Als die islamistischen Taliban am 15. August die afghanische Hauptstadt Kabul handstreichartig einnehmen, hält die Welt den Atem an. Der 20-jährige Versuch der USA und ihrer Verbündeten, am Hindukusch eine Demokratie westlicher Prägung zu installieren, endet in einem Desaster. Es hatte sich bereits Jahre zuvor angekündigt, dass dieses Experiment zum Scheitern verurteilt sein würde.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban hat sich die Welt mit ihrer Regierung arrangiert. Russland hat sie anerkannt, mit Ländern wie China, Indien, Katar oder der Türkei gibt es enge wirtschaftliche und politische Verbindungen. Deutschland kooperiert mit den Taliban, um afghanische Flüchtlinge in ihr Herkunftsland abschieben zu können.

Essen - Kommentarfoto Jan Jessen
Jan Jessen, Krisenreporter© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

In Afghanistan selbst ist die Situation zwiespältig. Einerseits hat sich die Sicherheitslage deutlich verbessert. Andererseits ist die humanitäre Lage katastrophal. Armut, Arbeitslosigkeit, Mangelernährung sowie Dürren und Fluten als Folgen des Klimawandels plagen die Bevölkerung. Mit dem Ausschluss von Frauen und Mädchen von höherer Bildung führen die Taliban das Land in eine gesellschaftspolitische Sackgasse.

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Die Lösung kann aber nicht darin bestehen, Afghanistan weiter Unterstützung zu verweigern – damit bestraft man Frauen, Kinder und Männer gleichermaßen. Die weltweit kritisierte radikale Diskriminierung des weiblichen Teils der Bevölkerung ist auch in den Reihen der Taliban umstritten. Es gibt Friktionen, und es wäre klug, jene Kräfte zu fördern, die deutlich gemacht haben, dass sie in der Frauen- und Mädchenfrage bereit zu pragmatischen Veränderungen sind.