Die Geschäfte zwischen Deutschland und dem Iran haben zwar in den vergangenen Jahren abgenommen – aber sie finden auf kleiner Flamme immer noch statt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes betrug das gesamte Handelsvolumen im Jahr 2024 rund 1,5 Milliarden Euro. Deutsche Exporte im Wert von knapp 1,3 Milliarden Euro gingen in den Iran.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Laut einer Aufstellung der bundeseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft GTAI lieferten deutsche Unternehmen vor allem Chemieerzeugnisse, Maschinen und Elektrotechnik. Aus dem Iran kamen Waren über rund 230 Millionen Euro – insbesondere Nahrungsmittel, darunter Pistazien, sowie Textilien wie geknüpfte Teppiche. Deutschland ist der größte Handelspartner des Iran innerhalb der EU.

Iran: Bis Sommer 2025 hatten die Europäer noch Hoffnung
Der Grund für den Einbruch der deutsch-iranischen Geschäftsbeziehungen waren internationale Sanktionen infolge des iranischen Nuklear- und Raketenprogramms sowie Menschenrechtsverletzungen. Zwar hatte das Atomabkommen von 2015 zunächst für einen Abbau der Strafmaßnahmen gesorgt. Doch nach der Kündigung des Nuklearvertrags durch US-Präsident Donald Trump 2018 sah sich auch der Iran nicht mehr an die Übereinkunft gebunden und reicherte ab 2019 den Kernwaffenbaustoff Uran sukzessive an. Trump verhängte harsche Sanktionen. Viele deutsche Firmen kappten daraufhin ihr Iran-Geschäft, um den amerikanischen Markt nicht zu verlieren. Die großen Dax-Konzerne wie Siemens oder BASF zogen ab, lediglich einige kleinere und mittlere Betriebe blieben.
Die Europäer hatten bis zum Sommer 2025 noch die Hoffnung, dass der Iran im Zuge von Verhandlungen seine Uran-Anreicherung wieder zurückfährt. Bis dahin war der Handel mit der Islamischen Republik erlaubt – mit Ausnahme der Einschränkungen wie etwa bei Nuklear- und Raketentechnologie. Doch da die Atomgespräche zu keinem Ergebnis führten, lösten Deutschland, Frankreich und Großbritannien am 28. August den sogenannten Snapback-Mechanismus aus. Er sieht das „Zurückschnappen“ von UN-Sanktionen aus der Zeit vor dem Nuklearabkommen von 2015 vor. Seit vergangenem Oktober ist die Regelung in Kraft.
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Deutsch-iranisches Handelvolumen schrumpft
Im Zuge der Verschärfung des Atomstreits kühlten sich die deutsch-iranischen Geschäftsbeziehungen immer weiter ab. Betrug das bilaterale Handelsvolumen 2017 noch etwa 3,4 Milliarden Euro, hat es sich 2024 mehr als halbiert. Und der Trend setzt sich fort. Von Januar bis November 2025 sanken die Exporte in die Islamische Republik im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25 Prozent auf knapp 871 Millionen Euro, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Das entspricht einem Anteil von nicht einmal 0,1 Prozent an den gesamten deutschen Ausfuhren. Trotz der überschaubaren Größe hätte eine Reduzierung des Handels auf null gravierende Folgen. „Obwohl das absolute Volumen von circa 1,5 Milliarden Euro im Vergleich zum globalen Handel gering erscheint, wäre ein Abbruch für die iranische Gesellschaft katastrophal, da Deutschland eine kritische ‚Qualitätslücke‘ füllt“, sagte Mohammad Reza Farzanegan, Leiter des Fachgebiets Wirtschaft des Nahen und Mittleren Ostens der Philipps-Universität Marburg, unserer Redaktion.
Laut dem Online-Portal Observatory of Economic Complexity (OEC), das globale Lieferketten darstellt, beliefen sich die deutschen Exporte in den Iran im September 2025 auf 78,8 Millionen Euro – ein Rückgang von 21,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die wichtigsten Ausfuhren bestanden demnach aus pharmazeutischen Erzeugnissen sowie medizinischen und chirurgischen Geräten „Ein Stopp würde die Gesundheitsversorgung unmittelbar destabilisieren“, betont der Wirtschaftswissenschaftler Farzanegan. Auch eine Beendigung der Lieferungen von Maschinen zur Stromerzeugung und -verteilung hätte negative Konsequenzen: „In einem Land, das bereits unter massiven Energieengpässen leidet, führt der Wegfall deutscher Spezialtechnik zu einem schleichenden Zerfall der Infrastruktur.“
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Iran: Trump droht massive Strafzölle für Handelspartner an
Aus Washington kommt zusätzlicher Druck. Angesichts des gewaltsamen Vorgehens des Mullah-Regimes gegen die Demonstranten drohte Trump am Montag: „Mit sofortiger Wirkung wird jedes Land, das Geschäfte mit der Islamischen Republik Iran macht, einen Zoll von 25 Prozent auf den gesamten Handel mit den Vereinigten Staaten von Amerika zahlen.“ Dabei ist vorerst unklar, ob sich die Strafzölle auch gegen Deutschland richten. Die deutschen Exporteure kritisierten Trumps Ankündigung. „Ich glaube nicht, dass man mit dieser Art von Zöllen das Problem in Iran lösen kann“, erklärte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura. „Ich halte es insofern für die falsche Entscheidung des US-Präsidenten.“
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Fachleute sprechen von einer „existenziellen Wahl“ für deutsche Unternehmen. „Sollten diese Mittelständler mit 25 Prozent Strafzöllen auf ihre (ungleich größeren) US-Exporte belegt werden, ist ein sofortiger und vollständiger Rückzug aus dem Iran-Markt die einzige ökonomisch rationale Konsequenz“, unterstreicht der Ökonom Farzanegan. Wirtschaftsverbände haben sich offenbar bereits an die Lage angepasst. „Wir haben seit Ende 2023 keinen einschlägigen Kammer-Kontakt oder Aktivitäten in Richtung Iran“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unserer Redaktion. „Die Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer (DIIHK) mit Sitz in Teheran ist eine in Iran eingetragene Mitgliederorganisation mit eigener Rechtspersönlichkeit und agiert unabhängig von der DIHK.“ Sie sei nicht Teil des weltweiten Netzes der Außenhandelskammern.








