Quantencomputer haben sich vom Forschungsprojekt zum wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Faktor entwickelt. Laut dem neuen „Quantum Technology Monitor 2026“ der Unternehmensberatung McKinsey & Company markiert das laufende Jahrzehnt einen Wendepunkt: Die weltweiten Investitionen in Start-ups für Quantentechnologien stiegen 2025 auf 12,6 Milliarden US‑Dollar, die Umsätze der Branche überschritten erstmals die Marke von einer Milliarde. „2026 ist das Jahr, in dem Quantencomputing vom Technologieversprechen zur strategischen Managementfrage wird“, ist sich Henning Soller, Partner bei McKinsey, sicher.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Technisch funktionieren Quantencomputer anders als herkömmliche Rechner: Sie arbeiten nicht mit Bits, die nur 0 oder 1 sind, sondern mit Qubits, die mehrere Zustände gleichzeitig annehmen können. Diese sogenannten Quanteneffekte ermöglichen es, bestimmte Aufgaben – etwa in den Bereichen Kryptografie und Künstliche Intelligenz (KI) – deutlich schneller zu bewältigen.

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Europa muss sich beeilen, um bei Quantencomputern mithalten zu können

Der geopolitische Wettlauf ist bezüglich Quantencomputer schon in vollem Gange. Die USA dominieren laut McKinsey die Start-up-Finanzierung, große Transaktionen und die Ansiedlung von Marktführern; 64 Prozent der Investitionen fließen in US‑Gründungen. Europa liegt aber beim tatsächlichen Einsatz der Computer in Unternehmen vorn, während China bei wissenschaftlichen Publikationen und Patenten führt – ein Hinweis auf starke staatlich gelenkte Programme. Die Studie warnt: Für Europas Wirtschaft schließt sich das Zeitfenster, um eine führende Position aufzubauen.

Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert

Auch kleinere Länder bringen sich derweil in Stellung. Finnland zählt aktuell zu den führenden Standorten für die Entwicklung und Produktion von Quantencomputern – neben den USA und China. Das nordeuropäische Land ist hybriden Attacken – mutmaßlich aus Russland – permanent ausgesetzt. Man versucht hier, aus dem Ukraine-Krieg zu lernen und sich auch technologisch gegen weitere Attacken zu wappnen.

Quantencomputer als „Teil der kritischen Infrastruktur“

Das finnische Unternehmen IQM in Espoo steht exemplarisch für diese Ambitionen. Der Verteidigungs- und Sicherheitschef des Unternehmens, Jouni Flyktman, betont die sicherheitspolitische Dimension, wie die „Welt“ berichtete: „Quantencomputer werden ein Teil der kritischen Infrastruktur für Verteidigung und Sicherheit sein.“

So könnten sie in Zukunft militärische Anwendung finden, etwa die präzisere Modellierung von Einsatzszenarien, das Enttarnen von Stealth-Technologien wie bei Tarnkappenbombern, die schnelle Analyse von Cyberangriffen oder die Ortung von U‑Booten.

Deutschland kann von Finnland lernen, sich zu verteidigen

Die Handelskammer Hamburg war in dieser Woche mit einer Delegation unter anderem bei IQM, um zu lernen, wie sich Finnland gegen die ständige Bedrohung durch seinen großen Nachbarn Russland verteidigt. „Für uns ist es sehr beeindruckend, wie sehr Resilienz in einem großen Umfang als gesellschaftliche Aufgabe in Finnland verstanden und integriert wird. Das hat Vorbildcharakter für Deutschland“, sagt Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Malte Heyne bei „Welt“. „Uns bestärkt diese Reise, und sie gibt uns viele Impulse, um das Thema weiter voranzutreiben.“

Mehr rund um die Bundeswehr

Für die äußere Sicherheit Deutschlands sei laut Heyne nicht allein die Bundeswehr zuständig, sondern auch die Zivilgesellschaft und die Wirtschaft. Die Handelskammer verstehe gesellschaftliche Resilienz „auch als eine Chance für die Wirtschaft. Wir werden eine aktive Rolle dabei spielen, sie weiter auszubauen. Es geht darum, als Gesellschaft für alle Krisen- und Spannungsfälle widerstandsfähiger zu werden, auch mit Blick auf den Klimawandel und auf Naturkatastrophen.“

mit dpa