Havariertes AKW

Tepco spielt tödliche Strahlung herunter

Es ist die Katastrophe nach der Katastrophe: Am havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima I hat der Betreiber Tepco die höchste Radioaktivität seit dem verheerenden Erdbeben im März gemessen. Doch das Unternehmen spielt die Ergebnisse herunter.

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Die japanischen Behörden haben ein von erhöhter radioaktiver Strahlung betroffenes Gelände am havarierten Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi gesperrt. Wie der Kraftwerksbetreiber Tepco am Dienstag mitteilte, wurden nahe eines Entlüftungsschachts zwischen zwei Reaktoren an zwei Standorten tödliche Strahlenwerte von zehn Sievert gemessen.

Ab einer Strahlung von zehn Sievert pro Stunde erleiden Menschen in der Regel nach wenigen Sekunden schwere gesundheitliche Schäden, die zum Tod führen können. Die tatsächlichen Werte könnten sogar noch deutlich höher liegen, weil die von Tepco eingesetzten Messgeräte nur eine Strahlung von bis zu zehn Sievert darstellen können.

Die Strahlenwerte machen das große Gesundheitsrisiko deutlich, dem die Tepco-Angestellten bei den Aufräumarbeiten an dem havarierten Atomkraftwerk ausgesetzt sind. Ungeachtet der Gefahr bekräftigte Tepco aber sein Ziel, die Reaktoren bis Januar zu stabilisieren. Die hohen Strahlenwerte würden die Arbeiten nicht behindern. Dagegen warnten Wissenschaftler den Konzern, er dürfe das Einhalten der Frist nicht über den Schutz seiner Einsatzkräfte stellen.

Wegen der massiven Strahlenbelastung durch das Kernkraftwerk Fukushima hat der Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin Japan zum Handeln aufgefordert. „Die japanische Regierung muss jetzt alles tun, um noch schlimmere Auswirkungen der Katastrophe zu verhindern. Sie muss für maximale Transparenz sorgen und internationale Unterstützung heranziehen“, sagte Trittin am Dienstag.

Um das Atomkraftwerk Fukushima war nach Angaben vom Montag die bisher höchste Strahlenbelastung seit dem Unfall im März gemessen worden. „Die tödliche Gefahr für die Menschen im Umfeld der havarierten Reaktoren besteht weiter“, sagte Trittin. Auch fünf Monate nach Beginn der Kernschmelze habe der Betreiber Tepco die Lage nicht unter Kontrolle.

Seit der Atomkatastrophe im März geht auch in der japanischen Bevölkerung die Angst vor radioaktiv verseuchten Lebensmitteln um. Bei verschiedenen Produkten wurde bereits überhöhte Strahlung festgestellt. In mindestens 14 Präfekturen im Nordosten soll nun noch vor der Ernte untersucht werden, ob im dort angebauten Reis die Menge an radioaktivem Cäsium die Grenzwerte überschreitet.