Es ist ein Krisenherd, der angesichts der nicht enden wollenden Nachrichtenlage rund um Trumps Iran-Krieg zunehmend ins Hintertreffen gerät. Doch die Lage im Gazastreifen ist alles andere als befriedet. Nun plant Israels Premierminister Benjamin Netanjahu – neben der Front zum Libanon und dem Krieg im Iran – auch dort den militärischen Einsatz zu verstärken.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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In einer vom israelischen Fernsehsender Channel 12 übertragenen Konferenz sagte Netanjahu am Donnerstag: „Wir setzen die Hamas derzeit massiv unter Druck. Wir kontrollieren nun 60 Prozent des Gebiets im Gazastreifen. Wie Sie wissen, lagen wir bei 50 Prozent, sind nun auf 60 Prozent gestiegen. Mein Auftrag lautet, auf 70 Prozent zu kommen.“ Bereits Mitte Mai hatte Netanjahu gesagt, die israelischen Streitkräfte kontrollierten 60 Prozent des Palästinensergebiets. Bereits in den Wochen zuvor hatten Medien von einem weiteren Vorrücken der Armee berichtet.

Auf den Zwischenruf eines Zuhörers, Israel solle 100 Prozent einnehmen, antwortete Netanjahu laut der Zeitung „Times of Israel“, man gehe „Schritt für Schritt“ vor – zuerst 70 Prozent, damit fange man an. Bei Inkrafttreten der von den USA vermittelten Waffenruhe im Oktober 2025 lag der israelische Kontrollbereich noch bei 53 Prozent der Fläche.

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Das Palästinensergebiet umfasst eine Fläche von rund 365 Quadratkilometern und ist damit in etwa so groß wie München oder Bremen. Israel und die islamistische Hamas werfen einander vor, die Waffenruhe zu verletzen. Die Hamas fordert einen vollständigen Abzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen. Sie weigert sich, einer überprüfbaren Entwaffnung zuzustimmen und einen zivilen Übergang in Gaza zu ermöglichen.

Nikolaj Mladenow, Hoher Vertreter des von US-Präsident Donald Trump eingesetzten Friedensrats für Gaza, warnte am vergangenen Donnerstag vor dem UN-Sicherheitsrat in New York, ohne eine Entwaffnung der Hamas und angesichts der anhaltenden Verletzungen der Waffenruhe drohe der „sich verschlechternde Zustand“ im Gazastreifen dauerhaft zu werden. Eine Finanzierung für den Wiederaufbau werde nicht kommen, solange die Waffen nicht niedergelegt seien.

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Die Hamas und ihre Verbündeten hatten mit ihrem Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 den Krieg im Gazastreifen ausgelöst. Bei Massakern an dem Tag töteten die Islamisten 1221 Menschen, 251 Opfer verschleppten sie als Geiseln. Israel startete daraufhin eine Militäroffensive im Gazastreifen. In den zwei sich anschließenden Kriegsjahren wurden nach nicht überprüfbaren Hamas-Angaben mehr als 70.000 Palästinenser getötet. 

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Eine maßgeblich von den USA vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas ist seit Oktober 2025 in Kraft. Gemäß der Einigung sollten sich die israelischen Streitkräfte hinter eine sogenannte Gelbe Linie im Gazastreifen zurückziehen – was ihnen weiterhin die Kontrolle über mehr als 50 Prozent des von der Hamas beherrschten Küstengebiets ermöglicht.

daw mit dpa/afp