Er kämpfte für Deutschlands Sicherheit, pflegte Kontakte auf der vordersten Bank der Politik – nun werden ihm landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen, versuchter Landesverrat sowie geheimdienstliche Agententätigkeit vorgeworfen. Der ehemalige Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND) August Hanning steht im Fokus der Ermittlungen, auch sein ehemaliger Büroleiter, Manfred D., ist am Dienstag festgenommen worden. Wer ist der Mann, der über Jahrzehnte seine Karriere im sicherheitspolitischen Apparat der Bundesrepublik aufgebaut hatte?

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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August Hanning wurde am 16. Februar 1946 in Nordwalde (Westfalen) geboren. Sein Vater besaß zwei Ziegeleien. Nach seinem Abitur im Jahr 1966 in Osnabrück studierte Hanning Rechtswissenschaften in Münster und Freiburg im Breisgau. Dem Juristen wurde im Jahr 1975 der Doktortitel verliehen. Darauf folgte eine Beamten-Karriere, die man als bilderbuchhaft bezeichnen könnte.

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August Hanning festgenommen: Jurist legte Karriere im sicherheitspolitischen Apparat Deutschlands hin

Hanning begann seine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Arbeits- und Wirtschaftsrecht in Münster. Zwei Jahre später arbeitete er im Bundesministerium des Innern in Bonn. Im Jahr 1981 zog es ihn ins Bonner Bundeskanzleramt, als Helmut Schmidt (SPD) sein drittes Kabinett führte.

1986 übernahm Hanning die Leitung der politischen Abteilung der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der DDR in Ost-Berlin. Bis 1990 nahm er die Rolle des Geheimschutzbeauftragten wahr. Nach der Wiedervereinigung ging er zurück ins Bundeskanzleramt. Dort stieg er vom Referats-, über den Gruppenleiter zum Abteilungsleiter auf und koordinierte ab 1996 die Arbeit der Nachrichtendienste des Bundes.

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Bundesnachrichtendienst: Hanning prägte deutsche Sicherheitspolitik

Dem Sicherheitsexperten gelang 1998 der Wechsel zum Bundesnachrichtendienst. Er löste Hansjörg Geiger als Präsident des BND ab. Hanning leitete den deutschen Auslandsgeheimdienst sieben Jahre lang bis 2005. Sicherheitspolitisch prägende Ereignisse wie der Kosovo-Krieg 1999, die Terroranschläge vom 11. September 2001, der Krieg in Afghanistan sowie der Irakkrieg fielen in seine Amtszeit. Außerdem fädelte Hanning den Umzug des BND von Pullach bei München nach Berlin ein. Unter Hanning wurde auch die Zusammenarbeit mit ausländischen Geheimdiensten intensiviert.

Anschließend machte Bundeskanzlerin Merkel ihn 2005 zum Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Das wurde damals von Wolfgang Schäuble angeführt. Hanning war zuständig für Innere Sicherheit und Polizeiangelegenheiten. Doch Schäubles Nachfolger Thomas de Maizière schickte den Sicherheitsexperten im Jahr 2009 in den einstweiligen Ruhestand. Der „Spiegel“ berichtete damals von Differenzen zwischen Hanning und dem Innenminister, in der „Süddeutschen Zeitung“ war die Rede von Gerüchten um Hannings Dominanz, die de Maizière ein Dorn im Auge war. Nach seiner politischen Karriere arbeitete Hanning dann als Sicherheitsberater in der Privatwirtschaft.

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Bereits im vergangenen Jahr stand Hanning in den Schlagzeilen: Es wurde auch im Zuge des Prozesses gegen Christina Block gegen den Ex-BND-Chef ermittelt. Hanning steht gemeinsam mit einem pensionierten Beamten des Landeskriminalamts (LKA) Hamburg im Verdacht, 2022 einen Auftrag von Christina Block zur Kindesentziehung angenommen zu haben. Die beiden Männer sollen Verantwortliche einer Sicherheitsfirma gewesen sein.