Liebe Leserin, lieber Leser,

in dieser Woche bin ich ein paarmal in Frühlingssachen losmarschiert und habe furchtbar gefroren. Ich geriet in Hagel, heftigen Regen und Windböen, doch immer wieder wärmte mich auch die starke Sonne des späten Frühlings. Das passt zu meinem derzeitigen Gemüt. Diese verhakte geopolitische Weltlage, diese Betonmentalität in den Köpfen unserer Regierungsmitglieder, die dazu führt, dass ein Koalitionsgipfel, bei dem kaum etwas beschlossen wird, als Erfolg gefeiert wird. Und doch sind da die kleinen Geschichten, die meine Stimmung aufhellen.

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Oase des Friedens: Wäre doch dieses Dorf Vorbild für den Nahen Osten

Etwa die von einem Dorf in der Mitte Israels mit dem hebräisch-arabischen Doppelnamen „Neve Shalom – Wahat al-Salam“, was übersetzt „Oase des Friedens“ heißt. Dort leben in einer Genossenschaft israelische und palästinensische Bürger gleichberechtigt zusammen. Die Familien leben ihren Alltag, die Kinder teilen sich den Klassenraum, wachsen zweisprachig mit Hebräisch und Arabisch auf, lernen die Geschichte aus der jeweiligen anderen Perspektive.

JWN-FTR-NeveShalom - 18 Mar 2025
Oase des Friedens: Die Kinder werden in Neve Shalom – Wahat Al Salam auf Hebräisch und Arabisch unterrichtet. © ANL/Shutterstock | ANL/Shutterstock

Das Prinzip dabei: Jeder muss bereit sein, den Schmerz der anderen als Teil der eigenen Landesgeschichte anzuerkennen, schreibt mein Kollege Ahmad Shihabi, der sich in der Region bestens auskennt. Tatsächlich haben die Menschen auch eine gemeinsame Grundlage: das Leid, die Angst, die existenzielle Bedrohung. Was zeigt: Es bringt etwas, wenn sich Menschen zusammenraufen.

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Birgitta Stauber, Textchefin© Montage | FMG/Reto Klar/FFS

Justizministerin Hubig macht Ernst mit ihrem Kampf gegen häusliche Gewalt

Lichtblicke in diesen rauen Zeiten gibt es auch in Deutschland, sogar in der ausgebuhten Bundesregierung. Denn so sehr die Koalition um Steuerentlastung, Renten- und Gesundheitsreform ringt: Geht es um Prävention häuslicher Gewalt, zeigt sich Bewegung. So plant das Justizministerium von Stefanie Hubig (SPD), dass gewalttätige Väter ihr Umgangsrecht mit dem Kind verlieren können.

Bisher ist es so, dass Mütter, die sich aufgrund von häuslicher Gewalt getrennt haben, trotzdem ihr Kind an den Ex-Partner übergeben müssen. Juristinnen wie Christina Clemm fordern schon lange, diesen Vorrang des Umgangsrechts abzuschaffen. Sie vertritt Frauen, die von Gewalt betroffen sind, vor Gericht. Jan Dörner erklärt, was sich künftig ändern soll.

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Gezerre ums Kind: Wenn ein Elternteil gewalttätig ist, soll das Umgangsrecht entzogen werden können. © Getty Images/iStockphoto | AlexLinch

Es ist doch eine simple Erkenntnis, die dahintersteckt: Wer die Mutter seines Kindes psychisch oder physisch misshandelt, kann kein guter Vater sein – selbst wenn das Kind nicht von Gewalt betroffen ist. Denn wie soll es in einer toxischen Familienatmosphäre gesund aufwachsen?

An dieser Stelle möchte ich noch mal klarstellen: Natürlich geht häusliche Gewalt nicht nur von Männern aus. Aber eben sehr oft, das belegen die amtliche Kriminalstatistik wie auch die Dunkelfeldstudie des BKA. Und weil die Zahlen zu häuslicher Gewalt sind, wie sie sind – ziemlich hoch –, ist es ein relevantes gesellschaftliches Problem, das nun die Politik anfasst. Dazu gehört auch die geplante Fußfessel, mit der Täter künftig rechnen müssen. Denn die führt dazu, dass Frauen gewarnt werden können, wenn sich der gewalttätige Ex nähert. Wie gut das funktioniert, macht Spanien vor. Dort ist bislang keine Frau, die ein Warngerät bei sich trug, einem Femizid zum Opfer gefallen. Geht doch, kann ich da nur sagen.

Eine Ikone für die Freiheitsbewegung im Iran: Narges Mohammadi

Auf der Suche nach weiteren Lichtblicken bin ich auf Narges Mohammadi gestoßen. Die Friedensnobelpreisträgerin ist die Ikone der iranischen Freiheitsbewegung. Seit Jahrzehnten sitzt sie immer wieder im Gefängnis, mit der Folge, dass sie durch ihre Haftbedingungen schwer herzkrank ist. Vor einigen Monaten erlitt sie in einem Gefängnis in der iranischen Provinz einen Herzinfarkt und wurde erst Monate danach in ein Krankenhaus in der Nähe verlegt, wo sie sich nicht erholen konnte.

Nobelpreisträgerin Mohammadi
Seit Jahrzehnten immer wieder im Gefängnis: die iranische Freiheitskämpferin und Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi. © Narges Mohammadi Foundation/AP/dpa | Nooshin Jafari

Eine Wegbegleiterin von ihr ist Mariam Claren, deren Mutter viele Jahre lang im Teheraner Evin-Gefängnis die Zelle mit der Friedensnobelpreisträgerin teilte. Claren und andere Menschenrechtsaktivisten atmen derzeit ein wenig auf, denn Mohammadi wurde endlich in ein Teheraner Krankenhaus verlegt, wo sie von ihrem Ärzteteam behandelt wird. Ich habe mit ihr über die bemerkenswerte Persönlichkeit gesprochen: „Sie strahlt so eine positive Wut aus.“ Lesen Sie hier, warum die Friedensnobelpreisträgerin für die Opposition so wichtig ist und was der Grünen-Politiker Omid Nouripour von Deutschland und Europa erwartet.

Wie schön wäre es: ein eigener Parkplatz mit Wallbox und PV-Anlage für das E-Auto

Zurück zu Deutschland und unseren vergleichsweise kleinen Problemen, die sich um steigende Spritpreise und sonstige Inflation drehen. Ich muss es hier mal zugeben: Ich fahre wahnsinnig gern Auto. Aber leider finde ich weder abends in meinem Wohnviertel einen Parkplatz noch tagsüber in der Nähe der Redaktion. Also setze ich auf mein Deutschlandticket und zwänge mich in die volle U-Bahn (was im zunehmend verlotterten Berlin keinen Spaß macht), fahre auch bei Regenwetter Rad und, wenn es richtig warm ist, auch E-Moped. Am Wochenende dann genieße ich unser Auto, das wir unvernünftigerweise immer noch nicht abgeschafft haben. Wir fahren dann raus oder zum Einkaufen. Manchmal ertappe ich mich, wie ich die Fahrt ein wenig künstlich verlängere.

Wallbox fuer ein E-Auto an der Aussenfassade von einem Einfamilinehaus.
Für die große Freiheit: Die private Wallbox, angeschlossen an eine Photovoltaikanlage, betankt das E-Auto unabhängig von Energiekrisen. © picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON

Und dann stelle ich mir vor, wie es wäre, einen eigenen Parkplatz vor dem Haus zu haben. Mit Wallbox, die das E-Auto mit Strom betankt. Der wiederum von den Solarmodulen kommt. Was wäre das für eine herrliche Unabhängigkeit von Energiekrisen und Parkplatzsorgen?

Mein Kollege Günter Marks hat mal recherchiert, was Hausbesitzer brauchen, wenn sie sich meinen Traum erfüllen wollen, und wie sie dabei sogar richtig sparen können.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

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Apropos Energie: Wie die Wohnung geheizt wird, wie das Haus gedämmt ist, gewinnt auf dem Immobilienmarkt immer mehr an Bedeutung. Umso wichtiger ist der Energieausweis. Der verliert künftig die beste und die schlechteste Energieklasse, also A+ und H. Meine Kollegin Katharina Engeln erklärt, was dahintersteckt. Und dass es statt des alten Spruchs „Lage, Lage, Lage“ bei der Bewertung von Immobilien inzwischen heißt: „Lage, Lage, Energie“.

Noch so eine Meerenge, die den Welthandel durcheinanderbringen kann

Und noch was zur Energie: Nicht nur die Lieferung durch die Straße von Hormus ist bedroht, wie Nina Noire Kugler recherchierte, sondern auch die Meerenge, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet. Es ist die Straße von Bab al-Mandab; sie ist nur 27 Kilometer breit. Zehn Prozent des weltweit verschifften Öls und Unmengen anderer Waren gehen durch ihn hindurch. Ein Nadelöhr des Welthandels, das allerdings auf der jemenitischen Seite von den Huthi-Rebellen belagert wird, die wiederum neben Hamas und Hisbollah zu den Proxys gehören, die der Iran finanziert und fördert. Dementsprechend handeln sie im Auftrag des Mullah-Regimes. Nun drohen sie mit einer ähnlichen Blockade wie bei der Straße von Hormus. Die Auswirkungen für Deutschland wären erheblich, so eine Expertin des Münchner Ifo-Instituts.  Lesen Sie hier, welchen Umweg die Schiffe bei einer Huthi-Blockade nehmen müssten.

Französische Marineschiffe im Suezkanal
Flugzeugträger auf dem Weg zum Roten Meer. © AFP | HANDOUT

Hoffentlich ist Timmy endlich erlöst von dem ganzen Rummel um ihn herum

Und nun zum Dauerbrenner dieses Frühlings: Mit dem Wal Timmy ist es endlich zu Ende gegangen. Der Kadaver, der vor Dänemark gefunden wurde, ist der arme Buckelwal. Jetzt sagen Sie nicht, lieber Leser und liebe Leserin, Sie können es nicht mehr hören und lesen. Unsere Daten geben es her, dass kaum ein Thema mehr interessiert. Meiner Kollegin Marta Ways geht es wie mir. Angesichts des monatelangen Gezerres um Timmy ruft sie nun uns allen zu: „Wir sollten uns schämen!“

Ich schäme mich längst, obwohl mich der Rummel um den Buckelwal gehörig abschreckt. Aber ich verfolge auch die Wasserstandsmeldungen um Timmy, freilich mit der Hoffnung, es möge bald vorbei mit ihm sein. Künftig sollten wir es halten wie die Dänen, die gewohnt sind, dass vor ihrer Küste Wale verenden. Sie lassen sie einfach sterben. Ich verspreche hiermit: Ich werde hier zum letzten Mal den Wal Timmy erwähnen.  

An diesem Sonntag lenke ich mich mit dem Besten ab, was Berlin zu bieten hat: der Kultur. Ich hoffe, auch Sie haben etwas Schönes vor.

Wie immer wünsche ich Ihnen einen erholsamen Sonntag

Ihre Birgitta Stauber