Donald Trump duldet es nicht, wenn seine Top-Militärs mit vertraulichen Aussagen zitiert werden, die seinen Interessen zuwiderlaufen, vor allem in Fragen von Krieg und Frieden. Darum bestritt der US-Präsident in der augenblicklich hoch angespannten Atmosphäre, dass Dan Caine, der von ihm geschätzte Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs aller Militär-Gattungen, hinter verschlossenen Türen deutlich vor einem etwaigen Militärschlag gegen das Mullah-Regime in Teheran gewarnt hatte.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Eine solche Operation, berichteten Insider im Weißen Haus diversen US-Medien, sei nach Einschätzung des Vier-Sterne-Generals mit einem potenziell hohen Risiko für US-Soldaten verbunden, würde außerdem die Waffenvorräte der USA strapazieren und sei alles in allem erkennbar schwieriger als die Präzisionsfestnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar.
News aus den USA
Trump bestreitet, dass Caine derart argumentiert hat. Im Gegenteil, der General habe ihm bedeutet, dass eine militärische Aktion gegen den Iran „leicht zu gewinnen“ sei. „‚Razin‘ Caine ist ein großartiger Kämpfer und repräsentiert die mächtigste Armee der Welt“, sagte Trump und verwendete dabei den Spitznamen von General Caine. „Er hat nicht davon gesprochen, den Iran nicht anzugreifen, oder sogar von den falschen begrenzten Angriffen, von denen ich gelesen habe. Er weiß nur eines: wie man gewinnt. Und wenn man ihm das aufträgt, wird er die Truppe anführen.“

Wird er? Die Diskrepanz der Darstellungen steht beispielhaft für die extreme Nervosität in der US-Administration, die ihre Unterhändler – Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner – am Donnerstag zur angeblich letzten Verhandlungsrunde mit ihren iranischen Counterparts um Außenminister Abbas Araghtschi nach Genf entsendet hat.
Entscheidet Genf über Krieg oder Kompromiss?
Sollte dort kein für Trump akzeptables Ergebnis in der Frage der nuklearen Kapazitäten Teherans erzielt werden, stehen die Zeichen offenbar klar auf Eskalation. Wie aus Regierungskreisen durchsickerte, würde Trump dann grünes Licht für einen gezielten, aber begrenzten Angriff auf den Iran geben, um der Forderung nach Aufgabe des Atomprogramms Nachdruck zu verleihen.

Die in der Region seit Wochen zusammengezogene Mega-Streitmacht, die größte seit dem US-Einmarsch in den Irak 2003, könnte das Hauptquartier der Islamischen Revolutionsgarde des Iran, die bekannten Nuklearstandorte Irans und/oder die Abschussrampen des ballistischen Raketenprogramms ins Visier nehmen. An den Einsatz von Bodentruppen wird ausdrücklich nicht gedacht. Sollte das kein fundamentales Einlenken des Regimes zur Folge haben, will sich Trump im Laufe des Jahres die Option offenhalten, mit einem finalen Schlag die Führung um Ajatollah Ali Khamenei und dessen Sohn, Nachfolger in spe, auszuschalten und einen Umsturz in Teheran herbeizuführen.
Netanjahu drängt Trump zum Angriff
Soweit die volatile Drohkulisse, in der diverse Akteure Akzente setzen und den Fortgang beeinflussen wollen. Während der republikanische Senator Lindsey Graham und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu Trump auf einen Angriff einschwören wollen, haben Vizepräsident JD Vance und eben General Caine – ohne eine endgültige Festlegung oder gar Ablehnung zu signalisieren – die Risiken einer militärischen Intervention in den Vordergrund gerückt. Mit einem Wort: Flächenbrand im Nahen Osten.
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Auffällig: Außenminister Marco Rubio, beschäftigt mit Venezuela und Kuba, hält sich in der öffentlichen Flankierung des brisanten Themas fast vollständig zurück. Dagegen gießt Finanzminister Scott Bessent, der in dieser Frage weder Expertise noch Mandat besitzt, Öl ins Feuer. Er behaupte im US-Fernsehen, dass der Iran „wahrscheinlich nur noch eine Woche davon entfernt ist, über Material für die Herstellung von Bomben in Industriequalität zu verfügen“. Ein Argument, das wie eine Aufforderung an Trump klingt, die riesige Militärmaschine, die in Schlagdistanz zum Iran in Stellung gebracht ist, von der Kette zu lassen. Fakt ist dagegen laut US-Regierungsstellen, dass der Iran derzeit kein Uran anreichert, weil die Zentrifugen in seinen Nuklearanlagen im Juni 2025 weitgehend zerstört wurden.
Vance hofft auf diplomatischen Durchbruch
Vizepräsident Vance hofft darum, dass die Last-minute-Gespräche in der Schweiz zu einem diplomatischen Durchbruch führen, zeigt sich intern aber nur bedingt optimistisch. Dreh- und Angelpunkt ist zurzeit die Frage, ob es einen für die USA tragfähigen und für Teheran gesichtswahrenden Kompromiss geben kann. Etwa den Vorschlag, dem Iran zukünftig eine rein symbolische Urananreicherung zu erlauben, die nie zu waffenfähigem Material führen könnte und somit den Weg zur Atombombe dauerhaft versperren würde. Trumps Unterhändler haben Außenminister Araghtschi bedeutet, dass der Präsident keine substanzielle Urananreicherung dulden werde. Teheran hat sich bisher zu dem Detail nicht geäußert, auch weil Ajatollah Khamenei kompromisslos ausgeschlossen hat, dass der Iran sein Atomprogramm unter der Kuratel der USA einstampfen wird.

Außenminister Araghtschi wie auch die Vermittler aus Oman und Katar betonten, dass am Ende eine „Win-win-Vereinbarung“ stehen müsse, die beide Seiten als Erfolg verkaufen können; für sich und die Region, damit letztlich auch Israel.
Fakt ist: Niemand weiß heute verlässlich, wann Trump entscheiden wird – und wie. Der Commander-in-Chief belässt es seit Tagen bei dunklen Andeutungen. „Ich würde lieber eine Einigung erzielen als keine. Aber wenn wir keine Einigung erzielen, wird es ein sehr schlechter Tag für dieses Land werden.“ Für den Iran.








