Zum Jahreswechsel 2027 wird der Preis des Deutschlandtickets wohl erneut ansteigen. Das hat eine Analyse des WDR-Datenteams ergeben: Der monatliche Preis steigt demnach von aktuell 63 Euro auf voraussichtlich 66,80 Euro. Das entspräche einer Erhöhung um rund vier Euro beziehungsweise 6,1 Prozent. Erstmals bestimmt dabei keine politische Entscheidung der Verkehrsminister den Preis, sondern eine feste Formel. Sie berücksichtigt gestiegene Personal- und Energiekosten ebenso wie die staatlichen Zuschüsse für das Ticket.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Bereits Anfang August hatten der „Tagesspiegel“ und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) jeweils eigene Berechnungen zum Ticketpreis 2027 veröffentlicht. Beide kamen unabhängig voneinander auf einen Preis von 66,40 Euro, also ein Plus von 3,40 Euro. Das WDR-Datenteam hat diese Musterrechnungen überprüft und mit aktuelleren Zahlen des Statistikamts Destatis ergänzt, die erst Ende August vorlagen. Vor allem die im Juli deutlich gestiegenen Dieselpreise fehlten in der DUH-Berechnung noch – das macht nach WDR-Angaben rund 40 Cent des Unterschieds aus und drückt den Preis auf die jetzt errechneten 66,80 Euro.

Die Preisentwicklung des Deutschlandtickets

Das Deutschlandticket war am 1. Mai 2023 für 49 Euro monatlich eingeführt worden. Zum Januar 2025 stieg der Preis auf 58 Euro, seit Januar 2026 kostet es 63 Euro. Beide Erhöhungen hatten die Verkehrsminister der Länder noch direkt beschlossen. Daraus ergibt sich eine Preissteigerung von 28,6% seit der ursprünglichen Einführung.

Mit dem neuen Preisindex, den die Verkehrsministerkonferenz im März in Lindau festgelegt hat, entfällt diese politische Entscheidung künftig. Der Preis soll sich automatisch aus Kosten- und Wertfaktor ergeben – eine Senkung ist laut Formel theoretisch möglich, in der Praxis aber unwahrscheinlich. Mehr als 14 Millionen Menschen nutzen das Ticket derzeit bundesweit.

So setzt sich der neue D-Ticketpreis zusammen

Die neue Formel, die die Verkehrsministerkonferenz (VMK) im März 2026 in Lindau beschlossen hat, besteht aus zwei Teilen. Der erste ist ein Kostenfaktor: Er misst, wie stark Personal-, Energie- und allgemeine Preise gestiegen sind. Nach WDR-Berechnungen summiert sich dieser Kostenfaktor für 2027 auf ein Plus von 4,5 Prozent beziehungsweise 2,82 Euro. Größten Anteil daran haben die Dieselpreise (plus 13,4 Prozent) sowie höhere Personalkosten bei Bus (plus 4 Prozent) und Bahn (plus 7,7 Prozent).

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Zum Kostenfaktor kommt ein zweiter Baustein hinzu, der sogenannte Wertindex. Er setzt die Zuschüsse von Bund und Ländern ins Verhältnis zu den Einnahmen aus dem Ticketverkauf des Vorjahres. Bund und Länder zahlen jährlich rund drei Milliarden Euro für das Deutschlandticket – eine gesetzlich festgeschriebene Summe, die nicht automatisch mit der Inflation mitwächst. Sinken die Einnahmen aus dem Ticketverkauf oder werden weniger Abos verkauft, wirkt sich das über den Wertindex zusätzlich auf den Preis aus. Zusammen mit dem Kostenfaktor ergibt sich daraus der vom WDR berechnete Anstieg auf 66,80 Euro.

Kritik von mehreren Seiten für Deutschlandticket-Preisgestaltung

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) macht vor allem die verschleppte Umstellung auf E-Busse für die hohen Kosten verantwortlich. Verkehrsreferentin Nanne Richardsen kritisiert, dass ausgerechnet die gestiegenen Preise für fossile Kraftstoffe nun den Preis eines Tickets in die Höhe treiben, das eigentlich den Klimaschutz im Verkehr voranbringen soll. Wäre die Busflotte bereits weitgehend elektrifiziert, „wäre die Preiserhöhung deutlich geringer ausgefallen“, sagte Richardsen dem WDR. Die EU schreibt vor, dass der Anteil elektrischer Busse steigen muss – ab 2035 dürfen nur noch emissionsfreie Fahrzeuge neu zugelassen werden. Die Bundesförderung für E-Busse soll laut aktuellem Haushaltsentwurf jedoch um zwei Drittel gekürzt werden. Die Politik müsse deutlich mehr in den öffentlichen Nahverkehr investieren, fordert die DUH.

Auch der Fahrgastverband Pro Bahn NRW übt im Gespräch mit dem WDR Kritik an der Preisgestaltung des Deutschlandtickets. Sprecher Lothar Ebbers hätte sich von Anfang an einen höheren Ticketpreis gewünscht, um den günstigeren Abo-Angeboten regionaler Verkehrsbetriebe nicht die Grundlage zu entziehen. Das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium unter Minister Oliver Krischer (Grüne) weist die Verantwortung dagegen dem Bund zu: Das Ticket sei weiterhin eine Erfolgsgeschichte der Verkehrswende, doch die schwarz-rote Bundesregierung habe entgegen ihrer Koalitionszusage die Zuschüsse für das Deutschlandticket eingefroren, statt den Preis stabil zu halten.