Israel

Bombenanschlag in Jerusalem – eine Tote

Jerusalem in Angst: Eine Bombe, die in einer Tasche versteckt war, explodierte am Busbahnhof. Spürhunde suchen nach weiteren verdächtigen Paketen.

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Eine Bombe, die in einer Tasche versteckt war, ist in Jerusalem am Busbahnhof explodiert. Spürhunde suchen nach weiteren verdächtigen Paketen. Die Polizei spricht von Dutzenden Verletzten.

Video: Reuters
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Bei einem Bombenanschlag in Jerusalem ist eine Frau ums Leben gekommen. Der israelische Rundfunk meldete, die Frau sei im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Nach Angaben von Sanitätern wurden insgesamt 35 Verletzte in verschiedene Krankenhäuser in Jerusalem gebracht.

Die Explosion ereignete sich kurz nach 15 Uhr Ortszeit in der Nähe des zentralen Busbahnhofes und eines wichtigen Konferenzzentrums der Stadt, wie die israelische Regierung mitteilte. Demnach war die Bombe in einer Tasche versteckt worden. Der oder die Täter hätten die Bombe am Busbahnhof deponiert, sagte der Minister für innere Sicherheit, Jizchak Aharonovitch. Die Polizei sprach von einem "Angriff von Terroristen“.

Die Wucht der Detonation erschütterte umliegende Gebäude bis in mehrere hundert Meter Entfernung. "Ich habe gesehen, wie zwei Frauen auf dem Boden lagen, ohnmächtig und blutüberströmt“, sagte ein Sanitär dem Sender "Channel 2". "Ich weiß nicht, welche Verletzungen sei hatten.“ Der Sanitäter hatte mit Kollegen in einem nahe gelegenen Büro über die Entsendung eines Mediziner-Teams nach Japan gesprochen, um dort bei der Bewältigung der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe zu helfen. Plötzlich habe es einen lauten Knall gegeben. "Wir sind einfach aufgesprungen und zum Busbahnhof gerannt.“

"Keine Hinweise auf einen geplanten Anschlag"

Laut "Channel 2" hat der Palästinensische Rote Halbmond Hilfe bei der Evakuierung der Verwundeten angeboten.

Die Umgebung wurde weiträumig abgesperrt. Polizisten suchen mit Spürhunden nach verdächtigen Objekten. Hinweise auf die Täter liegen noch nicht vor. Die Explosion traf einen Bus der Linie 174, der nach Maale Adumim fahren sollte, einer ausgedehnten jüdischen Siedlung im Westjordanland. "Es gab keine Hinweise auf einen geplanten Anschlag“, sagte Polizeiminister Aharonovich. Der Jerusalemer Bürgermeister Nir Barkat sagte, man werde es Terroristen nicht erlauben, den Alltag in der Stadt zu zerstören.

Israels Innenminister Eli Jischai sagte, es gebe eine „Eskalation an allen Fronten“. „Israel wird reagieren müssen, um die Terroristen abzuschrecken.“

Israels Premier Benjamin Netanjahu verschob einen Staatsbesuch in Russland, zu dem er eigentlich noch am Mittwoch hatte aufbrechen wollen.

Gewalt eskalierte in den vergangenen Tagen

Nach dem Beginn des Palästinenser-Aufstandes im Jahr 2000 hatten Extremisten Dutzende von Anschlägen in Jerusalem verübt. In den vergangenen Jahren die ist Zahl der Anschläge jedoch deutlich zurückgegangen.

Bei einem palästinensischen Selbstmordanschlag in der Stadt Dimona war im Februar 2008 ein Israeli getötet worden. Bei dem letzten Anschlag eines Palästinensers in Jerusalem im März 2009 waren zwei Polizisten verletzt worden. Der Palästinenser hatte die Polizisten bei einer Amokfahrt mit einem Radlader angegriffen und war dabei erschossen worden. Im März 2008 hatte ein Palästinenser in einer jüdischen Religionsschule im Westen der Stadt acht jugendliche Talmud-Schüler getötet und mehrere weitere verletzt. Der Palästinenser wurde noch am Tatort von der Polizei getötet. Zu dem Angriff bekannte sich die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas.

Der letzte Anschlag in Jerusalem, der einen Bus traf, ereignete sich 2004.

Allerdings ist die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern in den vergangenen Tagen eskaliert: In der israelischen Regierung wurden am Mittwoch Forderungen nach einer Militäroffensive im Gazastreifen laut. Nach dem blutigsten Angriff der israelischen Armee seit dem Gaza-Krieg vor mehr als zwei Jahren feuerten militante Palästinenser am Mittwoch zwei Raketen sowie sieben Mörsergranaten auf Israel ab. Vor dem Parlament in Jerusalem kündigte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dazu eine „aggressive und entschlossene“ Antwort an. Israel werde reagieren, um die Bevölkerung vor dem Beschuss zu schützen. Die israelische Luftwaffe griff wieder Ziele im Gazastreifen an.

Am Dienstag waren im Gazastreifen bei israelischen Angriffen acht Palästinenser getötet worden, darunter vier unbeteiligte Zivilisten. Drei der Toten waren Jugendliche, ein vierter Jugendlicher schwebt weiterhin in Lebensgefahr.

In der rund 40 Kilometer von der Grenze entfernten israelischen Stadt Beerscheva wurde am Mittwoch ein Mensch bei der Explosion einer Rakete vom Typ Grad leicht verletzt. Es war die vierte Grad-Rakete in dieser Woche, die Israel traf. Eine weitere Rakete schlug nach israelischen Armeeangaben nur rund fünf Kilometer vom Zentrum der Hafenstadt Aschdod ein.

Der bewaffnete Arm des Islamischen Dschihad, die al-Quds-Brigaden, kündigte an, immer weiter ins Landesinnere Israels schießen zu wollen. „Ab jetzt gibt es keine rote Linie mehr für den Widerstand, solange der Feind nicht die Erklärungen und Satzungen der Vereinten Nationen respektiert und weiterhin Zivilisten tötet“, erklärte ein Sprecher der Gruppe