Im politischen Leben ist vieles relativ. Angesichts einer Union, die in einem fast sozialdemokratischen Putscheifer den eigenen Kanzler und Parteichef beschädigt, wirkt die SPD fast befriedet. Der Super-GAU in Sachsen-Anhalt blieb aus, mit 9,3 Prozent konnte die Partei sogar zulegen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag hoffen nicht wenige auf ein Manuela-Schwesig-Wunder, das auch eine Niederlage bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin überstrahlen könnte. Ein Sieg der Schweriner Ministerpräsidentin, und die Welt sähe wieder anders aus. Der SPD geht es relativ gut.

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SPD: Das Schicksal der Partei ist nicht unabwendbar

Lässt man den Vergleich mit der Union außer Acht, befindet sich die Sozialdemokratie in einer absoluten Krise. Je nach Umfrage dümpelt die stolze SPD nur noch auf Platz vier, mitunter gar Platz fünf hinter AfD, Union, Grünen und Linkspartei. Solange sie Reformpartei und Sozialstaatsbewahrer, Opposition und Regierung in einem sein will, ziehen Fliehkräfte ihre Wähler zu den Rändern. Die Arbeiter laufen zur AfD über, die jungen Antifaschisten zur Linkspartei. Aus der Astronomie kennt man das Phänomen: Ein ausgebrannter Roter Riese endet als Weißer Zwerg.

Matthias Iken
Matthias Iken ist stellvertretender Chefredakteur der FUNKE Medien Hamburg.© Funke Foto Services | Marcelo Hernandez

Das Schicksal der SPD ist aber nicht unabwendbar. Lange war sie ein Fixstern im System der Bundesrepublik mit einer starken Bilanz: Sie wagte die Hinwendung zur sozialen Marktwirtschaft, die Entspannungspolitik mit Moskau, die gesellschaftliche Liberalisierung, die Sozialreformen der Agenda 21. Sie war immer dann erfolgreich, wenn sie Verantwortung übernahm, statt sich mit sich selbst zu beschäftigen. Die SPD benötigt keine Personaldebatte. Sondern Mut zu Reformen.