Vor den Friedensverhandlungen im Iran-Krieg herrscht weltweit große Spannung: In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad treffen am Samstag erstmals seit Kriegsbeginn Vertreter der USA und Irans zu Gesprächen zusammen, um auszuloten, wie aus der zweiwöchigen Waffenpause ein dauerhaftes Kriegsende werden kann. Mit einer schnellen Einigung ist nicht zu rechnen, doch der Druck ist groß: Die Schäden nach sechs Wochen Krieg sind immens – der Iran ist durch die Bombardements massiv geschwächt, während US-Präsident Donald Trump vor allem wegen der neuen Ölkrise und innenpolitischer Kritik auf ein schnelles Kriegsende hofft. Das ist die Schadensbilanz:
Iran-Krieg: Schon über 4100 Todesopfer
Über 4100 Menschen sind während des Krieges ums Leben gekommen, hinzu kommen 45.000 Verletzte, meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag. Am stärksten betroffen sind demnach der Iran mit 2400 Todesopfern durch amerikanische und israelische Angriffe und der Libanon mit 1700 Toten. Iranische Quellen sprechen sogar von bis zu 3600 Toten im Land. Die Angaben sind nicht zu überprüfen.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Nach Schätzungen der Washingtoner Denkfabrik CSIS sind bei den Luftangriffen im Iran über 250 Führungspersonen getötet worden, der oberste Führer ebenso wie die gesamte Militärspitze – die Zahl der getöteten Zivilisten liegt aber deutlich höher. Präziser ist das Bild auf der anderen Seite: Die US-Armee hat durch iranische Angriffe 13 Soldaten verloren, mehr als 300 wurden verwundet. In den Golfstaaten und in Israel sind durch iranische Angriffe 59 Menschen ums Leben gekommen, der Irak meldet insgesamt 177 Tote.
Der Iran ist geschwächt, das Regime überlebt
Die USA und Israel haben im Iran mehr als 13.000 Ziele angegriffen. Das iranische Atomprogramm hat einen schweren Rückschlag erlitten und könnte noch weiter bombardiert werden, weil die Luftverteidigung des Iran weitgehend zerstört ist. Das Raketenarsenal ist wohl um mindestens die Hälfte dezimiert, aber keineswegs vernichtet. Nach Expertenschätzungen sind auch noch 50 Prozent der Drohnenkapazitäten vorhanden.
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US-Verteidigungsminister Pete Hegseth versicherte diese Woche zwar, die iranische Verteidigungsindustrie sei fast vollständig zerstört, der Bau neuer Raketen damit unmöglich – die US-Regierung pflegt aber militärische Erfolge auch zu schönen. Nicht nur Militär- und Regierungseinrichtungen sind beschädigt, auch viele Industrieanlagen, Energieeinrichtungen, Eisenbahnlinien, Brücken und Tausende Zivilgebäude. Der Schaden ist noch nicht bezifferbar, erste Schätzungen gehen von zig Milliarden Dollar aus. Dennoch: Das Mullah-Regime ist unter Druck, sitzt aber offenbar stabil im Sattel.

Die Kosten des US-Militäreinsatzes dürften inzwischen bei 35 Milliarden Dollar liegen, so eine aktuelle Hochrechnung des unabhängigen Thinktanks American Enterprise Institute. Die Krise der schon vor dem Krieg geschwächten Wirtschaft des Iran hat sich beschleunigt, viele Betriebe produzieren nicht mehr, Millionen Iraner haben ihre Arbeit verloren. Iranische Angriffe auf Energieanlagen in den Golfstaaten haben nach ersten Schätzungen einen Schaden von mindestens 25 Milliarden Euro verursacht. Beschädigt sind auch Flughäfen, Hotels, Wohngebiete und Hafenanlagen.

Die Wirtschaft ist global gebremst
Der Schaden für die Weltwirtschaft ist noch nicht absehbar und hängt vom Verlauf der Verhandlungen ab. Aber der Internationale Währungsfonds (IWF) hat schon gewarnt, dass der Krieg wegen der weltweit gestiegenen Öl- und Gaspreise das globale Wirtschaftswachstum verlangsamen wird – selbst in den „optimistischsten Prognosen“, sagt IWF-Chefin Kristalina Georgiewa. Die Welthandelsorganisation WTO vermutet, die globale Wirtschaftsleistung werde in diesem Jahr um 0,3 Prozent niedriger ausfallen. Von Südostasien bis Europa ist der Preisanstieg für Öl und Gas, Düngemittel und andere Produkte eine schwere Belastung.
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Für Deutschland erwarten die führenden Wirtschaftsinstitute, dass der Krieg das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um etwa 0,35 Prozentpunkte drückt. Der Schaden für die deutsche Volkswirtschaft allein durch den Ölpreisanstieg wird bis Ende 2027 bei 40 Milliarden Euro liegen, so das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Deutlich größer sind die Folgen in Asien, am größten in Nahost. Allein die Golfstaaten und der Irak haben durch die Sperrung der Straße von Hormus täglich rund 1,1 Milliarden Dollar an Öleinnahmen verloren.

Die Strategie der Golfstaaten ist erschüttert
Die langfristigen Folgen des Krieges werden im gesamten Nahen Osten spürbar sein. Die wohlhabenden arabischen Monarchien am Golf haben Jahre und Milliarden investiert, um sich zu globalen Zentren für Wirtschaft, Tourismus und Flugverkehr zu entwickeln. Die iranischen Angriffe haben diese Strategie langfristig beschädigt. Zugleich hat das Vertrauen in den Schutz durch die USA schwer gelitten. Die Golfstaaten dürften zwar nicht mit den USA brechen, aber sich in ihrer Sicherheitsstrategie unabhängiger von Washington machen.
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Nato erleidet neuen Vertrauensschaden
Der Krieg hat den tiefen Riss in der Nato noch vergrößert und das Bündnis in eine existenzielle Krise gestürzt. US-Präsident Trump hat Konsequenzen für das Verteidigungsbündnis angekündigt, weil die Europäer sich weigerten, sich am Krieg gegen den Iran zu beteiligen – ein Krieg, mit dem die Nato gar nichts zu tun hat. Sollte Trump seine Drohung wahr machen, er werde Europas „Verrat“ nicht vergessen, könnte er einen schnelleren Abzug des US-Personals von wichtigen Nato-Posten fordern oder die US-Truppenpräsenz in Europa bewerten.









