Liebe Leserin, lieber Leser,

die Nato ist das Verteidigungsbündnis der Superlative. Es hat die meisten Soldaten, die meisten Waffensysteme, die stärkste Kampfkraft, es ist demokratisch legitimiert und das Schutzschild großer und kleiner, alter und junger Nationen. Kurzum: Die Nato ist etwas, worauf die freie Welt stolz sein kann, und daher ist der morgen beginnende Nato-Gipfel in Ankara so wichtig.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die Idee und der Kern der Nato müssen bewahrt werden und die USA als stärkster Partner werden dabei gebraucht – ohne sie stürzt das Bündnis in die größte Krise seit seiner Gründung im Jahr 1949.

Mit Friedrich Merz hat Deutschland einen Kanzler, der politisch ein Garant für das Bündnis ist. Als überzeugter „Atlantiker“ hat Merz bislang jede Schwächung der Nato politisch bekämpft und als ehemaliger Fahnenjunker auch eine persönliche Geschichte zum Thema Streitkräfte. Fahnenjunker ist übrigens ein Dienstgrad in der Bundeswehr für Unteroffiziere, die eine Offizierslaufbahn anstreben.

Merz ist neben Helmut Schmidt der einzige Kanzler, der in der Bundeswehr gedient hat. Sein Mitflug im „Eurofighter“ während des Wahlkampfs wurde als Steuerverschwendung kritisiert, aber für den Kanzler war es das nicht zu unterschätzende Signal an die Truppe: „Ich bin einer von Euch!“.

Der Elefant im Raum ist morgen mal wieder Donald Trump, der die Nato schon als „überflüssig“ bzw. als „Papiertiger“ geschmäht hat. Im Wahlkampf 2024 drohte Trump den – aus seiner Sicht – nicht ausreichend zahlungsbereiten Nato-Mitgliedern mit Beistandsentzug. Er würde Russland dann sogar empfehlen, „zu tun, was auch immer zur Hölle sie tun wollen“.

Biden Allies
Ex-Nato Chef Jens Stoltenberg und US-Präsident Donald Trump beim Nato-Gipfel 2019© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Francisco Seco

Vor diesem Hintergrund ist es keine leichte Aufgabe für Friedrich Merz und die Vernünftigen in der Nato, das Militärbündnis sicher durch den Gipfel zu bringen. Mein Kollege Christian Kerl hat die Memoiren von Ex-Nato-Chef Stoltenberg für Sie gelesen und ein spannendes Stück zum Gipfel-Auftakt geschrieben.

203 Milliarden Euro Schulden

German Chancellor Merz meets state premiers of the German federal state governments
Finanzminister Lars Klingbeil überrascht mit Schuldenplänen© EPA | Clemens Bilan

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat heute den Haushaltsentwurf von 2027 eingebracht und überrascht mit noch mehr Schulden, als ohnehin geplant waren. Über 203 Milliarden Euro Schulden will die Bundesregierung machen, weil weder Sparen noch „weniger Staat“ genug gebracht haben.

Immerhin stehen die Chancen diesmal besser, dass der Haushalt auch vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand hat. Wir erinnern uns: Das Karlsruher Urteil von 2023 war der letzte Sargnagel für die Ampel unter Olaf Scholz. Ist das Schuldenmachen unverantwortlich oder okay? Lesen Sie dazu meinen Kommentar.

Obwohl Schwarz-Rot viele neue Schulden macht, werden auch Sparmaßnahmen durchgesetzt, die Bürgerinnen und Bürger spüren werden. Dazu zählen Kürzungen beim Elterngeld oder beim Wohngeld.

Das trifft junge Familien oder Menschen mit geringem Einkommen, darunter Alleinerziehende und Rentner. Gutverdiener müssen sich darauf einstellen, dass der Staat den Einbau einer Wärmepumpe in ihrem Heizungskeller künftiger weniger stark unterstützt als bisher.

Und auch für Freunde klassischer Genussmittel gibt es schlechte Nachrichten: Wer am Feierabend gerne eine Zigarette raucht und den Tag mit einem Korn herunterspült, muss beides künftig teurer bezahlen. Denn Lars Klingbeil will sowohl die Alkohol- als auch die Tabaksteuer anheben, damit es in seiner Kasse klingelt. Meine Kollegen Dominik Bath, Jan Dörner und Theresa Martus haben alle geplanten Maßnahmen und ihre Wirkungen auf die Bürger untersucht. 

Nächster Halt, Lebensgefahr!

Busse in Cherson
Wenn Maksym im ukrainischen Cherson Bus fährt, trägt er eine schusssichere Weste © FUNKE Foto Services | André Hirtz

Wer sich auch im vierten Kriegsjahr noch leidenschaftlich für die Unterstützung der überfallenen Ukraine einsetzt, hat es nicht leicht. Die Populisten in Deutschland machen gegen diese Hilfe Stimmung – ganz vorne mit dabei sind AfD und Linke. Es war die frisch wiedergewählte AfD-Chefin Alice Weidel, die noch im vergangenen Jahr behauptete: „Dieser Krieg ist für die Ukraine verloren“.

Jetzt steht Russland unter Druck und gleichzeitig brauchen die Menschen in der Ukraine weiter unsere Hilfe. Mit einer Bombenwelle gegen die Zivilbevölkerung will Wladimir Putin derzeit Fakten schaffen, auch in der vergangenen Nacht starben dabei Menschen.

Unser Reporter Jan Jessen ist mit dem Fotografen André Hirtz im umkämpften Cherson unterwegs gewesen und fuhr mit der gefährlichsten Buslinie der Welt, in der der Fahrer schusssichere Weste trägt und Madonnenbilder den Passagieren Glück bringen sollen. Lesen Sie hier seine Reportage aus dem harten Alltag der Ukrainer.

Jörg Quoos.
Jörg Quoos.

Exklusive Einblicke: Hinter den Kulissen der Politik

Sie interessieren sich für politische Hintergründe und wollen wissen, was in der Hauptstadt hinter verschlossenen Türen passiert? Dann ist der Newsletter „Hauptstadt Inside“ von Jörg Quoos, dem Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion, genau das Richtige für Sie. Dreimal pro Woche fasst er zusammen, was Sie wissen müssen – und ordnet die Geschehnisse ein. Hier können Sie sich anmelden.

FIFA-Präsident – Anruf genügt

Hätte Friedrich Merz nach der Schlappe gegen die brutalen Rumpelfüßler von Paraguay bei FIFA-Boss Infantino anrufen sollen, um die umstrittene Entscheidung des marokkanischen Schiedsrichters Jalal Jayed gegen das DFB-Team einfach wieder einzusammeln? Das wäre eine gute Idee gewesen, denn Infantino spurt, wenn wichtige Politiker bei ihm anrufen.

Seit heute Nachmittag ist amtlich: Donald Trump rief tatsächlich den FIFA-Präsidenten an und der Verband nahm die Rot-Sperre gegen US-Stürmer Folarin Balogun zurück. Trump gab im Weißen Haus vor Medienvertretern offen zu: „Ich habe lediglich um eine Überprüfung gebeten, weil ich nicht glaube, dass es ein Foul war.“

Der Vorgang ist einmalig und alle echten Fußballfans auf diesem Planeten fragen sich, wie ein derart rückgratloser Funktionär noch im Amt bleiben kann. Mein Kollege Andreas Berten von der WAZ hat dazu eine klare Meinung und spricht sicher nicht nur mir aus der Seele.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche und Gianni Infantino in die Fußball-Hölle,

herzlich, Ihr

Jörg Quoos
Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Sie haben Kritik oder Anmerkungen? Schreiben Sie mir gerne eine Nachricht.

Wie gefällt Ihnen dieser Newsletter? 👉 Jetzt an unserer kurzen Umfrage teilnehmen!