+++ Live-Ticker Norwegen +++

Breivik bewunderte britische Rechtsextremisten

Attentäter Anders Breivik sitzt in Untersuchungshaft. Dennoch bleibt die Lage nach den Anschlägen von Oslo und Utoya in Norwegen weiter angespannt. Alle aktuellen Infos im Ticker.

+++ 16.27 Uhr +++

Der norwegische Attentäter, Anders Behrig Breivik hat in seinem Manifest angegeben, er bewundere die britische Extremistengruppe English Defense League (EDL) und habe Kontakt zu deren Mitgliedern gehabt. Der Führer der EDL, Stephen Lennon, sagte, er könne Breiviks Taten nicht gutheißen, aber dem Umstand, dass so viele Leute verängstigt seien, müsse Gehör geschenkt werden. „Was in Oslo geschah, zeigt, wie verzweifelt manche Menschen in Europa sind“, sagte der 28-jährige Lennon.

"Solange dieser Frustration und Angst keine Plattform gegeben und keine Stimme verliehen wird – diese Gefühle nicht in demokratische Bahnen gelenkt werden – wird es weiter Monster wie diesen Gestörten geben“, kommentierte Lennon Breiviks Taten.

Zu den mutmaßlichen Kontakten zwischen Breivik und Mitgliedern seiner Organisation sagte Lennon, er stehe im Kontakt zu lokalen EDL-Gruppen, um herauszufinden, ob der Attentäter tatsächlich Verbindungen dorthin unterhielt. „Es könnte sein, dass einer unserer Mitglieder ihn mal traf, aber zurzeit wissen wir nichts genaues“, sagte Lennon.

+++ 14.56 Uhr +++

Norwegen lässt sich nach den Worten von Ministerpräsident Jens Stoltenberg durch die jüngsten Anschläge nicht einschüchtern. Auf die Gewalt werde das Land mit mehr Offenheit und Demokratie reagieren, sagte der Sozialdemokrat.

Nach einer Zeit der Trauer würden die Reaktion der Polizei und die Sicherheitsmaßnahmen auf den Prüfstand gestellt, kündigte Stoltenberg an. „Die Organisation und die Kapazitäten der Polizei werden überprüft.“ Er begrüße die Diskussion über die Sicherheit. Er sei auch überzeugt, dass die Anschläge vom Freitag das Interesse der Norweger an Politik stärken würden.

+++ 14.37 Uhr +++

Der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) warnt angesichts des Umgangs mit dem Terroranschlag in Norwegen vor Vorurteilen. Genscher sagte, die „schreckliche Bluttat“ sei zunächst Islamisten zugerechnet worden. Dann habe sich jedoch herausgestellt, dass dies gar nicht zutraf. Das Beispiel zeige, dass Vorurteile auf „Irrwege“ führen könnten.

+++ 13.27 Uhr +++

Der Einsatzleiter des norwegischen Sonderkommandos hat sein Team gegen Vorwürfe eines zu späten Eingreifens bei dem Massaker auf der Insel Utöya in Schutz genommen. Anders Snortheimsmoen sagte am Mittwoch, dass das eigentlich für die Überfahrt auf die Insel vorgesehene Boot zwar wegen eines Schadens ausgetauscht werden musste. Die Beamten seien aber rasch auf ein besseres Boot ausgewichen, Zeit habe das keine gekostet. Sein Team sei zur selben Zeit am Hafen eingetroffen wie die örtliche Polizei.

+++ 12.35 Uhr +++

Das Bundesjustizministerium hat die deutsche Debatte über die Innere Sicherheit nach den Anschlägen von Norwegen kritisiert. Der Sprecher von Ressortchefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Harald Schütt, sagte, es sei unangemessen, reflexartig gesetzgeberische Maßnahmen zu fordern, obwohl die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. Er betonte: „Die Zeit der Anteilnahme und des Mitgefühls ist nicht vorbei.“

Der Sprecher des Innenministeriums, Markus Beyer, fügte hinzu, einzelne Forderungen, über die man diskutieren könne, müssten von den Ereignissen in Norwegen getrennt werden. Bezüge zu Deutschland gebe es bei der Tat nach wie vor nicht. Aus der CSU waren zuvor erneut Rufe nach einer Vorratsdatenspeicherung laut geworden.

+++ 12.28 Uhr +++

Norwegens Behörden legen sich immer klarer auf eine Alleintäterschaft des Rechtsradikalen Anders Behring Breivik bei den zwei Anschlägen mit mindestens 76 Toten fest. Dem britischen Sender BBC sagte die Chefin des Geheimdienstes PST, Janne Kristiansen, am Mittwoch: „Breivik hat allein gehandelt.“ Mehrere Regionalzeitungen zitierten Kristiansen mit der Äußerung: „Dies ist ein einsamer Wolf, der unter alle unsere Radarsysteme schlüpfen konnte.“

Der 32-Jährige hatte bei Verhören und vor dem Osloer Haftrichter behauptet, er habe Verbindung zu zwei „Zellen“, die auch zur Ausführung weiterer Anschläge bereit seien. Polizeisprecher reagierten darauf mit der Erklärung, man überprüfe das. Es gebe aber keine Indizien für Mittäter.

+++ 12.21 Uhr +++

Anders Breivik will den Bombenanschlag in Oslo und das Massaker auf der Insel Utøya über neun Jahre vorbereitet haben. Er wurde Dienstagabend in die Haftanstalt Ila westlich von Oslo gebracht, wo er für die zunächst achtwöchige Untersuchungshaft festgehalten wird.

+++ 11.46 Uhr +++

Der rechtsradikale norwegische Attentäter Anders Behring Breivik wird nach seinen Anschlägen mit mindestens 76 Toten in der Haftanstalt Ila bei Sandvika westlich von Oslo festgehalten. Dabei soll er in einer sieben Quadratmeter kleinen Zelle rund um die Uhr überwacht werden, um einen Selbstmord auszuschließen. Nach den Angaben des Gefängnisdirektors Knut Bjarkeid igibt es in Breiviks Zelle nur Bett, Toilette, Stuhl und einen Tisch. Kontakt mit anderen Gefangenem sei in den ersten vier Wochen ausgeschlossen.

+++ 11.22 Uhr +++

Die vorgesehene Bezirks-Haftanstalt Ringerike wurde wegen der Lage direkt am Tyrifjord ausgeschlossen. In dem Fjord liegt die Insel Utøya, auf der Breivik am Freitag mindestens 68 Teilnehmer eines sozialdemokratischen Sommerlagers für Jugendliche getötet hatte. Zuvor starben acht Menschen in Oslo durch eine von ihm im Regierungsviertel platzierte Bombe.

+++ 11.18 Uhr +++

Grünen-Chef Cem Özdemir hat vor vorschnellen Schlussfolgerungen gewarnt. „Ich rate dazu, dass man in so einer Situation nicht gleich kommt mit fünf Vorschlägen aus der Hutschachtel.“ Forderungen wie die nach der Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung seien pietätlos und unanständig, sagte Özdemir am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin.

+++ 11.00 Uhr +++

Nach den Anschlägen in Norwegen denken deutsche Politiker und Polizeivertreter über schärfere Sicherheitsmaßnahmen im Internet nach. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) schlug am Mittwoch einen Alarmknopf für das Internet vor, um Nutzer extremistischer Inhalte unmittelbar melden zu können. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich äußerte sich derweil besorgt über die steigende Zahl gewaltbereiter Rechtsextremisten.

+++ 10.50 Uhr +++

Die Anschläge in Norwegen haben kaum Auswirkungen auf die Fährverbindungen von Kiel nach Oslo gehabt. „Der Anteil der Stornierungen und Umbuchungen war marginal“, sagte ein Sprecher der Reederei Color Line am Mittwoch. Für Reisen bis zum vergangenen Montag hatten Fahrgäste die Gelegenheit, ihre Fahrt nach Oslo kostenfrei zu stornieren oder umzubuchen. Weniger als 100 Passagiere machten von diesem Angebot Gebrauch. „Die Hauptsorge der Menschen war, ob Urlaub in Oslo überhaupt möglich ist“, sagte der Sprecher. Viele Gäste hätten angefragt, ob ihr Hotel betroffen sei und ob vor Ort alle Programme durchgeführt werden könnten. Mittlerweile habe sich die Situation wieder komplett beruhigt

+++ 10.40 Uhr +++

Der teilweise geräumte Bahnhof der norwegischen Hauptstadt Oslo ist nach der Durchsuchung eines verdächtigen Koffers wieder freigegeben. Das berichtete die Nachrichtenagentur NTB am Mittwoch unter Berufung auf Polizeiangaben. Im Berufsverkehr am Bahnhof hatte ein Buspassagier einen herrenlosen Koffer entdeckt, worauf der Fahrer die Polizei alarmierte. Der Inhalt erwies sich als harmlos.

+++ 10.30 Uhr +++

Der Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion für Innere Sicherheit, Wolfgang Wieland, fordert eine Verschärfung des Waffenrechts in Deutschland. „Das Ziel muss sein, dass Sportschützen nicht mehr mit Großkaliberwaffen schießen dürfen“, sagte Wieland. Der Attentäter von Oslo hatte seine Tat mit legal erworbenen Waffen verübt. Auch der Amokläufer von Winnenden, der 2009 insgesamt 15 Menschen tötete, verwendete eine Großkaliber-Pistole, die sein Vater als Sportschütze legal besitzen durfte.

+++ 10.02 Uhr +++

Der Attentäter von Oslo war Mitglied in einem Sportschützenclub - seine Waffen waren legal erworben. Der Osloer Pistolenclub teilte am Mittwochmorgen auf seiner Internetseite mit, dass Breivik von 2005 bis 2007 und erneut ab Juni 2010 Mitglied gewesen sei. Weiter hieß es in der Mitteilung: „Breivik hat als Mitglied an 13 organisierten Trainingseinheiten mit anderen sowie einem Wettbewerb teilgenommen.“

In der Erklärung des Schützenclubs hieß es, Breivik habe sich „weder politisch bemerkbar gemacht noch in anderer Weise irgendwelche Verhaltensweisen als Vorwarnung für die zutiefst tragischen Ereignisse an den Tag gelegt.“ Man habe ihn „mit sofortiger Wirkung“ ausgeschlossen.

+++ 9.40 Uhr +++

Die norwegische Polizei fahndet nach einem möglicherweise gewaltbereiten Verehrer des mutmaßlichen Attentäters Anders Behring Breivik. Der Mann identifiziere sich mit Behring Breivik und gelte als psychisch instabil und gefährlich, berichtete der Fernsehsender NRK am Mittwoch. Die Polizei veröffentlichte ein Foto des 42-Jährigen, der nach einem Angriff auf eine Polizeistation erst am Montag aus dem Gefängnis freigelassen worden war.

+++ 9.15 Uhr +++

In der norwegischen Hauptstadt Oslo ist am Mittwochvormittag der Hauptbahnhof wegen eines verdächtigen Koffers evakuiert worden. Der Zug- und Busverkehr werde bis auf weiteres eingestellt, sagte ein Bahnsprecher am Mittwoch. Das Gebäude wurde auf Anordnung der Polizei evakuiert. Der norwegischen Nachrichtenagentur NTB zufolge stellte eine unbekannte Person offenbar einen Koffer auf einem Bahnsteig in der Nähe der Flughafenbuslinie ab.

+++ 8.00 Uhr +++

Nach dem Doppelanschlag in Norwegen gerät die rechtsextremistische Szene in Deutschland ins Visier der Sicherheitsbehörden. „Wir beobachten die rechtsextremistische Szene intensiv“, sagte Innenminister Hans-Peter Friedrich der "Rheinischen Post. Zwar nehme die Zahl der Mitglieder rechtsextremer Gruppierungen ab, dafür steige die Zahl der gewaltbereiten Rechtsextremisten, sagte der CSU-Politiker und fügte an: „Sorgen machen mir insbesondere die sogenannten nationalen Autonomen, die sich zunehmend nach dem Beispiel der Linksautonomen formieren.“

Zu dieser Gruppe gehören laut aktuellem Bericht des Bundesverfassungsschutzes etwa 1000 Personen. Dies seien zumeist jugendliche Neonazis aus den Reihen rechtsextremer Kameradschaften, die in Auftreten und Aktionsformen auf das Vorbild der linken autonomen Bewegung zurückgreifen.

+++ 7.00 Uhr +++

Die norwegische Polizei befürchtet einen Selbstmordversuch des inhaftierten Attentäters Anders Behring Breivik. Der 32-Jährige sei deshalb im Gefängnis unter „permanenter Beobachtung“, sagte der Osloer Kriposprecher Pål Hjort Kraby im Fernsehsender TV2. Breivik hatte am Freitag bei zwei Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya mindestens 76 Menschen getötet.

Kraby sagte dem Sender: „Der Inhaftierte wird mit Blick auf einen möglichen Selbstmord kontinuierlich überwacht.“ Der Polizeisprecher wollte nicht angeben, in welchem Gefängnis der rechtsradikale Attentäter nach Verhängung von acht Wochen Untersuchungshaft gebracht worden ist.

Der Haftrichter bestimmte dabei auch, dass Breivik die ersten vier Wochen in völliger Isolation zubringen muss. Ihm ist ausschließlich Kontakt mit seinem Anwalt Geir Lippestad und der Polizei erlaubt. Auch der Zugang zu Medien ist ihm verboten.

+++ 6.00 Uhr +++

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hält das Massaker in Norwegen für eine Folge der wachsenden Islamfeindlichkeit in Europa. „Im Windschatten des religiösen Extremismus gedeiht der Rechtsextremismus“, sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung“. „Und der kommt nicht aus dem luftleeren Raum, sondern im Kontext der Angst vor dem Islam, den diese Kräfte seit Jahren schüren.“ Die Losung „Kampf gegen die Islamisierung Europas“ sei der Schlachtruf, den manche im Kampf nur mit den Wörtern, manche mit Terror und Bomben führten, sagte Mazyek.

+++ 4.33 Uhr +++

Auf dem Hof des Attentäters von Oslo hat die norwegische Polizei Sprengstoff kontrolliert zur Explosion gebracht. Bei der Detonation am Dienstagabend im rund 160 Kilometer von Oslo entfernt gelegenen Rena sei niemand verletzt worden, teilte eine Polizeisprecherin mit. Wie viel Sprengstoff gefunden wurde, sagte sie nicht. Die Polizei vermutet, dass der Attentäter, Anders Behring Breivik, Dünger zur Herstellung von Sprengsätzen benutzte.