Angriff auf Regierungsgebäude

17 Tote bei Selbstmordanschlägen in Afghanistan

Bei Selbstmordanschlägen auf einem Regierungsgelände in der südafghanischen Provinzhauptstadt Tarin Kowt sind nach Behördenangaben 17 Menschen getötet worden. In der Stadt sollen Gefechte ausgebrochen sein. Die Internationale Schutztruppe Isaf setze daher Kampfhubschrauber ein.

Durch Angriffe von Bewaffneten und Selbstmordattentätern auf Verwaltungsgebäude und eine Miliz sind in der südafghanischen Provinz Urusgan mindestens 17 Menschen getötet worden. Bei den Todesopfern handele es sich unter anderem um einen Polizisten, ein Kind und einen Zivilisten, sagte ein Sprecher des afghanischen Gesundheitsministeriums am Donnerstag in Kabul. Mindestens 20 Menschen seien verletzt worden. Es sei anzunehmen, dass die Zahl der Toten noch steigen werde. Betroffen von den Angriffen war das Büro des Vizegouverneurs und die Basis einer mit der NATO zusammenarbeitenden Miliz. Die Taliban bekannten sich zu den Angriffen.

Es habe insgesamt drei Explosionen gegeben, die wahrscheinlich von Selbstmordattentätern ausgelöst worden seien, teilte das afghanische Innenministerium mit. Der Angriff dauere an. Nach einem Sprecher der afghanischen Armee waren an den Angriffen bis zu sieben Bewaffnete beteiligt.

Bei der angegriffenen Privatmiliz handelte es sich um eine 2000 Mann starke Gruppe, die von Matiullah Khan geführt wird und für den Schutz von NATO-Konvois in der Region eingesetzt wird. In einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP bestätigte Khan den Angriff und sagte, er selbst sei unverletzt. In ersten Berichten hatte es geheißen, dass statt der Miliz das Büro des Polizeichefs der Provinz angegriffen wurde. Kahn ist ein Neffe des Ex-Gouverneurs von Urusgan, Dschan Mohammed Khan, der zuletzt als Berater von Präsident Hamid Karsai tätig war und am 17. Juli durch zwei Selbstmordattentäter in Kabul getötet worden war.

Ein Talibansprecher sagte, dass sieben Talibankämpfer die Angriffe ausführen würden. Urusgan grenzt an die Provinz Kandahar, die Region gilt als Hochburg der Aufständischen.

Deutsche werden in Sicherheit gebracht

Deutsche und internationale Helfer in der südafghanischen Provinzhauptstadt Tarin Kowt werden vor den schweren Gefechten dort in Sicherheit gebracht. Aus Sicherheitskreisen hieß es am Donnerstag, ein Teil der Mitarbeiter der staatlichen deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sei noch auf dem Gelände der Hilfsorganisation in der Stadt. Sie sollten ins Feldlager am Flughafen gebracht und möglicherweise nach Kabul ausgeflogen werden. Ein anderer Teil der GIZ-Mitarbeiter sei bereits im Camp.

Aus Sicherheitskreisen hieß es weiter, in ganz Tarin Kowt – der Hauptstadt der Provinz Urusgan – seien Gefechte ausgebrochen. Die Internationale Schutztruppe Isaf setze Kampfhubschrauber ein. Für die GIZ arbeite in Tarin Kowt „eine größere Anzahl“ deutscher und anderer ausländischer Helfer. Die genaue Zahl war zunächst unbekannt. Die GIZ baut in der rückständigen Provinz unter anderem eine Straße und berät afghanische Regierungsinstitutionen.

Bewaffnete hatten am Donnerstag in Tarin Kowt Regierungsgebäude attackiert und die Sicherheitskräfte in schwere Gefechte verwickelt. Unter den angegriffenen Gebäuden seien der Amtssitz des Gouverneurs und das Hauptquartier der Polizei, teilte die Provinzregierung mit. Nach Angaben aus Polizeikreisen waren Explosionen zu hören. Angaben zu Opfern gab es zunächst nicht.

Erst am Mittwoch war im benachbarten Kandahar der Bürgermeister der gleichnamigen Provinzhauptstadt bei einem Selbstmordanschlag ums Leben gekommen. Zu der Tat hatten sich die Taliban bekannt.

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