Für den Bau eigener Drohnen für einen möglichen Konflikt mit China greift Taiwans Industrie auf Erfahrungen zurück, die in anderen Kriegen weltweit gesammelt wurden. Die Thunder Tiger Corporation präsentierte kürzlich mit „Papa Delta“ eine Angriffsdrohne, die auf ein US-amerikanisches Modell zurückgeht, das Berichten zufolge zuletzt auch im Iran-Krieg eingesetzt wurde.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Das US-Vorbild „Lucas“, was im Englischen für „kostengünstiges unbemanntes Kampf-Angriffssystem“ steht, wurde ihrerseits von der iranischen Kamikaze-Drohne Shahed inspiriert. Russland setzt Letztere etwa im Ukraine-Krieg ein. Mit solchen Entwicklungen will Taiwan seine Verteidigungsfähigkeit in der Taiwanstraße stärken. Die Meerenge trennt das demokratisch regierte Land von China, das Taiwan notfalls auch mit einer Invasion an sich binden will. Für seine Verteidigung ist der Inselstaat in hohem Maße auf Waffenlieferungen aus den USA angewiesen.

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„Papa Delta“ ist laut Thunder Tiger für automatisierte Angriffsmissionen vorgesehen und wird quasi als Munition betrachtet. „Die wichtigsten Vorteile dieser taiwanesischen Drohne sind ihre Eignung für die Massenproduktion, ihre niedrigen Herstellungskosten und ihre hohe Geschwindigkeit“, erklärte Firmenchef Gene Su bei einer Werksführung.

Taiwan: Einheimische Industrie soll gestärkt werden

Su verwies auf die schnelle Drohnenentwicklung nicht-demokratischer Rivalen. Russische Modelle würden kleiner, schneller und seien mit Düsentriebwerken ausgestattet. Taiwan müsse Schritt halten, seine Fähigkeiten bei Strahltriebwerken entwickeln und diese in Abfangdrohnen integrieren, forderte er. Dies sei kosteneffizienter, als sich zur Abwehr billiger Drohnen auf teure Systeme wie Patriot-Raketen zu verlassen, auch weil die Vorräte an Raketenabwehrsystemen begrenzt seien, sagte er.

Drohnenbau in Taiwan
Unbemannte Kampfdrohne vom Typ Papa Delta (C-250 D).© Chiangying-Ying/AP/dpa | ChiangYing-ying

In Drohnen wird Künstliche Intelligenz immer wichtiger, vor allem, wenn sie in Schwärmen eingesetzt werden. „Wenn beispielsweise die Führungsdrohne ausgeschaltet wird, wie können die übrigen ihre Missionen fortsetzen?“, sagte die Präsidentin der Aerospace Industrial Development Corporation, Jennifer Chuang. Ihre Firma arbeite zur Lösung dieses Problems mit einheimischen Unternehmen innerhalb einer nicht-chinesischen Lieferkette zusammen und verbinde KI-Wissen mit Luft- und Raumfahrttechnik.

Auch Nordkorea lernt durch Ukraine-Krieg

Lehren aus der Kriegsführung in der Ukraine und im Iran zieht mit Blick auf die jüngsten Waffentests auch Nordkorea. Machthaber Kim Jong Un räumte bereits im Vorjahr dem Einsatz von KI beim Ausbau des Drohnenprogramms „oberste Priorität“ ein. 

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Seit Beginn des Ukrainekriegs unterstützte Nordkorea seinen Verbündeten Russland mit Soldaten und Munition. Wie es aus diplomatischen Kreisen heißt, soll Pjöngjang durch den seltenen Militäreinsatz im Ausland auch Wissen zur modernen Kriegsführung erlernt haben, insbesondere beim Bedienen von Drohnensystemen.

lro/dpa