Sachsen-Anhalt steht vor einer historischen Richtungsentscheidung. Am Sonntag, 6. September 2026, wählt das Bundesland einen neuen Landtag. Bei der Abstimmung geht es nicht nur um die künftige Regierung in Magdeburg, sondern auch um ein wichtiges Stimmungsbarometer für die gesamte Bundespolitik. Erstmals könnte die AfD eine Landtagswahl so klar gewinnen, dass sie danach den Ministerpräsidenten stellt. Der Verfassungsschutz stuft den Landesverband der Partei in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem ein.

Wer darf wählen, welche Parteien haben Chancen und wie läuft die Abstimmung ab? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

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Politische Ausgangslage: Wer regiert künftig in Magdeburg?

Bis zum 27. Januar dieses Jahres regierte in Sachsen-Anhalt der langjährige Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Nach seinem Rücktritt übernahm Sven Schulze das Amt. Aktuell führt er eine Koalition aus CDU, SPD und FDP. Laut den jüngsten Umfragen wird dieses Bündnis seine parlamentarische Mehrheit jedoch verlieren.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Gleichzeitig könnte die AfD bei der Landtagswahl stärkste Kraft werden – und womöglich sogar eine absolute Mehrheit erreichen. Ihr erklärtes Ziel einer Alleinregierung wäre damit möglich. Dafür bräuchte die Partei allerdings die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag. Sollte sie diese verfehlen, wäre sie auf Bündnispartner angewiesen. Bislang schließt jedoch jede andere Partei eine Koalition mit der AfD kategorisch aus.

Als Alternative gilt eine von der CDU angeführte Minderheitsregierung. Diese müsste sich bei Abstimmungen im Landtag wechselnde Mehrheiten suchen und könnte dabei auch auf die Stimmen der Linken angewiesen sein. Ein solches Modell ist bereits aus Thüringen und Sachsen bekannt. Die Linke, die in Umfragen zuletzt bei rund 13 Prozent lag, würde damit zur entscheidenden Kraft.

Daraus ergibt sich jedoch ein politisches Dilemma. Ein offizieller Bundesparteitagsbeschluss schließt für die CDU jede Koalition oder ähnliche Formen der Zusammenarbeit mit den Linken sowie mit der AfD konsequent aus.

Sachsen-Anhalt: AfD erreicht in den Umfragen Höchstwerte

In den letzten Umfragen vor der Wahl lag die AfD fast uneinholbar vorn. Ihr Abstand ist allerdings etwas geschrumpft, eine Alleinregierung mit absoluter Mehrheit scheint aktuell eher unwahrscheinlich.

Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Zweitstimme entscheidet über die Sitzverteilung

Jeder der rund 1,7 Millionen Wahlberechtigten hat zwei Stimmen. Die Erststimme entscheidet über das Direktmandat im eigenen Wahlkreis. Insgesamt gibt es 41 Wahlkreise. Wer hier die meisten Stimmen holt, zieht direkt in den Landtag ein. Die deutlich wichtigere Stimme ist jedoch die Zweitstimme. Sie entscheidet über die Landesliste einer Partei und bestimmt maßgeblich, wie viele Sitze die einzelnen Parteien insgesamt im neuen Landtag erhalten.

Doch ob eine Partei überhaupt in den Landtag einziehen darf, entscheidet die Fünf-Prozent-Hürde. Maßgeblich dafür ist ausschließlich das Ergebnis bei den Zweitstimmen. Holt eine Partei am Wahlabend weniger als fünf Prozent dieser Stimmen, bleibt sie draußen, selbst wenn sie knapp an der Marke scheitert. Die gewählten Abgeordneten dieser Partei dürfen dann nicht in das Parlament in Magdeburg einziehen.

Wahl am 6. September: Wer sind die Spitzenkandidaten?

  • Ulrich Siegmund (AfD): Der 35-jährige Politiker sitzt seit 2016 im Landtag. Seit 2022 ist Siegmund Fraktionsvorsitzender sowie Sprecher für Gesundheitspolitik.
  • Sven Schulze (CDU): Vor der Übernahme des Amts des Ministerpräsidenten war der CDU-Politiker Wirtschaftsminister.
  • Armin Willingmann (SPD): Der aktuelle Umwelt- und Wissenschaftsminister geht als stellvertretender Ministerpräsident ins Rennen.
  • Lydia Hüskens (FDP): Die Spitzenkandidatin der Liberalen führt derzeit das Landesministerium für Infrastruktur und Digitales.
  • Eva von Angern (Linke): Sie ist Juristin und seit 2020 Vorsitzende der Fraktion der Linken in Sachsen-Anhalt.
  • Susan Sziborra-Seidlitz (Grüne): Die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin ist seit Mai 2025 erneut Co-Vorsitzende der Landesgrünen.
  • Thomas Schulze, Claudia Wittig (BSW): Das neu gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht schickt eine Doppelspitze aus dem Beamten Schulze und der Mittelalterforscherin Wittig ins Rennen.

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Wer ist wahlberechtigt?

Wahlberechtigt sind alle Deutschen, die mindestens 18 Jahre alt sind und seit mindestens drei Monaten ihren festen Wohnsitz in Sachsen-Anhalt haben. Zudem darf man nicht durch ein Gerichtsurteil vom Wahlrecht ausgeschlossen sein.

Wie funktioniert die Briefwahl und welche Fristen gelten?

Die Briefwahl muss bei der zuständigen Gemeinde beantragt werden. Das geht formlos, per Post oder meist auch ganz einfach online über einen QR-Code auf der Wahlbenachrichtigung. Der rote Wahlbrief muss am Wahlsonntag bis spätestens 18 Uhr bei der zuständigen Stelle eingegangen sein. Spätere Einsendungen werden nicht mehr berücksichtigt. Wer knapp dran ist, sollte den Brief am besten direkt in den Briefkasten der Gemeinde einwerfen.