Sollten sich die Angaben bestätigen, handelt es sich um den höchsten Blutzoll, den die USA seit Beginn des Afghanistan-Krieges vor fast zehn Jahren gezahlt haben: 31 amerikanische Spezialkräfte sowie sieben afghanische Soldaten seien beim Abschuss ihres Hubschraubers im Osten Afghanistans gestorben, teilte Staatspräsident Hamid Karsai in einer Erklärung mit. Karsai habe seinem Amtskollegen Barack Obama in Washington und den Familien der Opfer sein „tiefes Bedauern“ ausgedrückt.
US-Präsident Barack Obama würdigte die 31 getöteten Soldaten. „Meine Gedanken und Gebete sind bei den Familien und Angehörigen der heute in Afghanistan getöteten Soldaten“, hieß es in einer am Sonnabend vom Weißen Haus verbreiteten Erklärung. Er sprach von „außergewöhnlichen Opfern“ der Soldaten in Afghanistan. Sie dienten an der Front, „damit wir in Freiheit und Frieden leben können“. Obama würdigte auch die sieben getöteten afghanischen Soldaten, die „im Streben nach einer friedlicheren und hoffnungsvollen Zukunft ihres Landes“ gestorben seien. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zeigte sich „zutiefst betrübt“ über den Tod der US- und afghanischen Soldaten. Vorfälle wie diese würden aber nichts an der Richtung der Allianz im Afghanistan-Konflikt ändern.
Helikopter wohl von Panzerfaust getroffen
Ein Sprecher der internationalen Unterstützungstruppen für Afghanistan (Isaf) bestätigte den Abschuss, gab aber keine weiteren Details bekannt. Das Pentagon sprach informell zunächst von zwei Dutzend Toten. Es gehört zum üblichen Vorgehen der US-Militärführung, Verluste erst dann zu bestätigen, wenn die Angehörigen der Gefallenen informiert sind. Ebenso übertreiben die Taliban, die den Abschuss im Tangi-Tal in der Provinz Wardak westlich von Kabul für sich reklamierten, sehr häufig die Opferzahlen.
Die US Air Force hatte in der Nacht zum Sonnabend offenkundig einen Einsatz gegen ein Haus geflogen, in dem sich Militante verschanzten. Nach den zunächst spärlichen Informationen war dabei der Hubschrauber von einer Panzerfaust getroffen worden. Offenkundig ging das heftige Gefecht zwischen den Koalitionstruppen und den Aufständischen danach weiter. Die Air Force schickte Rettungsteams, um Tote und Verwundete zu bergen.
Die verlustreiche Militäroperation bestätigt einen Trend: Zum Zeitpunkt, da die USA erste Truppen abziehen, lässt sich eine Welle der Gewalt beobachten. Ende 2014 wollen die USA und die Isaf-Truppen die Verantwortung für die Sicherheit und Stabilität des Landes insgesamt an die afghanischen Streitkräfte übergeben.
Parallel zu den verschärften Kampfmaßnahmen verhandeln die afghanische Regierung und die USA seit Monaten mit den Taliban, um eine Friedenslösung zu finden. Das sagte Karsai im Juni. Washington hat diese Gespräche offiziell nicht bestätigt. Zur Verbesserung des Gesprächsklimas haben die Vereinten Nationen vor zwei Monaten eine Terrorliste unterteilt, in der Al-Qaida- und Taliban-Führer bislang gemeinsam aufgeführt wurden. Viele Taliban-Funktionäre werden dadurch inzwischen nicht mehr als Terroristen eingestuft. Damit können sie wieder frei reisen. Die Taliban-Kader halten sich vor allem im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet versteckt.
Ebenso wie die Kampfhandlungen der Taliban intensiver geworden sind, nimmt seit geraumer Zeit die Zahl der Einsätze bewaffneter US-Drohnen gegen die Stellungen von Militanten vor allem in Pakistan zu. Leon Panetta, vormals Chef des Geheimdienstes CIA – der diese Operationen durchführt – und inzwischen Verteidigungsminister in Washington, hat wiederholt versichert, die Drohneneinsätze erzielten deutliche Wirkung. Die mittlere Kommandoebene der Taliban sei massiv geschwächt worden. Der Abschuss des Hubschraubers zeigt gleichwohl, dass die Taliban gefährliche Gegner bleiben.
Der bislang verlustreichste Militäreinsatz der USA in den vergangenen zehn Jahren ereignete sich im Januar 2005, als 30 US Marines und ein Navy-Soldat bei einem Hubschrauberabsturz in der irakischen Provinz Anbar getötet wurden; am selben Tag fielen damals sechs weitere US-Soldaten. In Afghanistan gab es bis zu dem folgenreichen Einsatz in der Nacht zum Sonnabend keine vergleichbaren Verluste bei Operationen.


