Russland hat nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erneut die wegen ihrer Zerstörungskraft gefürchtete Mittelstreckenrakete Oreschnik eingesetzt – erstmals nahe Kiew, der Hauptstadt der Ukraine. Kremlchef Wladimir Putin habe die Rakete gegen Bila Zerkwa abgefeuert, sagte Selenskyj in einer am Morgen in Kiew veröffentlichten Videobotschaft. Die Großstadt liegt im Kiewer Gebiet. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die auch in Belarus von Moskau stationierte Oreschnik-Rakete (auf Deutsch: Haselstrauch) kann sowohl konventionelle als auch atomare Sprengköpfe tragen. Ihre extrem hohe Geschwindigkeit von bis zu 12.000 Kilometer pro Stunde und ihre Reichweite von bis zu 5000 Kilometer machen sie zu einer potenziellen Gefahr für den gesamten europäischen Kontinent.

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Ukraine-Krieg: Selenskyj nennt Einsatz von Oreschnik-Rakete „unverantwortlich“

„Das ist wirklich unverantwortlich. Es ist wichtig, dass dies für Russland nicht ohne Folgen bleibt“, sagte Selenskyj. Zu Schäden in Bila Zerkwa machte er keine Angaben. Es war demnach bereits der dritte Einsatz der Waffe in dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Zuvor hatte die ukrainische Flugabwehr von einem kombinierten Angriff mit 600 Drohnen, 90 Raketen und Marschflugkörpern gesprochen. In der Auflistung der ballistischen Raketen war Oreschnik zunächst nicht aufgeführt. Unterdessen hat Russland am Sonntag den Einsatz der wegen ihrer Zerstörungskraft besonders gefürchteten Mittelstreckenrakete bestätigt. Es handle sich um eine Antwort auf die „terroristischen Angriffe“ der Ukraine auf zivile Objekte in Russland, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit.

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Massive Angriffe auf Kiew: Mehrere Tote und Verletzte – vor allem Kinder

Bei den massiven russischen Angriffen mit Kampfdrohnen und Raketen sind in der ukrainischen Hauptstadt Kiew laut Behörden mindestens zwei Menschen getötet worden. Es gab auch mindestens 56 Verletzte – 30 von ihnen, darunter zwei Kinder, werden in Krankenhäusern behandelt, wie Bürgermeister Vitali Klitschko am Morgen bei Telegram mitteilte. Einsatzkräfte seien dabei, die Trümmer getroffener Wohnhäuser und Schäden zu beseitigen. 

Der Zivilschutz veröffentlichte Fotos und Videos von massiven Zerstörungen an ziviler Infrastruktur und von großen Bränden, die Einsatzkräfte löschten. Die ganze Nacht über und am Morgen hatte es Luftalarm und Berichte über Explosionen in verschiedenen Teilen der Hauptstadt gegeben. Auch die Umgebung Kiews und andere Regionen waren betroffen von den Angriffen.

Auch das Fernsehstudio der ARD-Korrespondenten ist nach Angaben des WDR massiv beschädigt worden. Wahrscheinlich habe eine Druckwelle durch die russischen Angriffe in dem zentral gelegenen Studio zu Verwüstungen geführt. Es seien Fenster zersplittert, Räume verwüstet und Wände eingestürzt, hieß es in einer in Köln veröffentlichten Mitteilung des WDR. Zum Zeitpunkt der Attacken habe sich niemand in dem Studio aufgehalten.

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Russland hatte diesen Schlag als Vergeltung angedroht nach dem ukrainischen Angriff auf eine Berufsschule in dem von Moskau besetzten Gebiet Luhansk. Dabei waren am Freitag 21 Studentinnen und Studenten getötet und Dutzende weitere verletzt worden.

Scharfe Kritik aus dem Ausland – Brantner fordert Friedensinitiative

Grünen-Chefin Franziska Brantner forderte angesichts der Ereignisse eine europäische Friedensinitiative für die Ukraine. „Deutschland muss gemeinsam mit Frankreich, Großbritannien, Polen und unseren weiteren europäischen Partnern ein verlässliches Verhandlungsformat aufbauen“, sagte sie dieser Reaktion. „Wir brauchen eine europäische Kontaktgruppe, die Gesprächskanäle offenhält, Vorschläge erarbeitet und in enger Abstimmung mit der ukrainischen Regierung handelt.“

Wenn die USA sich vorerst aus der Vermittlerrolle zurückzögen, müsse Europa jetzt die diplomatische Leerstelle füllen. „Das ist mehr als eine Notlösung – es ist eine historische Verantwortung“, sagte Brantner. „Europa darf diese Rolle nicht zögerlich übernehmen, sondern muss sie aktiv gestalten.“

Grünen-Chefin Brantner
Grünen-Chefin Franziska Brantner.© Bernd von Jutrczenka/dpa | Bernd von Jutrczenka

Parallel zur diplomatischen Initiative müsse Europa „den Druck auf Moskau weiter erhöhen: mit weiteren Sanktionen, mit härteren Maßnahmen gegen die russische Schattenflotte und mit der Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte zur Unterstützung der Ukraine“, forderte Brantner. „Und wir müssen die politische, wirtschaftliche und militärische Unterstützung der Ukraine entschlossen ausbauen.“ Die Europäer dürften nicht Zuschauer bleiben, wenn Russland versuche, seine Kriegsziele mit Terror gegen die Zivilbevölkerung durchzusetzen, mahnte die Grünen-Chefin. 

Bundeskanzler Friedrich Merz fand angesichts der massiven russischen Angriffe scharfe Worte. „Die Bundesregierung verurteilt diese rücksichtslose Eskalation scharf. Deutschland steht weiter fest an der Seite der Ukraine“, schrieb der CDU-Politiker auf der Plattform X mit Blick auf den Einsatz der neuen Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik.

Der kanadische Premierminister Mark Carney verurteilte bei X die russischen Attacken gegen zivile Ziele. „Wir fordern Russland auf, diese Angriffe unverzüglich einzustellen und diesen illegalen Angriffskrieg zu beenden. Sie verlängern das Leid der Menschen und ändern nichts an der Tatsache, dass Russland diesen Krieg verlieren wird“, teilte Carney mit. Kanada arbeite weiter mit internationalen Partnern zusammen für einen gerechten und dauerhaften Frieden in der Ukraine und Europa.

gau, viv mit afp/dpa