"Unter Schock"

Der Vater des Attentäters äußert sich zu Bluttaten

Der Ex-Diplomat Jens B. sagt, sein Sohn sei früher ein "gewöhnlicher Junge" gewesen. Für Politik habe sich Anders B. als Jugendlicher nicht interessiert.

Foto: AFP

Der Vater des Verantwortlichen für die tödlichen Anschläge in Norwegen hat sich entsetzt über die Taten seines Sohnes gezeigt. Er stehe „unter Schock“, seit er das Foto seines Sohnes im Zusammenhang mit den Attentaten vom Freitag auf Nachrichtenseiten im Internet gesehen habe, sagte Jens B. der Zeitung „Verdens Gang“.

Er habe nichts von der extremistischen Neigung seines Sohnes gewusst. Jens B. hatte sich kurz nach der Geburt seines Sohnes von dessen Mutter scheiden lassen und nach eigenen Angaben seit 1995 keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn gehabt. „Ich habe Nachrichten im Internet gelesen und plötzlich seinen Namen und sein Foto gesehen“, sagte B., der in Rente ist und in Frankreich lebt.

„Es ist einfach schrecklich, das zu hören.“ Er habe niemals mit seinem Sohn zusammengelebt, „aber wir hatten während seiner Kindheit einige Kontakte“, sagte der Vater weiter. „Als er jünger war, war er ein gewöhnlicher Junge, aber verschlossen. Er interessierte sich damals nicht für Politik.“

Der Attentäter Anders B. hatte in einem 1500 Seiten langen Manifest, das er kurz vor der Bluttat am Freitag im Internet veröffentlichte, seinen Vater erwähnt. Er erklärt darin, dass dieser Diplomat gewesen sei und nach seiner Geburt wieder geheiratet hatte. Seine Mutter habe darauf mit einem Soldaten zusammengelebt.

Sein biologischer Vater, der damals in Paris lebte, habe versucht, das Sorgerecht für ihn zu bekommen, dies habe die norwegische Justiz aber abgelehnt. „Ich habe bis zum Alter von 15 Jahren eine gute Beziehung zu ihm und seiner neuen Frau gehabt“, schrieb der mutmaßliche Attentäter. Er habe sie mehrfach in Frankreich besucht.

Mit 15 Jahren seien die Kontakte dann aber abgebrochen. „Er mochte meine Graffiti-Periode zwischen 13 und 16 Jahren nicht sehr“, schrieb der Sohn. Der Vater habe dann später keinen Wert darauf gelegt, ihn wiederzusehen.

Der Sohn schreibt in dem Manifest weiter, sowohl sein Vater als auch seine leibliche Mutter seien Sympathisanten der Arbeiterpartei gewesen, die am Freitag zum Ziel der Anschläge mit insgesamt 93 Toten wurde. Nach einem Bombenanschlag im Regierungsviertel in Oslo waren in einem Jugendcamp der heute regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utöya mindestens 85 Menschen getötet worden.