Volker Wissing (55) blickt auf stürmische Zeiten zurück. Der frühere Bundesverkehrsminister war Teil der Ampel-Regierung. Diese scheiterte im November 2024. Der anhaltende Streit der FDP mit der SPD und den Grünen über den Bundeshaushalt und die Schuldenbremse war nicht ausräumbar. Der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz entließ die FDP-Minister aus ihrem Amt, doch Wissing blieb als Parteiloser Teil der Regierung.

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Im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ schaut Wissing jetzt kritisch auf die Rolle der FDP in dem Koalitionskrach zurück. „Ich fand das Koalitionsende verstörend.  Parteien können nicht nach ihrem Gusto Regierungen in die Luft sprengen. Eine Demokratie braucht Stabilität“, sagt der 55-Jährige. Er selbst habe sich in einem Loyalitätskonflikt befunden: zwischen Amt und Partei. „Den musste ich auflösen, das ging nur hierarchisch: erst das Land, dann die Partei. Dass ich mich so entschieden habe, sollte eigentlich nicht verwundern.“

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Und während Christian Lindner, Marco Buschmann und Bettina Stark-Watzinger gingen, blieb Wissing. Die Entscheidung fiel unter kuriosen Umständen: zwischen Tür und Angel im Kanzleramt, in einem Zwischenlager des Service-Personals – wo schmutziges Geschirr gelagert wurde –, wie sich der Politiker erinnert. „Unser Gespräch hat keine 30 Sekunden gedauert. Er fragte mich: ,Bleibst du?‘  Ich sagte: ,Ja.‘  Dann sagte er:  ,Gut, dann weiß ich Bescheid und werde alles veranlassen.‘  Das war’s. Ein ganz kurzes Gespräch, aber ein ganz großer Moment des Bundeskanzlers.“

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#13 Volker Wissing über Heldentum, Verrat und Christian Lindner
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Für seine Entscheidung habe der FDP-Minister auch nicht lange überlegen müssen. Schließlich sei absehbar gewesen, dass Scholz im Falle des Koalitionsendes eine persönliche Entscheidung von den FDP-Politikern verlangen würde. Sein Abschied aus der FDP habe jedoch eine große Zäsur bedeutet, berichtet Wissing heute: „Hier in Rheinland-Pfalz, wo ich lebe, ist eine Lücke entstanden. Mir war das gesellschaftliche Miteinander in der Partei immer wichtig. Ich fühle mich nicht verstoßen, doch da ist eben jetzt diese Lücke. Schön wiederum war, dass ich gemerkt habe: Manche Parteifreunde sind echte Freunde. Die bleiben.“ Zu anderen „Parteifreunden“ habe er heute keinen Kontakt mehr. „Das ist schade, wenn ich in diese Beziehungen Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit eingebracht habe. Aber das gehört dazu.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Wissing hat seine Erfahrungen in einem Buch zusammengefasst, das nun erscheint. Es trägt den Titel „Verantwortung“. Wissing geht darin mit der FDP hart ins Gericht. Dabei nennt er kaum Namen – der Name Lindner taucht ein einziges Mal auf. Darin kritisiert er öffentliche Selbstinszenierungen und eine ständige Medienpräsenz von Politikern, betont den Wert der Sacharbeit und verurteilt eine rein parteipolitische Denke: „Das Volk ist der Souverän, der Politiker ist sein Diener.“ Und vor allem: „Ohne Empathie kein Erfolg – das ist die Quintessenz meiner politischen Erfahrung.“ Meint: Nur wenn man die Belange der Partner mitdenke, komme man zu langfristig tragfähigen Lösungen. mit eve/dpa