Die Anzeichen für einen möglichen Militärschlag der USA gegen Iran verdichten sich. Nach einem Bericht des US-Kabelnachrichtensenders NewsNation vom Donnerstag hat das Pentagon eine Trägergruppe rund um den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln vom Südchinesischen Meer in den Verantwortungsbereich des US-Zentralkommandos verlegt, das für den Nahen Osten zuständig ist. Eine Trägergruppe besteht aus einem Flugzeugträger, umgeben von verschiedenen anderen Schiffen, darunter mindestens ein Angriffs-U-Boot. Der Transport werde voraussichtlich eine Woche benötigen, hieß es. Drei mit Raketen bestückte Zerstörer und ein U-Boot befinden sich bereits in der Region.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Zuvor hatten die Amerikaner auf ihrem Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid in Katar mit der Evakuierung Hunderter Soldaten begonnen, wie die US-Sender CBS und NBC News berichteten. Es handle sich um eine „Vorsichtsmaßnahme“, hieß es. Al-Udeid ist die größte US-Militärbasis im Nahen Osten. Rund 10.000 amerikanische Soldaten sind hier stationiert. Teherans Streitkräfte hatten den Stützpunkt im vergangenen Juni als Reaktion auf US-Angriffe gegen das iranische Atomprogramm mit Raketen beschossen.

Iran: Deutsche Airlines sollen Luftraum meide
Die amerikanische Regierung rief ihre Landsleute auf, Iran schnellstmöglich zu verlassen. Die US-Botschaft in Kuwait verbot allen nicht dringend notwendigen Mitarbeitern zeitweise, sich auf vier Militärstützpunkte in dem Land zu begeben. Großbritannien warnte seine Staatsbürger vor nicht notwendigen Reisen nach Israel. Die deutschen Luftfahrtbehörden haben Fluglinien empfohlen, den iranischen Luftraum bis zum 10. Februar zu meiden.
Angesichts der blutigen Niederschlagung der Proteste durch das Mullah-Regime hatte US-Präsident Donald Trump mehrfach mit einem Angriff auf Iran gedroht. Zuletzt ermunterte er die Demonstranten mit den Worten: „Iranische Patrioten, protestiert weiter! Übernehmt eure Institutionen!“ Hilfe sei unterwegs. Im Falle einer amerikanischen Attacke auf Iran dürfte die Katar-Basis erneut zur Zielscheibe werden. Im Pentagon wird zudem damit gerechnet, dass US-Stützpunkte in Irak und Syrien ins Visier Irans oder verbündeter schiitischer Milizen kommen könnten. Israel sei ebenfalls bei Vergeltungsaktionen gefährdet.

Trumps Nationaler Sicherheitsrat war am Dienstag mit Vertretern des US-Verteidigungsministeriums zusammengekommen, um verschiedene Möglichkeiten einer Militär-Intervention auszuloten. Als potenzielle Ziele gelten Irans Nuklearprogramm und seine Basen für ballistische Raketen. Da im israelisch-amerikanischen Zwölftage-Krieg nicht das gesamte atomare Material zerstört wurde, könnte ein weiterer Angriff die iranischen Anlagen komplett vernichten. Für das Mullah-Regime und insbesondere die Revolutionsgarden ist die Option auf Nuklearwaffen unverzichtbar. Hardliner sehen darin die einzige Möglichkeit für das Überleben ihres Herrschaftssystems. Die Atom-Diktatur Nordkorea dient dabei als Modell.
US-Angriff auf Chamenei könnte zu noch mehr Blutvergießen führen
Denkbar sind auch US-Attacken auf Einrichtungen der iranischen Sicherheitskräfte, die gewaltsam gegen Demonstranten vorgingen. Auch Irans Oberster Führer Ali Chamenei oder andere Spitzen des Regimes sind potenzielle Ziele der Amerikaner. Die US-Regierung wisse genau, wo sich Chamenei aufhalte, wolle ihn aber fürs Erste verschonen, hatte Trump im vergangenen Juni betont. Die Folgen eines derartigen Enthauptungsschlages wären allerdings schwer zu ermessen. Sie könnten zu noch mehr Blutvergießen, Chaos bis hin zu einem Bürgerkrieg führen. Auch eine Ausweitung des Konflikts auf die weitere Region kann nicht ausgeschlossen werden.
Die Amerikaner verfügen derzeit allerdings nicht über ihre maximale Schlagkraft im Nahen Osten. Im Herbst hatte das Pentagon den Flugzeugträger USS Gerald R. Ford und andere Schiffe aus dem östlichen Mittelmeer abgezogen und in die Karibik geschickt. Sie waren Teril der Armada, die den Anfang Januar gestürzten venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro einschüchtern sollte. Zwei andere Flugzeugträger, die Trump im Juni in den Nahen Osten entsandt hatte, haben diesen ebenfalls längst verlassen. Zudem befindet sich ein Patriot-Flugabwehrsystem, das die US-Regierung im vergangenen Jahr aus Südkorea in den Nahen Osten verlegt hatte, wieder in Ostasien.
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Das Pentagon zeigte sich dennoch optimistisch, Angriffe auf Iran mit dem in der Region versammelten Arsenal durchführen zu können. Denkbar wäre auch, dass die USA losschlagen, ohne Truppen und Gerät vor Ort zusammenzuziehen. Bei der sogenannten Operation „Midnight Hammer“ im vergangenen Juni flogen amerikanische Bomber über den Atlantik, um Irans Atomanlagen anzugreifen. Nach Angaben der „New York Times“ haben hochrangige Mitglieder des Pentagons auch Cyberattacken gegen den iranischen Sicherheitsapparat ins Spiel gebracht.
In seinen jüngsten Äußerungen schien Trump allerdings zurückzurudern. Das Töten in Iran habe aufgehört, es seien auch keine Hinrichtungen mehr geplant, unterstrich der US-Präsident. Das habe er aus „sehr wichtigen Quellen auf der anderen Seite“ erfahren. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi spiegelte die Trump-Aussage im US-Sender Fox News: Es gebe infolge der Massenproteste keine Hinrichtungen. Dies kann ein Rückzug Trumps bedeuten, aber auch eine taktische Beruhigungspille, um die Iraner in Sicherheit zu wiegen. Kurz vor den Militärschlägen auf iranische Atomanlagen im Juni hatte der US-Präsident verkündet, dass er „innerhalb der nächsten zwei Wochen“ eine Entscheidung treffen werde. In Wahrheit hatte er seinen Entschluss bereits gefasst.






