Um 17.31 Uhr spricht Friedrich Merz seinen Amtseid. Es ist der 6. Mai 2025 und er ist am Ziel. Doch schon in diesem allerersten Moment seiner Kanzlerschaft ist klar: Es wird eng. Die Erwartungen sind groß, aber der Kredit ist klein. Union und SPD haben nur zwölf Stimmen Mehrheit. Im ersten Wahlgang hat es nicht gereicht, erst im zweiten bekommt Merz die nötige Mehrheit.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Jetzt, ein Jahr später, wirft die SPD dem Kanzler vor, im Streit den Vizekanzler anzubrüllen. Die Union ihrerseits ist empört über die verbale Abrissbirne, die die SPD zum 1. Mai schwingt. Die Umfragen sind im Keller und in der CDU wird darüber diskutiert, ob Merz die Vertrauensfrage stellen sollte.

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Reformen unter Druck: Die Regierung muss jetzt liefern

Die Zeit läuft ab: Merz und seine Leute haben versprochen, dass die drei großen Reformen – Gesundheit, Steuern und Rente – bis zum Sommer zumindest in Grundzügen auf den Gleisen sind. Sonst ist die nächste große Enttäuschungswelle absehbar.

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Julia Emmrich ist stellvertretende Ressortleiterin für Politik und Wirtschaft.© FMG | Anja Bleyl

Dahinter liegt noch ein anderes Problem: Selbst wenn es Union und SPD gelingen würde, trotz knapper Mehrheit die Kassenreform zu beschließen, sich auf eine Steuerreform zu einigen und einen Plan für die Zukunft der Rente zu entwickeln – selbst dann ist ungewiss, ob das einen Stimmungswandel erzeugen würde. Denn: Zwei der drei Reformen sind nicht dazu da, dass es besser wird, sondern nur, dass es nicht schlimmer wird. Und bei der Steuer zeichnet sich ab, dass die Entlastung deutlich kleiner ausfallen wird, als viele erhoffen. Alle Augen richten sich jetzt auf den Kanzler und seine Führungskraft. Ihm muss klar sein: Die kommenden zwei Monate entscheiden über die Zukunft seiner Koalition.