Am Abend des 23. Februar 2025, da hätte sie gern getanzt mit ihrem Ehemann. Vor Freude. Vor Erleichterung. Vor Stolz. Denn zu diesem Zeitpunkt stand Friedrich Merz als Wahlsieger fest – und damit als designierter Bundeskanzler. Doch im völlig überfüllten Konrad-Adenauer-Haus raubten Parteifunktionäre, Wahlhelfer und Medien dem Paar den Platz für einen beschwingten Wiener Walzer. Und Charlotte Merz musste sich vielleicht zum ersten Mal damit abfinden, dass die neue Aufgabe ihres Gatten mit persönlichen Einschränkungen verbunden ist.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Charlotte Merz jagt dem Scheinwerferlicht nicht hinterher. Die Funktion einer Kanzlergattin sei in der Verfassung nicht vorgesehen, sagte sie unserer Redaktion einmal. Schließlich sei nicht sie die First Lady, das sei die Ehefrau des Bundespräsidenten. Interviews gibt die 65-Jährige nicht mehr, seit Friedrich Merz Regierungschef ist. Im Wahlkampf war das noch anders: „Wir hatten ein sehr gutes Leben auch ohne Politik“, erklärte sie ein paar Wochen vor der Wahl im Gespräch mit unserer Redaktion. Und: „Ich kann gut mit mir selbst allein sein. Natürlich bin ich noch lieber mit meinem Mann zusammen. Aber man kann sich halt im Leben nicht immer alles aussuchen.“
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Selbstbestimmtes Beisammensein zum Beispiel. Bei Auslandsreisen oder dem Empfang von Staatsgästen begleitet die dreifache Mutter ihren Mann nur, wenn das Protokoll es erfordert. Sprich: ein offizielles Partnerprogramm vorgesehen ist. Deshalb flog sie mit in die Türkei; Gastgeber Erdogan hatte sich das gewünscht. Deshalb reiste sie zum G7-Gipfel nach Kanada, zur Amtseinführung des Papstes nach Rom und neulich zur Hannover-Messe: Luiz Inácio Lula da Silva, Präsident des Partnerlandes Brasilien, brachte seine Frau mit.
Charlotte Merz fährt weiter mit dem Fahrrad zur Arbeit
Wer Charlotte Merz kennt, weiß, dass sie nicht nur Begleitprogramm sein will. Sie gilt als selbstbewusst und meinungsstark. Sie ist sich bewusst, dass sie jetzt eine Person der Zeitgeschichte ist, und nimmt es hin, dass ihr Fahrradunfall mit Gehirnerschütterung im vergangenen Februar für die Medien ein großes Thema war. Beim CDU-Parteitag Anfang 2026 legte sie die Arme liebevoll um die Schultern ihres Mannes. „Ehepaar Herz“ titelte „Bild“.

Ihren Beruf als Direktorin des Arnsberger Amtsgerichts übt die Juristin nach wie vor aus; wenn möglich fährt sie weiterhin täglich mit dem Rad zum Job – ein bisschen Normalität muss sein. Gemeinsamer, störungsfreier Urlaub mit ihrem Mann ist seit einem Jahr nicht mehr drin, weil es immer mal wieder in der Koalition rappelt oder Donald Trump einen Krieg beginnt.
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Arbeitet der Kanzler in Berlin oder unterwegs, telefonieren die beiden jeden Abend. Dass es dabei allein um Privates geht, halten Freunde des Paares für ausgeschlossen: Charlotte Merz ist ein politisch denkender Mensch, im kleinen Kreis macht sie daraus auch keinen Hehl, wenn sie mitdiskutiert, die Politik des Kanzlers verteidigt, ihn ungerecht behandelt glaubt. Als Beraterin ihres Mannes möchte sie allerdings nicht bezeichnet werden, fest steht jedoch: Ihr Einfluss auf ihn ist nicht zu unterschätzen; nach 45 Jahren Ehe wäre alles andere wohl eine Überraschung. Vielleicht ist er sogar größer, als den offiziellen Beratern des Bundeskanzlers lieb ist.








