstrich der CSU-Politiker.