Die Leitzinsen im Euroraum bleiben trotz erhöhter Inflation vorerst unverändert. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins beträgt weiterhin 2,5 Prozent, wie der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt (Main) entschied. Die EZB hatte die Leitzinsen zuletzt im September zum zweiten Mal seit Beginn des Iran-Kriegs angehoben.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Dass teure Energie als Folge des Iran-Kriegs die Verbraucherpreise hochtreibt, wäre für die Euro-Währungshüter ein Argument für die dritte Zinsanhebung im laufenden Jahr gewesen. Im September war die Inflationsrate im Euroraum wegen hoher Spritpreise auf 3,8 Prozent geklettert, das ist der höchste Stand seit drei Jahren und weit über dem EZB-Ziel von mittelfristig 2,0 Prozent.

Höhere Leitzinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen kann. Sparer profitieren, wenn Banken die besseren Konditionen weitergeben. Doch höhere Zinsen belasten zugleich alle, die investieren wollen. Das kann die Konjunktur bremsen.

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Frankreich macht Währungshütern zu schaffen

Auch die politisch aufgeheizte Lage in Frankreich sprach dafür, dass die EZB sich vorerst alle Optionen offenhalten will. Bei Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten gab es in Deutschlands Nachbarland, wo im April 2027 Präsidentschaftswahlen stattfinden, jüngst schwere Ausschreitungen und Plünderungen. 

Haushaltspolitisch spitzte sich die Lage in Frankreich ebenfalls zu: Für die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft, die gemessen an der Wirtschaftskraft fast doppelt so hoch verschuldet ist wie Deutschland, verteuerte sich die Aufnahme neuer Schulden an den Finanzmärkten zuletzt drastisch.

Leitzins könnte im Dezember wieder angehoben werden

Dennoch steht die EZB bei der Inflation nter Handlungsdruck. Volkswirte halten eine weitere Zinserhöhung bei der letzten Sitzung des EZB-Rates in diesem Jahr Mitte Dezember für denkbar. Dann liegen ihr auch neue Prognosen zu Inflation und Konjunktur vor und verschaffen der Notenbank mehr Klarheit darüber, ob und wie stark sich die höheren Energiepreise auf andere Preise auswirken, etwa auf Lebensmittel. Auch mögliche Zweitrundeneffekte gelten als Risiko: Steigen Löhne als Reaktion auf hohe Inflation zu stark, könnte das die Preise weiter nach oben treiben.

In Deutschland hat die Inflation ebenso wie in anderen Eurostaaten deutlich angezogen. In Europas größter Volkswirtschaft kosteten Waren und Dienstleistungen für Verbraucher im September 3,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor – die höchste Teuerungsrate seit rund drei Jahren.

lro/AFP/dpa