Biometrische Identifikation

US-Militär jagte Bin Laden mit High-Tech-Geräten

HIIDE und SEEK heißen die tragbaren Spezialcomputer, mit denen das US-Militär biometrische Daten abnimmt und vergleicht. Ein solches Gerät soll den Navy Seals in Abottabad blitzschnell bestätigt haben, dass es sich bei dem erschossenen Mann wirklich um Bin Laden handelt.

Der Mann, groß, bärtig, wird im dritten Stock seines Hauses erschossen. Er trägt den traditionellen Salwar Kamiz: ein langes Hemd (Kamiz) über einer weiten Hose (Salwar). Eine Kugel trifft ihn in den Kopf, über dem linken Auge. CIA-Direktor Leon E. Panetta meldet sich im Situation Room des Weißen Hauses. "Geronimo EKIA." (EKIA = Enemy Killed in Action). Schweigen im Raum. Dann sagt Präsident Barack Obama: "Wir haben ihn."

"Geronimo" war der Codename für Osama Bin Laden. Der Top-Terrorist wurde am Montag in der pakistanischen Stadt Abottabad getötet. Es gibt Videos und Fotos; ob die jemals veröffentlich werden, wird derzeit noch innerhalb der US-Regierung diskutiert. Um aber sicher sein zu können, dass der Mann, der in Abottabad getötet wurde, tatsächlich Osama Bin Laden ist, durften die Navy Seals keine Zeit verlieren. Zeit, die etwa ein DNA-Abgleich gekostet hätte. Daher setzten die Soldaten zuerst auf die Fähigkeiten eines tragbaren Spezialcomputers.

Das US-Technologiemagazin Wired berichtet unter Bezug auf einen Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums, dass die Eliteeinheit, die Bin Laden tötete, wohl das Secure Electronic Enrollment Kit (SEEK) des Unternehmens Crossmatch Technologies nutzte, ein tragbares Gerät zur biometrischen Identifizierung von Personen. Dabei wurden Augen und Gesicht Bin Ladens gescanned und seine Fingerabdrücke genommen. Diese Daten wiederum wurden mit einer Datenbank abgeglichen.

Der Apparat ist sehr kompakt und wiegt laut Herstellerangaben etwa so viel wie ein Netbook: Er ist 1,7 Kilogramm schwer, 22 Zentimeter lang 14 Zentimeter breit, neun Zentimeter dick - ein Spezialcomputer mit Tatstatur und Touchscreen, auf dem das Microsoft-Betriebssystem Windows XP läuft. Einen USB-Anschluss und WLAN hat das SEEK auch.

In Afghanistan und Irak wird bereits seit einiger Zeit das mobile Identifikationsgerät HIIDE (Handheld Interagency Identity Detection Equipment) des Unternehmens L-1 Identity Solutions eingesetzt. Die Daten werden in die Datenbank ABIS gespeichert. ABIS steht für Automated Biometric Information System – eine militärische Datenbank mit biometrischen Daten wie Fingerabdrücken und Augen-Scans. Betrieben wird ABIS von der BIMA, der Biometrics Identity Management Agency . Die Organisation untersteht dem Verteidigungsministerium und entwickelt Biometrie-Technologie für das Verteidigungsministerium „um so die nationale Sicherheitsstrategie zu unterstützen“.

HIIDE allerdings ist nicht so leistungsfähig wie SEEK II. Wired zitiert einen Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums, dass SEEK einfach schneller sei und über einen besseren Iris-Scan verfüge. SEEK II kann - anders als HIIDE - auch mit einer FBI-Datenbank verbunden werden, die mehr biometrische Daten enthält als die des US-Militärs. Zudem verfüge das Gerät über eine lokale Datenbank. Weiß man also, wen man sucht, kann diese lokale Datenbank mit den Daten des Gesuchten ausgestattet werden - eine Internet-Verbindung ist nicht notwendig.

Laut Wired hätten also Soldaten der Navy-Seals-Spezialeinheit für die Mission gegen Osama Bin Laden mit entsprechend präparierten SEEK-Geräten ausgerüstet werden können - auf diese Weise wäre eine schneller Identitätsabgleich theoretisch machbar gewesen. Nach dem Einsatz hatte es von Seiten der US-Regierung geheißen, man habe eine Aufnahme des in Abottabad getöteten Mannes über eine Datenbank mit Bildern Osama Bin Ladens verglichen. Dabei sei der Tote mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent als Bin Laden identifiziert worden.

Zusätzlicher DNA-Abgleich bringt 99,9 Prozent Gewissheit

Nach dem Einsatz wurde die Leiche Bin Ladens auch per DNA-Abgleich identifiziert. Bin Ladens genetischer Code wurde laut einem Bericht von ABC News elektronisch aus dem afghanischen Bagram in die US-Hauptstadt nach Washington übermittelt. Eine physische Probe wurde zusätzlich in die USA geschickt. ABC News berichtete weiter, der DNA-Code sei mit dem mehrerer Verwandter Bin Ladens abgeglichen worden.

Unklar ist, ob die Vergleichsproben vom einer Halbschwester Bin Ladens stammen. Die Frau litt dem ABC-Bericht zufolge an einem Hirntumor und starb 2005 in einem Krankenhaus in Boston. Das Krankenhaus allerdings bestätigte den Bericht nicht, wie die New York Times berichtet . Bei dem DNA-Abgleich hat sich nach Regierungsangaben eine Übereinstimmung von 99,9 Prozent ergeben.

Die Zeitung zitiert Experten: Demnach wird für einen aussagekräftigen Vergleich DNA von einem nahen Verwandten benötigt, einem Kind Bin Ladens – oder einem Elternteil. Denn bei einer DNA-Analyse, werden lediglich einige wenige Stellen des gesamten Genoms untersucht. Je höher der Verwandtschaftsgrad, desto häufiger sind Übereinstimmungen. Bei einem leiblichen Kind oder einem Elternteil würde der Anteil der Übereinstimmungen bei etwa 50 Prozent liegen, bei einer Schwester oder einem Bruder können es deutlich weniger sein – entsprechend weniger aussagekräftig wäre der DNA-Vergleich.