Tagebuch von Anders B.

"Erste Kostümparty des Jahres, ich gehe als Polizist"

Um Geld für den Anschlag zu sparen, wohnte Anders B. zuletzt in der Wohnung seiner Mutter. Der letzte Tagebucheintrag stammt vom 22. Juli.

Der norwegische Terrorist Anders Behring B. führte nach Informationen von „Morgenpost Online“ ein Tagebuch, in dem er seine Anschlagsvorbereitungen detailliert beschreibt. Auf 17 Seiten seines über 1500 Seiten starken Manifests, erläutert der rechtsextreme Fanatiker, wie er den Bombenanschlag von Oslo und den Amoklauf auf der Insel Utoya vorbereitete. Insgesamt bereitete sich Anders B. 80 Tage akribisch genau auf seine Bluttat vor. Den Sprengstoff für den Autobombenanschlag in der norwegischen Hauptstadt stellte B. selbst auf einer eigens angemieteten Farm her.

Über einen Online-Immobilienmarkt habe er einen Farmbesitzer kontaktiert, um dessen Grundstück zu mieten, schreibt B.. Die Farm registrierte er als landwirtschaftlichen Betrieb und bestellte am 27. April 2011 große Mengen Dünger, die er später zum Bau seines Sprengsatzes verwendete. Wie dem Tagebuch zu entnehmen ist, mangelte es Anders B. offenbar in den Monaten vor seiner Tat an Geld. Er habe in der Wohnung seiner Mutter gewohnt, um möglichst viele Ersparnisse in den Anschlag investieren zu können. Bis zu 15 Kreditkarten soll B. in dieser Zeit benutzt haben.

„In der letzten Woche in der Hauptstadt (Oslo) verbrachte ich viel Zeit mit Freunden, ging auf Partys“, schreibt B. Ende April in seinem Tagebuch, „Ich wusste, es würde die letzte Gelegenheit in sehr langer Zeit sein, dass ich ihre Anwesenheit genießen durfte.“

Im Mai 2011 begann Anders B. mit der Herstellung von Sprengstoffen. Detailliert beschreibt er in einer Chronologie, wie er bestimmte Chemikalien mischte und extrahierte, um große Mengen hochexplosiven Sprengstoff zu gewinnen. Die angemietete Farm nutzte der Extremist dabei als Trainingsstätte und schotte sich dort offenbar wochenlang von der Außenwelt völlig ab. Im Internet suchte er nach Anleitungen zur Mischung der Chemikalien.

Laut Tagebuch legte B. großen Wert darauf, in absoluter Abgeschiedenheit zu leben Am 30. Juni 2011 beispielsweise habe ihn ein guter Freund besuchen wollen. „Habe ihm eine Geschichte aufgetischt, dass ich in die Hauptstadt zum Arbeiten fahre“, schrieb B., „Es wäre nicht passend, Gäste zu empfangen, da jeder der vorbei käme, sofort merken würde dass die Dinge nicht so sind wie sie scheinen.“

Anfang Juli setzten laut Tagebuch die präzisen Anschlagsvorbereitungen ein. Anders B. fuhr die Strecke in die Hauptstadt Oslo ab und programmierte bestimmte Wegpunkte in sein GPS-Gerät. In einem Waldstück hatte er im Juli 2010 kugelsichere Schutzkleidung vergraben, die er am 4. Juli 2011 wieder hervor holte.

Am 5. Juli kaufte B. in einem Jagdgeschäft für 300 Euro Munition für sein halb automatisches Sturmgewehr vom Typ „Ruger Mini 14“. Die insgesamt 200 Schuss Munition vom Kaliber 223 präparierte B. laut Tagebuch um sie tödlicher zu machen. Er setzte die Vollmantel-Geschosse der Patronen durch sogenannte „Soft-Point“-Spitzen, die größeren Schaden bei Opfern verursachen, weil sie leichter aufplatzen.

In den Juli-Wochen bis zur Tat testete Anders B. mehrfach den Sprengstoff und die Zündvorrichtung in abgelegenen Wäldern. Im Tagebuch heißt es, am 16. Juli habe der Norweger einen Volkswagen-Transporter Modell „Crafter“ gemietet, den er auf der Farm zur Autobombe umbaute. Insgesamt 900 Kilogramm Sprengstoff und 50 Kilogramm Zünd-Chemikalien hatte Anders B. laut eigener Darstellung für den Anschlag produziert.

In seinem letzten Tagebucheintrag am 22. Juli, dem Tag des Doppelanschlags, schreibt Anders B.: "Die erste Kostümparty des Jahres, ich verkleide mich als Polizist. Kam dort hin mit meinen Abzeichen. :) Randnotiz: stellt euch vor, die Polizei würde mich in den nächsten Tagen besuchen. Sie würden wahrscheinlich auf die falsche Idee kommen und denken ich wäre ein Terrorist. lol"