Harte Männlichkeit und Kampfsport, Hass auf Schwule, Ausländer und Linke. Hinzu kommen Freizeitangebote, Action – und Gewalt. Mit diesem Cocktail rekrutiert die wachsende rechtsextreme Szene in Deutschland ihren Nachwuchs. Und der wird immer jünger. Der Verfassungsschutz zeichnet in seinem neuen Jahresbericht erstmals in einem eigenen Kapitel nach, wie Rechtsextreme gezielt auf Jugendliche und Kinder zugehen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der Rechtsextremismus bleibe „die größte Bedrohung für unsere freiheitliche demokratische Grundordnung“, warnt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Dem neuen Verfassungsschutzbericht zufolge ist das rechtsextremistische Personenpotenzial 2025 um mehr als 8000 Personen gewachsen auf 59.850 Personen.

„Besonders beunruhigend ist der Trend zur Verjüngung, Vernetzung und Aktionsorientierung der Szene“, warnt Dobrindt. Besonders im Bereich des gewaltorientierten Rechtsextremismus habe sich der Trend zu immer jüngeren Akteuren, die zum Teil noch minderjährig sind, fortgesetzt, schreiben die Verfassungsschützer in ihrem Bericht. Dies gelte zum einen für solche Personen, die sich in internationalen Chatgruppen der „Attentäter-Fanszene“ bewegten, aber auch für Angehörige neuer aktionsorientierter Jugendgruppen.

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Rechtsextreme sprechen gezielt Kinder und Jugendliche an: Hass auf LSBTIQ-Community

„Deren Anhänger weisen in der Regel kein geschlossenes rechtsextremistisches Weltbild auf, zeigen jedoch eine ausgeprägte Gewaltaffinität“, heißt es im Verfassungsschutzbericht. Diese Personen seien „stark aktions- und gewaltorientiert“. Erklärte Gegner sind demnach politische Gegner sowie homosexuelle und bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche sowie queere Menschen (LSBTIQ).

Ausdrücklich warnen die Verfassungsschützer: „Die Gewaltorientierung dieser Akteure kann bis zu Ansätzen von Rechtsterrorismus führen.“ Verwiesen wird auf die Gruppe „Letzte Verteidigungswelle“, gegen die der Staat im vergangenen Jahr wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in oder Unterstützung von einer terroristischen Vereinigung vorging.

„Dem Trend zur Verjüngung im aktionsorientierten Rechtsextremismus folgend, fokussieren sich unterschiedliche Organisationen vermehrt auf eine Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen“, analysieren die Verfassungsschützer weiter. Sie beobachteten im vergangenen Jahr, dass vor allem die Jugendorganisationen „Junge Nationalisten“ (JN) der Partei „Die Heimat“ und die „Nationalrevolutionäre Jugend“ (NRJ) der Partei „Der III. Weg“ durch „intensive Kampagnen in den sozialen Medien um Nachwuchs“ werben. Demnach wollen sie Jugendliche für „niedrigschwellige Aktionen wie Demonstrationen, gemeinsame Abende und andere Freizeitaktivitäten“ gewinnen.

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Rechtsextreme propagieren traditionelle Geschlechterrollen und Männlichkeitsbilder

„Mit ihrer auf Ordnung, Überlegenheit und Gemeinschaft abzielenden Ideologie bieten rechtsextremistische Gruppierungen vermeintliche Hilfe bei Krisenbewältigung, Identitätsausbildung sowie der Suche nach Struktur und Zusammenhalt“, analysieren die Verfassungsschützer.

„Dem Thema der Geschlechtsidentität kommt dabei aktuell besondere Bedeutung zu.“ Im Zentrum der Rechtsextremen stand demnach „die Agitation gegen die LSBTIQ-Community, die Auseinandersetzung mit Männlichkeitsvorstellungen und eine Fokussierung auf traditionelle Geschlechterrollen sowie der mit bestimmten Männlichkeitsbildern aufgeladene Kampfsport“.

Zahl der rechtsextremen Gewaltdelikte gestiegen

Der neue Verfassungsschutzbericht enthält erstmals einen eigenen Abschnitt zur gezielten Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen, das ist für Innenminister Dobrindt ein „Beleg dafür, wie systematisch die rechtsextremistische Szene an der Radikalisierung der nächsten Generation arbeitet“.

Die Zahl der Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund lag demnach 2025 weiterhin auf einem „hohen Niveau“. Es wurden 36.951 Taten erfasst, das sind etwas weniger als im Vorjahr mit 37.835 Taten. Die Zahl der Gewaltdelikte stieg allerdings von 1281 Taten im Jahr 2024 um knapp neun Prozent auf 1395 Taten an. In beiden Jahren zählten dazu sechs versuchte Tötungsdelikte.

Grünen-Chef Banaszak: Müssen dringend Debatte über AfD-Verbotsverfahren führen

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Der neue Verfassungsschutzbericht unterstreicht Grünen-Chef Felix Banaszak zufolge die Dringlichkeit für ein AfD-Verbotsverfahren. „Das Gesamtbild ist so eindeutig wie alarmierend: Jedes dritte AfD-Mitglied steht laut Verfassungsschutz im Verdacht, rechtsextrem zu sein, dazu kommen fünf gesichert rechtsextreme Landesverbände, immer neue Anspielungen auf den Nationalsozialismus und führende Köpfe, die mit SA-Parolen und Hitlergruß-Skandalen Schlagzeilen machen“, sagte Banaszak dieser Redaktion. „Die AfD ist keine normale demokratische Partei, sie bedroht unsere freiheitlich demokratische Grundordnung und will damit die Grundregeln unseres Zusammenlebens rasieren.“

Die aktuellen Erkenntnisse des Verfassungsschutzes unterstrichen, „wie dringend wir die Debatte über die nächsten Schritte hin zu einem Verbotsverfahren führen müssen“, fügte der Grünen-Politiker hinzu. „Wer diese Entwicklung weiterhin verharmlost und die AfD allein ‚inhaltlich stellen‘ möchte, verschließt die Augen vor der Realität.“ Die AfD hat laut Verfassungsschutzbericht für 2025 inzwischen 70.000 Mitglieder, damit dürfte sich dem Bericht zufolge auch das rechtsextremistische Potenzial innerhalb der Partei vergrößert haben. Die Verfassungsschützer rechnen 28.000 AfD-Mitglieder dem rechtsextremistischen Bereich zu, das sind 8000 mehr als im Vorjahr.