Die Waffenruhe hält zwischen CSU-Chef Markus Söder und Kanzler Friedrich Merz (CDU). Als sie an diesem frostigen Donnerstagmittag unterm Torbogen des Klosters Seeon stehen, betonen beide die „gute Zusammenarbeit gerade in der Zeit der Regierungsverantwortung“ (Merz) und das „enge Miteinander“ (Söder) von CDU und CSU. Aber Söder kann sich eine Stichelei wieder mal nicht verkneifen. Er würde sich wünschen, dass Merz „in der Öffentlichkeit mehr Respekt“ für seine außenpolitische Leistung als „Stimme Europas“ erfahren würde.
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Ein dezenter Hinweis auf Friedrich Merz‘ niedrige Popularitätswerte. Auch hinter den Kulissen ist das konkurrierende Verhältnis der Schwesterparteien immer spürbar. Söder macht Druck – auf Merz. Wie ein Tischfeuerwerk hat der viertpopulärste Politiker der Republik schon Tage vor Seeon eine Forderung nach der anderen öffentlich gestreut, die dann in einem Deutschlandplan mit 98 Forderungen mündeten: Abschiebeoffensive, Erbschaftssteuer runter, Kindergeld rauf, telefonische Krankschreibung weg, Atomkraft ja, Wirtschaft entlasten.
Merz will die Verteidigung stärken
Die CSU sieht sich als „Motor der Bundesregierung“, wie es in ihrem Beschluss von Seeon heißt, sie gefällt sich in der Rolle als treibende Kraft. Und getrieben wird Merz, der zwar in Seeon auch Reformen für die Verteidigungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Landes ankündigt, dessen CDU-Bundesvorstand aber am Wochenende eine Tagung in Mainz wegen der Wetterlage absagte. Reformen? Vertagt.

Die CSU aber will Tempo. Sie empfindet sich als vermittelnde und gut organisierte Kraft in der schwarz-roten Regierung. Sie habe keine Flügelkämpfe wie die anderen, die sich bei der SPD beim Thema Bürgergeld raufen und bei der CDU ums Rentenpaket. Sie hat auch keine skandalerregende Führungspersönlichkeiten wie den CDU-Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, der tennisspielend auf die Krise seiner Stadt antwortete.
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Den Politikwechsel habe man in Deutschland geschafft, empfindet man in der CSU, aber „Deutschland in Ordnung bringen“, diese Aufgabe stehe noch aus. Nach dem verpatzten „Herbst der Reformen“ soll jetzt das Jahr der Reformen kommen. Dringend. „Die Menschen erwarten eine entscheidungsfreudige Politik, die anpacken kann“, sagte Alexander Hoffmann, der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, beim Statement mit dem Spitzenkandidaten der CDU für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, Manuel Hagel.

Die Wahlen in Bayern sind ein Stimmungtest für Söder
Am 8. März wird das Superwahljahr in Baden-Württemberg mit der ersten von fünf Landtagswahlen 2026 eröffnet, dazu finden in Bayern die Kommunalwahlen statt. Das wird ein wichtiger Stimmungstest für Söder, der zwar bundesweit punktet, aber in der eigenen Partei schwächelt. Die CSU kam in Bayern bei zwei Landtagswahlen mit Söder auf Werte um nur 37 Prozent, eine Katastrophe für eine Partei, die jahrzehntelang absolute Mehrheiten einfuhr. Friedrich Merz – der ein Haus am Tegernsee hat – wird am Sonntag bei einem CSU-Stehempfang im Kreis Miesbach sein, wo er Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) treffen wird, die als mögliche Kandidatin fürs Bundespräsidentenamt gehandelt wird. Söder wird nicht dabei sein. Er hält sich bei diesem Thema bedeckt. Da ist er der Getriebene.




