„Spiegel, was war denn da los?“, schreit der Mann plötzlich. Er hält ein Mikrofon in der Hand und verfolgt ein Reporter-Team des Magazins durch die Menschenmasse im sachsen-anhaltinischen Merseburg. In den sozialen Medien nennt er sich „Aktivist Mann“. Der rechte Streamer ist bekannt dafür, Journalisten und Menschen anderer politischer Haltungen vor laufender Kamera verbal zu attackieren.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Doch die Szene, die sich bei einem „Familienfest“ der AfD ereignet, geht einen Schritt weiter: Die Rechtsaußenpartei hatte für Samstag zu der Veranstaltung mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund aufgerufen – und der Streamer hatte bei Telegram angekündigt, vor Ort zu sein.

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In einem Ausschnitt, der unter anderem auf X kursiert, ist zu sehen, wie sich das Reporter-Team des „Spiegel“ durch die Menschenmassen schiebt. Im Hintergrund sind Hüpfburgen, AfD‑Pavillons, Deutschlandfahnen und zahlreiche Menschen mit T‑Shirts in AfD-Blau zu sehen, die sich über die unschönen Szenen teilweise sichtlich echauffieren.

„Wieso das Ulli-Cover, ist der so gefährlich?“, will Matthäus Westfal wissen, wie der Streamer mit bürgerlichem Namen heißt. Er spielt damit auf die Titelseite des Nachrichtenmagazins an. Dort stand zuletzt AfD‑Spitzenkandidat Siegmund – untertitelt mit „Der gefährlichste Mann Deutschlands“.

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Doch das Reporter-Team zeigt sich unbeeindruckt, reagiert nicht auf die Verbalattacken. Mit einer Handbewegung versucht ein „Spiegel“-Journalist noch, den Streamer davon abzuhalten, seinem Kollegen zu nah zu kommen; schiebt ihn leicht zur Seite. Doch wie aus dem Nichts schubst Westfal den Journalisten mit einem kräftigen Schulterhieb. Der taumelt, während zahlreiche Schaulustige im Hintergrund ihr Grinsen nicht verbergen können. Erneut scheint der Betroffene deeskalierend zu handeln, hebt die Hände nach oben und dreht sich von dem Angreifer weg.

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Bestürzung in sozialen Medien

Der rechte Streamer allerdings eskaliert weiter. Er beschuldigt den Reporter, ihn geschubst zu haben. „Was soll das?“, brüllt er lautstark: „Was sind Sie für ein Medium? Sie kennen doch nur Gewalt“, setzt er nach. Der Journalist schweigt weiter, während er sich den Vorwurf des Linksextremismus und der Gefährdung der Demokratie anhören muss. „Richtig“, kommt es als Bestätigung für den rechten Streamer aus der schaulustigen Menge. „Soll ich die Polizei rufen, wollen sie eine Anzeige?“, schreit dieser weiter. In anderen Videos, die offenbar dem Livestream entstammen, wird er gegenüber dem Magazin immer wieder ausfällig. Später, als das „Spiegel“-Team bei der Polizei steht, behauptet er, niemanden bedrängt zu haben. Das Nachrichtenmagazin wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion nicht zu den Geschehnissen äußern. Die Polizei bestätigte, dass zwei Teams des „Spiegel“ bei dem Familienfest anwesend waren. Die Beamten seien mehrfach mit ihnen in Kontakt getreten. Strafrechtliche Ansprüche wurden aber nicht gestellt.

In den sozialen Medien sorgte der Ausschnitt für Stirnrunzeln. „Man kann, darf, soll Journalisten und Medien kritisieren“, kommentierte etwa der Journalist Hasnain Kazim den Beitrag auf X. „Aber wenn man das so tut und wenn solche Typen glauben, sie seien ‚das deutsche Volk‘, ist dieses Land im Eimer.“ Der ehemalige Ministerpräsident von Thüringen, Bodo Ramelow, repostete diesen Beitrag.