Der ehemalige SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil warnt seine Partei vor einem Rückschritt bei der Beteiligung von Frauen in der Parteiführung: Er habe mit Blick auf die aktuelle Aufstellung „ein irritierendes Gefühl“, sagte Heil im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ dieser Redaktion. „Ich glaube, wir waren schon mal weiter.“ Die SPD habe im Moment die Situation, „dass wir einen Parteivorsitzenden haben, einen Fraktionsvorsitzenden, einen Generalsekretär, einen ersten parlamentarischen Geschäftsführer und mehr Männer als Frauen in der Regierung“. Das sei nicht der Anspruch im 21. Jahrhundert, und das müsse jeden irritieren, ob Mann oder Frau, so Heil.

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Hubertus Heil über zwei Sorten von Schuld, die SPD und Manuela Schwesig
Meine schwerste Entscheidung
 

Auf die Frage, ob Heil sich eine weibliche Doppelspitze wünsche, antwortete er ausweichend: „Ich weiß gar nicht, ob die Satzung das hergibt, aber vielleicht gibt die Satzung das auch her.“ Es gehe „insgesamt um die Aufstellung“. In der Ampelzeit sei die SPD, was die Geschlechterverhältnisse betreffe, ausgeglichener gewesen. Heil mahnte ausdrücklich: „Das kann jetzt kein Rollback geben in der Politik, schon gar nicht in der SPD.“

SPD: Welche Rolle will Hubertus Heil spielen?

Im Podcast geht es auch um Heils eigene Geschichte – und seine Ideen für die SPD-Rettung. Immerhin hat der Niedersachse mehr Erfahrung als die allermeisten in der aktuellen Bundesregierung. Angela Merkel, Olaf Scholz, Friedrich Merz: Hubertus Heil hat sie alle als Kanzler erlebt. Der SPD-Politiker kam mit 25 Jahren ins Parlament, ist nun seit fast 30 Jahren dabei, war Generalsekretär und sieben Jahre lang Arbeitsminister. Dann wurde es still um ihn. Jetzt, da die SPD gegen den Abstieg kämpft und es immer leiser wird in der alten Volkspartei, wird Heil wieder lauter. Was hat er vor? Und was ist dran an der Vermutung vieler Genossinnen und Genossen, dass der 54-Jährige noch mal ganz vorn mitmischen will?

Heil erzählt den beiden Hosts aber auch von jenen Wochen im Frühjahr 1999, als er als junger Abgeordneter über den erstmaligen Einsatz bewaffneter deutscher Soldaten im Ausland entscheiden musste. Mit anderen Worten: Ein 26-Jähriger muss darüber abstimmen, ob andere junge Männer in eine lebensgefährliche Mission geschickt werden. Es geht um die Absicherung des Friedensprozesses im Kosovo, um die Entsendung der KFOR‑Truppen – aber auch um politische Schuld – und darum, wie man als junger Abgeordneter mit einer solchen Verantwortung umgehen sollte.

Eine ganz andere Entscheidung trifft Heil beim Ausscheiden aus dem Ministeramt im Frühjahr 2025. Der ehemalige Kettenraucher hört auf. Wie es dazu kam und wie ihm das gelang? Die Antwort ist überraschend einfach.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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