Das KI-Unternehmen Anthropic hat im Rechtsstreit mit dem Pentagon einen wichtigen Teilerfolg erzielt. Eine Richterin in Kalifornien entschied, dass das US-Verteidigungsministerium die Firma zu Unrecht als Risiko für die nationale Sicherheit in der Lieferkette eingestuft hatte. Die Einstufung muss deshalb aufgehoben werden.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Auslöser für den Konflikt war das Beharren von Anthropic darauf, dass KI-Modelle des Unternehmens nicht zur Massenüberwachung von Amerikanern sowie in autonomen Waffensystemen genutzt werden dürfen. Das US-Verteidigungsministerium fordert hingegen die Rechte für „jede rechtmäßige Nutzung“ ein und betont, dass kein Unternehmen der Regierung Vorschriften machen könne.
Auch interessant
Behördenstreit um Anthropic: Konsequenzen bleiben zunächst offen
Richterin Rita Lin kam zu dem Schluss, dass die Einstufung als Lieferkettenrisiko nur auf dem Wunsch basierte, ein Exempel zu statuieren, weil Anthropic die Regierung kritisiert hatte – und nicht auf einer begründeten Befürchtung, dass die Firma ihr KI-Modell tatsächlich sabotieren würde. Sie hatte bereits im Frühjahr die Umsetzung der Regierungsentscheidung blockiert.
Eine Einstufung als Lieferkettenrisiko hat für ein Unternehmen weitreichende Konsequenzen über die Nutzung im US-Militär hinaus. So hatte Präsident Donald Trump angeordnet, dass alle US-Bundesbehörden die Nutzung von Anthropic-Technologie einstellen sollen. Zudem hieß es von Verteidigungsminister Pete Hegseth, dass auch alle Unternehmen ihre Geschäftsbeziehungen zu Anthropic kappen müssten, wenn sie das US-Militär beliefern wollten.
Auch interessant
US-Regierung lässt Berufung gegen Urteil zu Anthropic-KI offen
Zunächst war nicht bekannt, ob die Regierung plant, gegen die Entscheidung der Richterin in Berufung zu gehen. Es ist höchst ungewöhnlich, dass eine US-Firma zum Lieferkettenrisiko erklärt wird.
Auch interessant
Zugleich betonte die Richterin, dass das Verteidigungsministerium nicht Anthropic-Software nutzen müsse, sondern stattdessen auf Technologie anderer KI-Unternehmen umsteigen könne, solange dies rechtlich einwandfrei geschehe. Das Pentagon schraubte die Nutzung von Anthropic-KI zurück und will sie bis Ende September komplett aufgeben.
Anthropic-Chef warnt vor Risiken beim Einsatz von KI-Systemen
Anthropic-Chef Dario Amodei warnt, dass Künstliche Intelligenz es möglich mache, über das Netz verstreute Daten einzelner Menschen in großem Stil automatisiert zu einem detaillierten Bild ihres Lebens zusammenzusetzen. Zugleich sei KI noch nicht verlässlich genug, um in vollständig autonomen Waffen eingesetzt zu werden. „Wir werden nicht wissentlich ein Produkt liefern, das Amerikas Kämpfer und Zivilisten in Gefahr bringt“, schrieb Amodei in einem Blogbeitrag.
dpa







