Liebe Leserin, lieber Leser,
US-Präsident Donald Trump lässt 5000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen, nachdem er sich über Kritik des Bundeskanzlers an seiner Kriegsführung im Iran geärgert hat. Friedrich Merz wiederum streut derweil, dass der Abzug der Soldaten ohnehin geplant war. So klang es auch bei seinem Auftritt bei Karen Miosga am Sonntagabend.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Am besten, der Kanzler sagt gar nichts mehr dazu, Donald Trump legt nämlich schon wieder nach. „Wir werden die Zahl noch deutlich stärker reduzieren, und zwar weit mehr als 5.000 US-Soldaten“, drohte der Präsident vor der Presse in Florida. Von langer Hand geplant, klingt anders.

Seit heute ist auch klar, dass die Soldaten auf CSU-Territorium abgezogen werden, was die Laune von Markus Söder nicht verbessern wird. Betroffen sind die „Rose Barracks“ im beschaulichen Vilseck in der eher strukturschwachen Oberpfalz, 50 Kilometer vor der tschechischen Grenze.
Hier gibt es ein Ausbildungszentrum und große Instandhaltungseinheiten der Amerikaner, die das leckere Bier und die preiswerten Mieten schätzen. Die kleine Stadt hat selbst nicht einmal 7000 Einwohner und die ganze Region wird unter dem Abzug leiden.

Ein Newsletter-Leser schrieb mir, man müsse doch die Wahrheit über Trump aussprechen dürfen. Damit hat er natürlich Recht, doch wenn Friedrich Merz alle Wahrheiten über Trump öffentlich ausspräche, wäre niemandem geholfen, aber der US-Präsident würde garantiert ALLE US-Soldaten aus Deutschland abziehen und wahrscheinlich sämtliche McDonald´s-Filialen noch dazu. Meine Kollegin Melanie Amann beschreibt in ihrem Kommentar sehr gut, was das Problem an der Kommunikation des Bundeskanzlers ist.
Wird Spahn für Merz zum Problem?

Jens Spahn hat aus seinen Ambitionen, Bundeskanzler zu werden, noch nie einen Hehl gemacht. Deshalb steht der 45-Jährige quasi permanent bei vielen Medienmenschen – aber auch bei Parteifreunden – unter Generalverdacht, dass er in Krisen den eigenen Vorteil sucht. Ende 2020 sondierte er streng vertraulich seine Chancen für eine Kanzlerkandidatur, die dann an Armin Laschet ging.
Jetzt ist Merz am Tiefpunkt seiner noch kurzen Kanzlerschaft und Spahn stellt sich als Fraktionschef zur Wahl.
In normalen Zeiten würde man ein gutes Ergebnis immer auch dem Parteichef gutschreiben. Aber wir haben politisch keine normalen Zeiten und deshalb würde ein besonders gutes Votum für Spahn für Aufmerksamkeit in der Union sorgen. Meine Kolleginnen Theresa Martus und Julia Emmrich berichten über den Fraktionschef, dessen Karriere bislang eine aufregende Achterbahnfahrt war.
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Kein Schutz durch „Tomahawks“

Kritischer als den Abzug der US-Soldaten sehen Sicherheitsexperten in der Hauptstadt eine Entscheidung, über die die Nachrichtenagentur Reuters zuerst berichtete. Demnach verzichten die USA auf die geplante Lieferung von „Tomahawk“-Raketen nach Deutschland. Ein Bataillon, das die weitreichenden Marschflugkörper aufstellen und im Ernstfall bedienen sollte, wird nicht entsandt. Auch der Kanzler rechnet nicht mehr mit den Waffen.
Damit fehlt Deutschland ein wichtiger Teil der Abschreckung, die Bundeskanzler Olaf Scholz noch zur Zeit der Biden-Ära in Bezug auf Russland als dringend notwendig bezeichnete.
Europas Raketen dauern noch
Nach der Absage der USA liegt der Fokus jetzt auf dem europäischen Projekt ELSA, dem „European Long-Range Strike Approach“.
Hinter ELSA verbirgt sich ein ambitioniertes europäisches Rüstungsvorhaben, das als Bewaffnung selbst entwickelte Raketen mit einer Reichweite von über 2000 Kilometern sowie Kampfdrohnen bis zu 500 Kilometern Reichweite vorsieht. Bislang hat ELSA den Status eines „Vorhabens“ und wird frühestens im nächsten Jahrzehnt einsatzreif, wie mein Kollege Christian Kerl berichtet.
Wer die Geschwindigkeit europäischer Rüstungsprojekte kennt, ahnt, dass Putin im Seniorenheim aus der Schnabeltasse trinkt, bis die europäischen Systeme einsatzbereit zur Verfügung stehen und ihre Abschreckungswirkung entfalten können.
Verpufft der Tankrabatt?

Auf dem Weg in die Redaktion komme ich an vielen Tankstellen vorbei und beobachte eine hässliche Entwicklung. Die „2“ leuchtet wieder öfter an der Spitze der Tanktarife und zeigt: Der teure staatliche Tankzuschuss, der uns Steuerzahler in nur acht Wochen rund 1,6 Milliarden Euro kostet, verliert an Wirkung. Das liegt zum einen an der immer noch gefährlichen Lage in der Straße von Hormus und zum anderen am Profitstreben der Mineralölmultis.
Im Vergleich zum Tagesdurchschnittspreis am letzten April-Tag, dem Donnerstag, waren die Spritpreise am Sonntag, 3. Mai, laut ADAC nur 10,9 Cent (Super E10) bzw. 11,1 Cent (Diesel) günstiger. Weil der Rohölpreis aber derzeit niedriger liegt als am 30. April, müssten die Preise eigentlich stärker sinken als um den Betrag der Steuersenkung. Kritiker des Tankzuschusses hatten genau diese ärgerliche Entwicklung kommen sehen.
Von 0 auf Platz 3

Gratulieren will ich abschließend meiner Kollegin Natalja Fischer aus unserem „Leben“-Ressort, die mit ihrem neuen Podcast „Länger Leben“ gemeinsam mit Dr. Felix Bertram auf Platz 3 in den Podcast-Charts im Bereich Gesundheit eingestiegen ist. Wenn Sie lange fit bleiben wollen, sollten Sie unbedingt hier reinhören.
Ich wünsche Ihnen eine gesunde und erfolgreiche Woche,
herzlich, Ihr
Jörg Quoos
Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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