Merkel-Äußerung

Regierung relativiert positive Äußerungen zu Bin-Laden-Tod

Die Freude von Angela Merkel über den Tod von Osama bin Laden sorgte bei Kirchenvertretern und in Regierungskreisen für großes Unverständnis. Jetzt ist die Regierung bemüht, die Gemüter zu beruhigen und relativiert die Äußerungen der Kanzlerin.

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Die Bundesregierung bemüht sich nach der Kritik an den Äußerungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Tod von Osama bin Laden um Schadensbegrenzung. Wer die Bundeskanzlerin kenne, wisse, dass der Satz zum Ende des Al-Kaida-Chefs vom Montag im Zusammenhang zu verstehen sei, hieß es am Mittwoch in Berliner Regierungskreisen. Merkel habe lediglich die Erleichterung darüber zum Ausdruck bringen wollen, dass von Bin Laden keine Gefahr für unschuldige Menschen mehr ausgehen könne.

Merkel hatte in ihrer Stellungnahme auf eine Frage gesagt: „Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten.“ Eine US-Eliteeinheit hatte den Terroristenführer bei einer Blitzaktion in der Nacht zum Montag in Pakistan erschossen.

psavWesterwelle äußert Verständnis

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) nahm Merkel in Schutz. Der Tod Bin Ladens sei eine „gute Nachricht für die ganze Welt“, sagte der FDP-Chef der Zeitung „Die Welt“ (Mittwoch). „Und ich denke, dass darüber hinaus auch ein Gefühl der Erleichterung verständlich ist, dass dieser Terrorist, der viele tausend Opfer auf dem Gewissen hat, seinen Schrecken nicht weiter verbreiten kann.“

In Kirchenkreisen, aber auch in der Unionsfraktion im Bundestag wird die Wortwahl Merkels kritisiert. Der Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses, Siegfried Kauder (CDU), sagte der „Passauer Neuen Presse“ (Mittwoch): „Ich hätte es so nicht formuliert. Das sind Rachegedanken, die man nicht hegen sollte. Das ist Mittelalter.“

Kein Grund zum Feiern

Auch Unionsfraktionsvize Ingrid Fischbach (CDU) ging auf Distanz.„Aus christlicher Sicht ist es sicher nicht angemessen, Freude über die gezielte Tötung eines Menschen und dessen Tod zu äußern“, sagte die Politikerin, die dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken angehört. Gleichzeitig dürfe nicht vergessen werden, dass Osama bin Laden über Jahre hinweg der Drahtzieher unzähliger Terroranschläge in der ganzen Welt war.

Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) sagte: „Als Christin kann ich nur sagen, dass es kein Grund zum Feiern ist, wenn jemand gezielt getötet wird.“ Göring-Eckardt ist Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands. Es könne nicht die erste Absicht sein, jemanden zu töten, egal, wie schlimm er gehandelt habe. Es wäre richtig gewesen, ihn festzunehmen und einem ordentlichen Verfahren zuzuführen. „Das wäre einem Rechtsstaat angemessen.“

Kritik kam auch vom katholischen Militärbischof Franz-Josef Overbeck. „Man kann sich als Mensch und erst recht nicht als Christ über den Tod eines Menschen freuen“, sagte der Ruhrbischof den Zeitungen der Essener WAZ-Mediengruppe (Mittwoch). „Das gilt auch, wenn er ein Gewalttäter war.“

Lebensrecht ist unteilbar

Der Trierer katholische Bischof Stephan Ackermann sagte, auch wenn der Einsatz militärischer Gewalt im Extremfall bejaht werden könne, so erscheine es doch befremdlich, wenn der Tod von Menschen bejubelt werde. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, wandte sich dagegen, den Tod eines Menschen mit Freude zu verbinden.

Gleichzeitig dürfe nicht vergessen werden, dass Bin Laden der Drahtzieher unzähliger Terroranschläge gewesen sei. Kritik an Merkel kam ebenfalls vom Sprecher des Arbeitskreises Engagierter Katholiken in der CDU, Martin Lohmann. „Das Lebensrecht ist unteilbar“, sagte er.