Verdächtiges Video

Provozierten griechische Polizisten Krawalle in Athen?

Ein Video zeigt, wie bei Ausschreitungen in Athen vermummte Männer ausgerechnet von der Polizei in Sicherheit gebracht werden.

Nach den zweitägigen Krawallen in Athen beherrschte am Donnerstag der Polizeieinsatz die Debatte in den griechischen Medien. Es gab staatsanwaltliche Ermittlungen wegen des massiven Einsatzes von Tränengas, nachdem der Vorsitzende des Apothekenverbandes von Attika, Konstantinos Lourantos, dagegen Beschwerde erhoben hatte. Lourantos war zugleich der Leiter der Sanitäter-Gruppe der Demonstranten auf dem Syntagma-Platz.

Sehr viel tiefer noch bewegte die griechische Öffentlichkeit ein Video vom Geschehen am Mittwoch, als im Parlament über das Sparpaket abgestimmt worden war und vor dem Parlament heftige Krawalle ausbrachen.

Polizisten schützen Vermummte vor Demonstranten

Das Video zeigt eine Gruppe von drei Vermummten, einer davon mit einer Eisenstange und ein anderer mit Motorradhelm, die von Polizisten in Sicherheit gebracht werden – zu anderen Polizisten auf einer Treppe vor dem Parlamentsgebäude, hinter den Polizeiabsperrungen.

Rasch wurden Vorwürfe laut, dies beweise, dass die Polizei Provokateure einsetze und die Krawalle selbst verursacht habe. Tatsächlich war dieser Zwischenfall der Auslöser für die Gewalt an jenem Tag: Eine Gruppe vom Demonstranten hatte eine andere Gruppe angegriffen, und die Polizei war eingeschritten, diese zu schützen.

„Rechtsradikale“ seien das gewesen, deswegen habe man sie angegriffen, sagten Demonstranten vor Ort diesem Reporter, während die Ereignisse abliefen.

Ministerium: Männer wurden von Demonstranten angegriffen

Das Ministerium prüft die Aufnahmen und gab bekannt, dass die Polizei die auf dem Video zu sehenden Männer in Sicherheit gebracht habe, weil sie von Demonstranten angegriffen worden waren.

Zwei der Männer wurden seither als Mitarbeiter der Busgesellschaft ETHEL identifiziert und bestätigten in den Medien diese Darstellung. Der dritte Mann, mit einer Eisenstange und verbundenem Kopf, ist bislang nicht identifiziert.

Allein Schäden an Häusern und Mülleimern betragen 580.000 Euro

Insgesamt wurden bei den Krawallen mehr als 130 Polizisten verletzt und rund 300 Demonstranten behandelt, überwiegend wegen Atembeschwerden. Eine erste Schätzung des Sachschadens an Gebäuden und Müllcontainern belief sich auf 580.000 Euro.

Das schließt nicht den zweitägigen Geschäftsausfall der meisten Geschäfte in der Innenstadt ein, oder den Wert geplünderter Waren, oder die Zerstörungen an öffentlichen Einrichtungen wie Bushaltestellen, Metroeingängen und Telefonkabinen.