Das Schlagwort „Solidarität“ spielt im Bereich des politisch linken Lagers eine besondere Rolle. „Hoch die internationale Solidarität“, skandierten die Mitglieder der Berliner Linkspartei auf der Wahlparty zur gewonnenen Abgeordnetenhauswahl Ende September lautstark. Kurz zuvor hatte sich ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp auf der Bühne bei ihren Unterstützern im In- und Ausland bedankt. Ihre siegestrunkenen Anhänger bemühten in ihren Sprechchören den wohl bekanntesten Schlachtruf der Sozialisten und Kommunisten aus dem 19. Jahrhundert.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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„Solidarität mit Mumia Abu-Jamal“, konnten Passanten über Jahrzehnte in jeder größeren Stadt Deutschlands auf Aufklebern und Plakaten an Laternen, Ampeln und Stromkästen lesen. Der amerikanische Rundfunkjournalist war ehemals Mitglied der Black Panther Party und wurde nach dem Tod eines Polizisten in den USA 1982 zum Tode verurteilt. Nach andauernden, weltweiten Protesten wurde die Strafe 2011 in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.

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Linken-Fraktionschef Pellmann tritt dem Verein Rote Hilfe bei

Linken-Anhänger solidarisierten sich mit Kuba, Nicaragua und Venezuela. Besonders radikale Vertreter stellten sich gerne auch an die Seite der Terroristen der Rote Armee Fraktion (RAF). Entsprechende Bekundungen erhielt zuletzt die nicht-binäre Person Maja T., die in Ungarn nach einem Angriff auf Rechtsextremisten zu acht Jahren Haft verurteilt worden war, die mittlerweile auf sieben Jahre reduziert wurde. Die Solidarität scheint eine Ur-Motivation von Sozialisten, Kommunisten, Marxisten, Trotzkisten, Maoisten und Autonomen zu sein.

Nun demonstrierte auch der Chef der Linken-Fraktion im Bundestag, Sören Pellmann, seine Solidarität. Er trat dem Verein Rote Hilfe bei, der linke Aktivisten unter anderem juristisch unterstützt. Zuvor war bekannt geworden, dass die mögliche neue Berliner Regierende Bürgermeisterin Eralp über mehrere Jahre Mitglied des Vereins gewesen war. Über dessen Berliner Ortsgruppe sagt der zuständige Landesverfassungsschutz, sie habe „sich mittlerweile zur mit Abstand größten linksextremistischen Organisation der Stadt entwickelt“.

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Spitzenkandidatin Eralp trat 2025 aus dem Verein aus

Eralp hatte sich in Hamburg während des Jurastudiums 2010 dem Verein angeschlossen und trat in Berlin 2025 aus, als sie die Spitzenkandidatur der Linken übernahm. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hatte darüber als erste berichtet. Danach kündigte Pellmann seinen Schritt an. „Eine solche NGO ist wichtig, wenn es darum geht, dass es faire Gerichtsverfahren gibt, in denen sich Verfahrensbeteiligte durch Anwältinnen und Anwälte vertreten lassen können. Insbesondere auch dann, wenn sie sich diese nicht leisten können“, sagte er.

Je nach Angaben hat die Rote Hilfe bundesweit zwischen 16.500 und 19.800 Mitglieder. Alle zahlen Beiträge, wodurch die Organisation ihre Aktivitäten finanziert. Die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Göttingen, bundesweit gibt es 50 Ortsgruppen und eine Redaktion, die viermal im Jahr eine Zeitschrift veröffentlicht.

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Rote Hilfe in der TV-Serie „Berlin Babylon“

Der Verein hatte sich 1975 in der Bundesrepublik gegründet. Er bezog sich auf den gleichnamigen Vorläufer zwischen 1924 und 1936, der es sogar in die beliebte TV-Serie „Berlin Babylon“ schaffte. In der sechsten Folge der dritten Staffel der Serie sagt ein Rote-Hilfe-Anwalt: „Wir gewähren Rechtshilfe für Unterprivilegierte, für Arbeiter, für Arbeitslose. Wir beraten die Menschen, vertreten sie vor Gericht. Wir kämpfen für die Menschen.“

Das historische Bild im Film wirkt verklärt. Denn zu der Berliner Organisation schreibt der Landesverfassungsschutz in seinem Bericht 2025, die Rote Hilfe verstehe sich als „linke Schutz- und Solidaritätsorganisation“ für alle, die aufgrund ihrer politischen Betätigung verfolgt würden. „Ausschlaggebend ist allein die politisch linke Motivation der Tat.“ Der Verfassungsschutz beobachte die Organisation und ihre Entscheidungsträger aufgrund ihrer Gegnerschaft zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung.

Extremismusforscher: Organisation stellt Bedingungen

„Die Rote Hilfe ist eben nicht einfach eine Organisation, die sich für Menschen einsetzt, die vom rechten Weg abgekommen sind, Straftäter geworden sind und im Gefängnis sitzen“, sagt der Extremismusforscher Hendrik Hansen im Gespräch mit dieser Redaktion. Denn die Organisation stelle zwei Bedingungen für ihre Unterstützung. „Erstens: Die Straffälligen dürfen nicht mit Sicherheitsbehörden kooperieren. Insbesondere sollen sie die Aussage verweigern“, so der Wissenschaftler von der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Berlin. „Und zweitens: Sie dürfen ihre linksextremistischen Positionen nicht aufgeben.“

Hansen sagt, dass dadurch die Straftaten an sich unterstützt würden. Auch in der Propagandaarbeit der Roten Hilfe „werden regelmäßig schwere Straftaten legitimiert und der Rechtsstaat, der diese Straftaten verfolgt, delegitimiert“.

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Hansen: „Mindestens die Unterstützung von Linksextremismus“

Zum Beispiel setze sich der Verein dafür ein, dass schwere Körperverletzungsdelikte bei Überfällen auf Rechtsextremisten oder vermeintliche Rechtsextremisten nicht verfolgt werden, sagt Hansen. Und als Daniela Klette 2024 als eine der drei letzten flüchtigen ehemaligen RAF-Terroristen festgenommen wurde, habe auf der Internetseite der Roten Hilfe gestanden, die Festnahme sei Ausdruck des staatlichen Rachebedürfnisses. Der Prozess gegen Klette sei ein „politisch motivierter Gesinnungsprozess“.

„Bestimmt ist nicht jeder ein Linksextremist, der Mitglied in der Roten Hilfe ist“, sagt Hansen. Es gebe dort Menschen, die sich gegen Rechtsextremisten engagieren. „Aber allen muss bewusst sein, in welchem Verein sie Mitglied sind. Und das ist dann mindestens die Unterstützung von Linksextremismus.“

Die Berliner Linke nimmt in ihrem Wahlprogramm explizit Stellung zur Roten Hilfe. Auf einer der hinteren Seiten heißt es, antifaschistische Vereine wie die Rote Hilfe sähen sich steuerlichen Angriffen ausgesetzt oder ihre Konten würden geschlossen. „Wir stehen entschieden an ihrer Seite und verteidigen ihre Gemeinnützigkeit.“