Putins Mann für grobe Wortwahl hat es wieder getan: „Die Entführung des Neonazis Merz könnte eine hervorragende Wendung in dieser Karnevalsserie sein“, drohte Dmitri Medwedew, Russlands Ex-Präsident und heute stellvertretender Vorsitzender des nationalen Sicherheitsrates. „Es gibt sogar Gründe, ihn in Deutschland zu verfolgen, daher wäre es kein Verlust, zumal die Bürger umsonst leiden.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Angst haben muss der Bundeskanzler aber nicht. Friedrich Merz sei „gut und sicher geschützt“, beruhigt der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille. Die Beamtinnen und Beamten der Sicherungsgruppe des Bundeskriminalamts gehörten „zu den Besten der Welt“. Zudem war Medwedews Drohung wohl eher rhetorisch gemeint.

Er droht gerne. Mal mit Atomwaffen, mal mit Invasion. Zuletzt traf es Österreich. Würde das Nachbarland seine Neutralität aufgeben, dann könnte das österreichische Bundesheer in die „Einsatzpläne der russischen Streitkräfte einbezogen werden“, schrieb Medwedew auf dem Online-Portal des russischen Staatssenders RT. Es wäre eine „Verletzung internationaler Verträge“. Und weiter: „Die Länder der Alten Welt sind berauscht von militaristischem Eifer. Und wie verzauberte Motten strömen sie zum zerstörerischen Feuer des Nordatlantischen Bündnisses.“

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Dmitri Medwedew: Putin vertraut auf Loyalität und Fleiß des Ex-Präsidenten

Dmitri Medwedew ist mitnichten nur ein politischer Krawallbruder. Er ist ein politisches Schwergewicht. Der Sicherheitsrat Russlands, dessen Vizechef er ist, ist ein wichtiges Gremium. Vorsitzender ist Russlands Präsident Wladimir Putin selbst. Von 2008 bis 2012 war Medwedew russischer Präsident. Damals, als Wladimir Putin aus Verfassungsgründen nicht antreten durfte. Nach Putins Rückkehr auf den Präsidentensessel wurde er Ministerpräsident.

Für Putin ist Medwedew äußerst wichtig. Mit 60 zählt er zur jungen Garde. Er kommt aus Putins Sankt Petersburger Dunstkreis. Zunächst holte er den Dozenten der dortigen Uni als juristischen Berater in die Stadtverwaltung. Später folgte Medwedew seinem Mentor nach Moskau. Und beeindruckt den Kremlchef mit seiner Loyalität, seinem Fleiß und seiner Dienstbeflissenheit.

Für Putin ist eine weitere Charaktereigenschaft wichtig, die ihn von anderen Männern in seiner Umgebung schon früh unterschied: Medwedew fehlen Härte und Durchsetzungsvermögen.

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Medwedews Rolle: Putin lässt pöbeln, bleibt selbst gemäßigt

Auch Charisma als Anführer hat er nicht. Er war der ideale Interimskandidat als Präsident, bevor der Chef zurückkam. Er war keine Gefahr, die Macht behielt Putin die ganze Zeit über. Medwedew hat eine genau definierte Rolle in Putins Kosmos. Es scheint ein Spiel mit verteilten Rollen zu sein: Medwedew pöbelt und droht. Auf der anderen Seite wirkt Putin gemäßigt und vernünftig.

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Seine Amtszeit als Ministerpräsident endete 2020. Innenpolitisch brauchte Putin dann einen Regierungschef, der vor allem die Sozialausgaben effizienter gestalten sollte. Der Steuerfachmann Michail Mischustin wurde Ministerpräsident, und Medwedew wechselte in sein jetziges Amt im Sicherheitsrat. Mit 60 ist er noch jung genug für eine weitere Karriere. Fraglich allerdings, ob die ihn dereinst als Putins Nachfolger zurück ins Präsidentenamt führt.