In der Nähe von Leipzig könnte schon bald eine neue Rüstungsfabrik entstehen. Das US-Rüstungsunternehmen Covenant will dort ab Anfang 2027 weitreichende Marschflugkörper für europäische Kunden produzieren. Die geplanten Stückzahlen sind hoch: „Im ersten Jahr werden wir etwa 1000 Stück produzieren und dann auf 5000 Stück hochfahren. Das ist unser Ziel für die Jahresproduktion“, sagte Covenant-Chefin Abigail Denburg.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Einen genauen Standort im Raum Leipzig nannte sie nicht. Nach Angaben des Unternehmens sprechen unter anderem die verfügbaren Fachkräfte für die Region. In Sachsen möchte Covenant den Marschflugkörper „Anthem“ herstellen. Das Waffensystem ist für sogenannte „Deep Strikes“ gedacht. Damit sind weitreichende Präzisionsangriffe auf Ziele tief im gegnerischen Gebiet gemeint.

Flugkörper „Anthem“ soll Ziele tief im gegnerischen Gebiet treffen

Der Flugkörper „Anthem“ kann einen 200 Kilogramm schweren Gefechtskopf tragen. Über seine genaue Reichweite macht Covenant bislang keine Angaben. In Medienberichten ist von bis zu 1500 Kilometern die Rede, was das Unternehmen bisher nicht bestätigt hat. Berichten zufolge wurde „Anthem“ bereits in den USA und in Marokko getestet.

Covenant beabsichtigt, den Marschflugkörper deutlich günstiger anzubieten als vergleichbare Systeme. Demnach heißt es, Anthem werde einen sechsstelligen Betrag kosten, also weniger als eine Million, während andere Waffensysteme dieser Art üblicherweise mehrere Millionen US-Dollar pro Stück kosten.

Mit der geplanten Massenproduktion verfolgt Covenant auch ein militärisches Ziel. Große Bestände sollen dafür sorgen, dass Kunden im Konfliktfall über einen längeren Zeitraum handlungsfähig bleiben. „Abschreckung ist eine Kalkulation des Feindes, und diese Kalkulation ändert sich, wenn man über umfangreiche Waffenarsenale verfügt“, sagte Denburg. Ein einzelner möglicher Angriff reiche aus ihrer Sicht nicht unbedingt aus, um einen Gegner abzuschrecken.

Anthem
Der Marschflugkörper „Anthem“ soll einen 200 Kilogramm schweren Gefechtskopf tragen. Seine genaue Reichweite nennt der Hersteller nicht.© Handout / Berlin/Covenant/dpa | Handout / Berlin

Covenant hat Gespräche mit der Bundeswehr offenbar bereits angelaufen

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll Covenant bereits Gespräche mit der Bundeswehr und dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr führen. Offiziell bestätigt wurden diese Gespräche bislang nicht.

Covenant-Chefin Denburg erklärte, dass bereits ein Produktionsvertrag für Lieferungen aus Deutschland bestehe. Die Auslieferung solle im ersten Quartal 2027 beginnen. Welches europäische Land die Waffen bestellt hat, sagte sie nicht. „Dieser europäische Kunde wird selbst entscheiden, wann er dies bekannt geben möchte“, erklärte Denburg. Ob es sich dabei um die deutsche Bundesregierung handelt, bleibt damit offen.

Das Unternehmen hat in Deutschland nach eigenen Angaben einen früheren Bundeswehrgeneral als Berater verpflichtet. Generalleutnant a.D. Andreas Marlow war bis 2025 Stellvertreter des Heeresinspekteurs und leitet ab 2022 auch die EU-Ausbildungsmission für die ukrainischen Streitkräfte. Ein in Europa produziertes Programm für Langstreckenflugkörper sei „das fehlende Puzzlestück in unserer Abschreckungsarchitektur“, wird Marlow zitiert.

Deutschland und Nato-Partner rüsten bei Langstreckenwaffen auf

Die Pläne fallen in eine Zeit, in der Deutschland und andere europäische Nato-Staaten ihre Bestände an weitreichenden Waffensystemen ausbauen wollen, um sich auf eine mögliche Bedrohung durch Russland vorzubereiten. Dabei geht es sowohl um den Kauf vorhandener Systeme als auch um die Entwicklung eigener Waffen in Europa.

Beim Nato-Gipfel in Ankara hatte sich die Bundesregierung mit den USA auf den Kauf von Marschflugkörpern des Typs Tomahawk geeinigt. Die Deutsche Marine schloss Anfang September zudem einen zuvor geheim gehaltenen Test des israelischen Raketensystems Lora erfolgreich ab. Bei Lora handelt es sich allerdings nicht um einen Marschflugkörper, sondern um eine ballistische Rakete.

Anthem - In-Flight
Im Raum Leipzig will das Rüstungsunternehmen Covenant ab Anfang 2027 weitreichende Marschflugkörper produzieren.© Handout / Berlin/Covenant/dpa | Handout / Berlin

Deutschland verfügt mit dem Taurus bereits über einen eigenen Marschflugkörper. Das vom Rüstungskonzern MBDA hergestellte System wird derzeit jedoch nicht in den Massen produziert, die Covenant für „Anthem“ ankündigt.

Mehrere europäische Nato-Verbündete wollen außerdem gemeinsam ein Waffensystem für weitreichende Präzisionsangriffe entwickeln. Dafür wurde 2024 beim Nato-Gipfel in Washington das Projekt Elsa ins Leben gerufen. Die Abkürzung steht für „European Long-Range Strike Approach“.

Ob „Anthem“ künftig Teil eines deutschen oder gemeinsamen europäischen Programms werden könnte, ist bislang nicht bekannt. Auch ein direkter Vergleich mit dem US-Marschflugkörper Tomahawk ist auf Grundlage der bisher veröffentlichten Angaben kaum möglich. Covenant nennt weder die bestätigte Reichweite noch weitere technische Leistungsdaten des neuen Systems.

Investor Peter Thiel steht hinter Covenant

Covenant ist ein junges Unternehmen. Die Rüstungsfirma wurde erst 2024 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Washington und eine Fabrik in Dallas im US-Bundesstaat Texas, um die US‑Streitkräfte mit Rüstung zu versorgen. Nach eigenen Angaben sammelte sie in drei Finanzierungsrunden bereits mehr als 250 Millionen US-Dollar (215 Millionen Euro) ein.

Zu den Geldgebern gehört der Founders Fund, den der rechtskonservative und libertäre US-Unternehmer Peter Thiel mitgegründet hat. Thiel ist für seine Nähe zu US-Präsident Donald Trump und seinem Vize J.D. Vance sowie für seine Kritik an liberalen Demokratien bekannt.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte in der Vergangenheit erklärt, entsprechende Bedenken gegenüber Thiel „ausdrücklich“ zu teilen. Öffentlich diskutiert wurde auch, ob neue Abhängigkeiten entstehen oder ob nicht die Gefahr größer ist, im Spannungsfall ohne ausreichend gefüllte Munitionslager dazustehen.

ari / dpa