Aus einem Öltanker, der im Juni vor der Küste von Oman gestrandet ist, tritt immer mehr Öl aus. Daraus könnte sich jetzt eine Umweltkatastrophe riesigen Ausmaßes entwickeln. Bei dem Schiff handelt es sich laut der Umweltorganisation Greenpeace um die „Caroline Bezengi“, die Teil der russischen Schattenflotte ist.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Am Sonntag, 2. August, betrug die Größe des Ölteppichs etwa 600 Quadratkilometer. Am folgenden Freitag konnten zwar keine neuen Daten ermittelt werden, allerdings geht die Organisation davon aus, dass er weiter wächst. Besonders problematisch: Die Verschmutzung betrifft eine marine Schutzzone. Das Meer vor der omanischen Provinz Dhofar ist Heimat von Korallenriffen, Meeresschildkröten und Meeressäugern, darunter der seltene arabische Buckelwal.
Ölleck: Tanker gehörte wohl zur russischen Schattenflotte
Die „Caroline Bezengi“ fährt laut Greenpeace seit Mai ohne Flagge und ist damit offiziell keinem Land zuzuordnen. Zuvor war sie in Kamerun registriert. Sie soll aber zur russischen Schattenflotte gehören, einer Gruppe alter, unversicherter Öltanker, die genutzt werden, um Sanktionen zu entgehen. Nina Noelle, Expertin für Umweltkrisen bei Greenpeace, sagt: „Die ‚Caroline Bezengi‘ ist 25 Jahre alt. Wir prangern schon seit zwei Jahren an, dass die Schiffe der Schattenflotte ein Umweltrisiko darstellen.“
Der 270 Meter lange Tanker steht unter EU-Sanktionen und soll im russischen Hafen Noworossijsk Rohöl geladen haben. Das geht aus Auswertungen des Geodaten-Unternehmens Synmax hervor. Sein Ziel soll Indien gewesen sein. Seit Juni sendet er keine Standortdaten mehr.
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Die Suche nach dem Eigentümer des Schiffes führt zu einer Shanghaier Briefkastenfirma mit einer Postbox auf den Marshallinseln. „Der Oman hat dem Eigentümer ein Ultimatum von 24 Stunden gestellt, doch es blieb unbeantwortet. Da das Schiff außerdem unversichert ist, werden wahrscheinlich der Oman und seine Bürger auf der Verantwortung sitzen bleiben“, erklärt Greenpeace-Expertin Noelle.
Umweltkatastrophe betrifft Meeresschutzgebiet
Der Tanker liegt vor der unbewohnten Insel Al Qibliyah auf Grund. Sie gehört zum Hallaniyah-Archipel, einer beliebten Tourismusregion mit unberührten Stränden und zerklüfteten Küsten. Normalerweise gibt es dort einen regen Tauchbetrieb, der bereits wegen der Verschmutzung eingestellt werden musste. Die Küstenregion wird von Meeresschildkröten zum Ablegen ihrer Eier genutzt und ist Heimat vieler seltener Seevögel.
Das austretende Öl könnte die Regionen eine lange Zeit belasten. „Überreste des Öls können sich im Sediment absetzen, teilweise dauert es Jahre bis Jahrzehnte, bis es wieder verschwindet“, sagt Nina Noelle. Das Öl hat sich bereits um die gesamte Insel ausgebreitet und zieht durch die Strömung weiter ins Meer hinaus. „Der Oman muss Barrieren installieren, um die Verschmutzung einzudämmen“, so Noelle.
Havarierter Öltanker droht zu zerbrechen
Bis vor kurzem hatten omanische Behörden überlegt, das Öl aus dem Schiff durch eine Pipeline in ein anderes Schiff abzupumpen. Das wurde jedoch laut Noelle aus Sicherheitsbedenken verworfen. „Dafür müssten Personen auf das Schiff. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass das Schiff auseinanderzubrechen scheint.“ Daher fordert Greenpeace, dass der Oman eine neue Einschätzung der Gesamtlage vornimmt.
110.000 Tonnen Rohöl soll die „Caroline Bezengi“ geladen haben – und damit fast die dreifache Menge des Öls, das bei der Havarie der „Exxon Valdez“ vor Alaska 1989 ins Meer gelangte. Damals waren die ökologischen Folgen verheerend. Hunderttausende Tiere verendeten, noch viele Jahre später wurden Rückstände des Öls in Seevögeln gefunden.
Wieso der Tanker auf Grund gelaufen ist, ist derzeit noch unklar. Die Nachrichtenagentur AP berichtete, Besatzungsmitglieder hätten eine Explosion an Bord gemeldet. Bestätigt worden sei diese Meldung aber nicht. Auch Greenpeace geht von einer Explosion aus. Dabei sollen alle Tanks betroffen sein. Man wolle sich jedoch nicht an Spekulationen beteiligen, heißt es von der Umweltorganisation.
mit dpa



![DIESES FOTO WIRD VON DER RUSSISCHEN STAATSAGENTUR TASS ZUR VERFÜGUNG GESTELLT. [RUSSIA, LUGANSK PEOPLE'S REPUBLIC - JULY 29, 2026: A serviceman from the military commandants office of the Lugansk People's Republic performs an air defence duty to protect the airspace of the Lugansk People's Republic. Alexander Reka/TASS] Air defence in Lugansk People's Republic, Russia](https://img.sparknews.funkemedien.de/412741926/412741926_1785999935_v16_9_1200.jpeg)



