Der Tod ihrer Stieftochter veranlasst Bärbel Bas, vom Parteivorsitz und ihrem Ministerin-Amt zurückzutreten. Der schwere private Schicksalsschlag trifft einen „empathischen und empfindsamen Menschen, den die Politik nicht verdient“. So beschreiben an diesem Montag langjährige Weggefährten in ihrer Heimatstadt Duisburg die 58-jährige SPD-Politikerin.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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„Ich habe festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten“, schreibt sie selbst in einer „sehr persönlichen Nachricht“ an alle Parteimitglieder. In der Öffentlichkeit ist sie seit jeher präsent als Abgeordnete, Bundestagspräsidentin, Ministerin, Parteivorsitzende. Privat bleibt privat, bekannt ist lediglich ihre Motorrad-Leidenschaft, soweit die Politik dafür Zeit lässt.

Stieftochter war nur fünf Jahre jünger als Bärbel Bas

Verkraften muss sie den Verlust ihrer Stieftochter Daniela Ambrosius, die am 26. September mit nur 53 Jahren verstorben ist. Sie war die Tochter von Siegfried Ambrosius – der Ehemann von Bärbel Bas starb im September 2020 im Alter von 79 Jahren. Ein Paar waren beide da seit 15 Jahren, verheiratet seit 2015.

Nach längerer Erkrankung sei Daniela Ambrosius verstorben, heißt es in der Traueranzeige der Duisburger Sana-Kliniken. Dort arbeitete sie in den vergangenen 18 Jahren als Kinderkrankenpflegerin. Ihr Tod sei dennoch überraschend gekommen, berichten Bekannte. Ihr Gesundheitszustand habe sich rasant verschlechtert.

Freundinnen seit gemeinsamen Jahren auf dem Fußballfeld

Beide Frauen verband eine lange und innige Freundschaft, heißt es aus dem Umfeld von Bärbel Bas. Sie kannten sich bereits seit der gemeinsamen Fußball-Jugend, als beide für den KBC Duisburg aufliefen. Verbunden waren beide außerdem in der SPD, für die Bärbel Bas 2009 erstmals in den Bundestag einzog. Daniela Ambrosius engagierte sich nicht über ihren Ortsverein Hochfeld hinaus.

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Auch ihren Ehemann hat Bärbel Bas vor sechs Jahren unerwartet verloren. Nur zwei Sitzungswochen verpasste sie damals entschuldigt. Im Politikbetrieb verdrängte sie ihre tiefe Trauer durch Arbeit. „Berlin ist eine andere Welt. Mir hat die Ablenkung geholfen“, sagte sie unserer Redaktion im Oktober 2021 kurz vor ihrer Wahl zur Bundestagspräsidentin.

Parteifreunde: Schüsse aus der eigenen Jagdgesellschaft

Nun hat die 58-Jährige entschieden, ihrer tiefen Trauer die Zeit zu geben, die sie braucht. Der private Schicksalsschlag sei aber nur Anlass, nicht Ursache für ihren Rücktritt, sagen jene, sind Weggefährten überzeugt. „Sie wurde sturmreif geschossen. Persönlich besonders getroffen haben sie die Kugeln aus der eigenen Jagdgesellschaft.“