Der Waffenstillstand im Iran-Krieg lebt vorerst weiter, aber er atmet einigermaßen schwer. Die USA haben in der Nacht zu Dienstag mit Prokura von Präsident Donald Trump wieder zugeschlagen – begrenzt, gezielt, offiziell „zur Selbstverteidigung“. Es ist nicht die große Rückkehr zum Krieg. Aber es ist auch kein Frieden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom galten die Angriffe Zielen im Süden Irans: Booten, die nach amerikanischer Darstellung Minen legen wollten, sowie Raketenstellungen. Centcom-Sprecher Tim Hawkins erklärte, die Schläge sollten „unsere Truppen vor Bedrohungen durch iranische Kräfte schützen“. Zugleich versicherte er, die USA verteidigten ihre Kräfte „unter Zurückhaltung während des laufenden Waffenstillstands“.

Der militärische Zweck ist klar: Washington will Iran zeigen, dass der Waffenstillstand keine freie Hand in der Straße von Hormus bedeutet. Außenminister Marco Rubio sagte, die Meerenge müsse offen bleiben, „auf die eine oder andere Weise“. Die Botschaft an Teheran lautet: Verhandeln ja, Minen, Raketen und Druck auf die Ölrouten nein.

Trump dämpft Hoffnung auf schnellen Iran-Deal

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    Politisch versucht Trump damit den Spagat, der seine Iran-Politik prägt. Er will als Friedensmacher auftreten, ohne wie ein Präsident zu wirken, der unter Druck nachgibt. Auf seinem Kommunikationsportal Truth Social schrieb er, die Gespräche mit Iran liefen „gut“, warnte aber zugleich: Es werde „nur einen großartigen Deal für alle geben – oder gar keinen Deal“. Hört sich wie Diplomatie mit gezücktem Revolver an.

    Dass die Kämpfe nun voll wieder losgehen, halten Regierungsinsider für „unwahrscheinlich“. Noch deutet mehr auf kontrollierte Eskalation. Rubio sprach davon, ein Abkommen könne „ein paar Tage“ brauchen. Auf dem Tisch liegt nach US-Darstellung ein Rahmen über Hormus, Irans hochangereichertes Uran und eingefrorene iranische Gelder. Teheran bremst: Ein Abkommen stehe nicht unmittelbar bevor; Atomfragen würden erst nach einem Rahmenabkommen verhandelt.

    Gefährlicher scheint die zweite Front im Libanon zu sein. Israels Premier Benjamin Netanjahu kündigte an, die Angriffe auf die dort ansässige und vom Iran alimentierte Terrororganisation Hisbollah zu verstärken. Israel nehme „den Fuß nicht vom Gas“, sondern trete „noch stärker aufs Pedal“, so Netanjahu. Ein US-Vertreter stellte sich hinter Israel: Niemand könne erwarten, dass Israel Angriffe auf Soldaten und Zivilisten „passiv hinnimmt“.

    Israel bombardiert weiter die Hisbollah im Libanon. Auch das erschwert ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran.
    Israel bombardiert weiter die Hisbollah im Libanon. Auch das erschwert ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran.© AFP | -

    Damit wächst der Druck auf Iran doppelt: von den USA in der Straße von Hormus, von Israel über die Hisbollah. Ob das Teheran zu Zugeständnissen bringt, ist aus Sicht von Iran-Experten wie dem Israeli Danny Citrinowicz fraglich. Andere sagen: Es kann wirken, wenn Irans Führung den wirtschaftlichen Schmerz und das Risiko einer Ausweitung fürchtet. Es könne aber auch das Gegenteil bewirken: mehr Trotz, mehr Minen, mehr Drohnen, mehr Stellvertreterkrieg.

    Trump setzt auf Zwangsdiplomatie. Er bombardiert nicht großflächig, sondern punktuell. Er will die Verhandlungen nicht sprengen, sondern beschleunigen. Im Nahen Osten ist begrenzte Gewalt aber selten so begrenzt, wie ihre Urheber hoffen. Ein Fehler – und aus dem Waffenstillstand wird wieder Krieg.